Mehrere Firmen und Organisationen haben am 18. Mai 2017 die „5G-Media-Initiative“ ins Leben gerufen, um das Potenzial des zukünftigen Netzstandards 5G für die Medienbranche mit Forschung und Entwicklung zu fördern. Zu den Partnern gehören die Kathrein Werke, Nokia, Rohde & Schwarz, Telefónica, der Bayerische Rundfunk, der Südwestrundfunk, die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg FAU, das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, das Institut für Rundfunktechnik IRT und das Münchner Startup-Unternehmen Cadami.

Die 5G-Media-Initiative will nach eigenem Bekunden die Medienwirtschaft, Wissenschaft und Industrie vernetzen, um Know-how auszutauschen, gemeinsame Positionen zu erarbeiten und Forschungsprojekte zu initiieren. Gegenüber anderen 5G-Initiativen in Deutschland stehe der starke Medienbezug im Vordergrund der Forschungstätigkeit.

Die kommende Generation des Mobilfunks 5G bedeute nicht nur höhere Datenraten und geringere Latenzzeiten, sondern sie werde als umfassendes Kommunikationssystem ganze Branchen und Märkte verändern. 5G gilt als Schlüsseltechnik etwa für das automatisierte Fahren, Industrie 4.0, Smart Grid und E-Health. Darüber hinaus besitze 5G auch ein großes Potenzial für die Medien-, Kultur- und Kreativbranche.

Dazu sagt Uwe Löwenstein, Spectrum Technology Manager, Telefónica Germany: „Telefónica S.A. treibt als global tätiger Telekommunikationskonzern die Entwicklung des neuen Mobilfunkstandards 5G entscheidend mit voran. Das geschieht unter anderem durch die Mitarbeit in EU-Forschungsprojekten sowie durch die aktive Mitgliedschaft im Next Generation Mobile Networks. Die in diesen Projekten gewonnenen Erfahrungen und Kompetenzen bringen wir als Telefónica Germany in nationale Projekte ein. Die 5G-Media-Initiative bietet eine hervorragende Plattform, um zukünftig die Verbreitung von Medieninhalten über moderne und konvergente 5G-Netze zu testen und dadurch entstehende Geschäftsmodelle zu evaluieren.“

„Medieninhalte werden immer mehr auf mobilen Endgeräten konsumiert, während umgekehrt Smartphone und Mobilfunk zunehmend in der Produktion und Übertragung von Inhalten zum Funkhaus genutzt werden können und in manchen Fällen den Ü-Wagen ersetzen“, erläutert Wilhelm Dresselhaus, Deutschland-Chef von Nokia. „5G eröffnet aufgrund seiner universellen Anwendbarkeit vielfältige Optionen für Medienproduktion, -verbreitung und -konsum bis hin zu neuen Geschäftsmodellen.“

5G bietet auf Basis eines globalen Standards die Möglichkeit, individuelle Kommunikation und massenattraktive Mediennutzung über dieselbe Netzinfrastruktur zu realisieren. Leistungsfähige 5G-Endgeräte werden künftig einen verbesserten hybriden Medienzugang mit nahtlosem Übergang von Live- zu Abrufangeboten sowie zu neuen Diensten erlauben.

Der 5G-Netzstandard wird auch neue Formen der Medienproduktion unterstützen. Infrastrukturelle Grenzen der klassischen Medienproduktion lassen sich auf drahtloser IP-Basis überwinden und Aufnahme-, Kontributions- und Studiotechnik umfassender und wirtschaftlicher miteinander vernetzen.

Dazu sagt Helwin Lesch, Leiter HA Verbreitung und Controlling, BR: „Als Netz der Zukunft wird 5G für die Produktion und Distribution von Rundfunk eine tragende Rolle spielen und zudem vollkommen neue Möglichkeiten der Radio- und Fernsehnutzung eröffnen. Der BR beteiligt sich am Projekt, um die Infrastrukturen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kostensenkend für diese zukunftsträchtige Entwicklung einzubringen und damit für Rundfunkkunden den freien und einfachen Empfang zu sichern.“

Jochen Mezger, Geschäftsfeldleiter Netztechnologien, IRT, sagt: „Mit der Einführung von 5G könnte ein Markt mit Millionen von Smartphones und Tablet-PCs als potenzielle Rundfunkempfänger entstehen, welche Live-TV-Dienste, Mediatheken, Soziale Netzwerke und viele weitere Dienste attraktiv kombinieren können. 5G wird auch völlig neue Medienformate, wie zum Beispiel Object-based Broadcasting ermöglichen. Dieses erlaubt, audiovisuelle Objekte sowohl inhaltlich als auch technisch für stationäre und mobile Nutzung und für neue Formate, wie zum Beispiel 360 Grad, Augmented und Virtual Reality sowie für barrierefreie Dienste empfangsseitig anzupassen.“

Ralf Exler, Leiter Innovations-Management bei Kathrein, sieht in der Zukunft ein konvergentes Netz, in dem alle Kommunikationsnetzwerke und Technik verschmelzen und in dem gemeinsame 5G-Standards gebündelt werden. „In dem Netz finden bekannte wie neue Medieninhalte leistungsfähigere Verbreitungswege, was zu völlig neuen Nutzererlebnissen sowie Geschäftsmodellen mit neuen Medienformaten führt. Als Spezialist für Kommunikationstechnik wollen wir die vernetzte Welt von morgen aktiv mitgestalten.“

Manfred Reitmeier, Leiter der Entwicklung Terrestrische Sendersysteme bei Rohde & Schwarz sagt: „Mit 5G eröffnet sich erstmals die große Chance, mit einem weltweit einheitlichen Standard alle wesentlichen Anwendungsbereiche in der drahtlosen Kommunikation abzudecken. Dadurch entstehen auch ganz neue Nutzer- und Betreibermodelle, die Rohde & Schwarz als technologieführender Lieferant von Kommunikations-Infrastruktur und -Messtechnik mitgestaltet und kontinuierlich weiterentwickelt.“

Erste technische Ansätze zur Integration von Rundfunk in LTE/5G wurden im bayerischen Forschungsprojekt IMB5 von 2014 bis 2016 erfolgreich untersucht und in großflächigen Versuchsnetzen in München und Erlangen demonstriert. 2016 wurden die Anforderungen des Rundfunks unter anderem von EBU, BBC, IRT und Nokia, an 5G formuliert und in die Standardisierungsgruppe 3GPP eingebracht.

„Digitaler Rundfunk und drahtlose Kommunikationstechnologien sind seit vielen Jahren Forschungsschwerpunkte des Fraunhofer IIS. Mit 5G werden diese beiden Welten weiter zusammenwachsen. Das Fraunhofer IIS ist mit seinen Testumgebungen in Erlangen und Ilmenau bestens gerüstet, diese Entwicklung aktiv mitzugestalten und zu unterstützen“, sagt Bernhard Niemann, Abteilungsleiter Breitband und Rundfunk am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen.

„Jetzt ist noch die Zeit auf die 5G-Standardisierung Einfluss zu nehmen. Die Medienproduktion wie auch -distribution stellen spezifische Anforderungen, die sich zu einem großen Teil glücklicherweise auch mit denen anderer Märkte decken. Hier gilt es, gemeinsame Interessen zu identifizieren und Vorteile der Kommunikation über einen einheitlichen konvergenten 5G-Standard aufzuzeigen, auf die Standardisierung und Regulierung Einfluss zu nehmen und an der Definition zukünftiger Förderprogramme mitzuarbeiten. Was hier möglich werden kann, insofern man die notwendigen Wege einschlägt, ist das enorme Moment in der Umsetzung und Marktdurchdringung neuer Technologien im Mobilfunk auch für die Medienkommunikation zu erschließen“, so Prof. Dr.-Ing. Georg Fischer, Professor für Technische Elektronik am gleichnamigen Lehrstuhl der FAU.

„Die Mobilfunkindustrie kann gerade im Smartphone-Bereich auf enorm große Stückzahlen verweisen. Diese Skalierungseffekte, die für die Mikroelektronik entscheidend sind, können auch für die Medienkommunikation erschlossen werden“, so Prof. Fischer weiter. „Die FAU möchte in der 5G-Media-Initiative ihr breites Kompetenzspektrum auf dem Gebiet der Multimedia-Kommunikation einbringen. Dies beinhaltet Forschungsbereiche wie die Hochfrequenztechnik, die Nachrichtentechnik, die Schaltungstechnik, die Mikroelektronik und die Audio/Video-Signalverarbeitung

Die 5G-Media-Initiative soll weiteren interessierten Firmen und Institutionen offenstehen, die sich aktiv in die Erreichung der Ziele der Initiative einbringen wollen. Sie steht nach eigenen Angaben dazu in Gesprächen mit weiteren Partnern aus Deutschland.

Weitere Informationen gibt es zum Beispiel unter www.rohde-schwarz.com/de/loesungen/drahtlose-kommunikation/5g/5g-uebersicht/5g-uebersicht_229437.html.

 

 

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.