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Ipres-Konferenz zur Langzeitspeicherung

Eine Frage des Formats

Von Dr. Johannes Wiele

 

21. Oktober 2005

Beim Thema „Langzeitarchivierung“ hat auch die LANline bisher vorrangig über die Haltbarkeit von Medien und über Strategien des Information Lifecycle Managements berichtet. Dass die Probleme schon beim Dokumentformat beginnen, lernen auch Unternehmen am besten von Bibliothekaren.

 
 

(zoom) Archivierungskonferenz in noblem Ambiente: Auf der Ipres diskutierten Spezialisten aus der ganzen Welt. Foto: LANline

Was ist Papier? Für die knapp 100 Teilnehmer der Ipres-Konferenz (International Conference on Preservation of Digital Objects), die aus der ganzen Welt am 15. und 16.9.2005 nach Göttingen reisten, ist es ein hochauflösendes Low-Tech-Display, das zum Betrieb als Anzeigeinstrument nur die einfachste aller jemals vom Menschen erfundenen Techniken benötigt: das Feuer als Lichtquelle. Tagsüber kann der Mensch sogar auf jedes Hilfsmittel verzichten, wenn er sich mit auf Papier gesicherten Informationen beschäftigen will. Die Konservierung der digitalen Daten, die ohne kurzlebiges High-Tech nicht zu lesen sind, macht Bibliothekaren deshalb weit mehr Sorgen als der Erhalt beschrifteten Papiers für potenzielle Leser. Wie lang man uralte Bücher sorgenlos Bibliotheksbenutzern in die Hände geben kann, konnten die Konferenzteilnehmer beim Besuch der historischen Gebäude der einst von den Brüdern Grimm betreuten Göttinger Staats- und Universitätsbibliothek überprüfen, die selbst Jahrhunderte alte Werke in Präsenzregalen vorhält. Allen Verfallsgefahren zum Trotz bleiben Bücher weit länger nutzbar als alle heute bekannten Datenträger.

Damit nicht genug: Auch die zur Rezeption nötigen Kulturtechniken wie beispielsweise die Kenntnisse der ursprünglichen Sprachen halten sich um viele Größenordnungen länger als die Kompatibilität von gesicherten Dokumenten und ihrer Datenträger zur jeweils aktuellen Informationstechnik. Die NASA etwa, so ein Standardbeispiel der Archivierungsprofis in Göttingen, könnte die erste Mondrakete heute zumindest mit direkter elektronischer Unterstützung nicht mehr nachbauen, denn sie vermag die damals dazu gespeicherten Computerdaten nicht mehr einzulesen.

Bibliotheken lösen Businessprobleme

Die Ipres-Konferenz streifte die vieldiskutierte Problematik der Haltbarkeit von magnetischen und optischen Datenträgern nur am Rande. Die Teilnehmer befassten sich zunächst einmal mit den Dokumentformaten, deren schnelle Vergänglichkeit jedem Nutzer von Textverarbeitungen und ähnlichen Systemen wohl vertraut ist. Aus der Sicht von Institutionen, die von Staats wegen mit dem unbeschränkten Erhalt wichtiger Dokumente beauftragt sind, und die dazu beispielsweise Pflichtexemplare aller neuen Veröffentlichungen zugesandt bekommen, sind die schnellen Versionswechsel von Dokumentformaten, Verarbeitungsprogrammen und zugrunde liegenden Betriebssystemen in der IT-Welt eine Katastrophe.

Weitere Bilder zum Artikel

(zoom) Möglicher Weg oder Verzweiflungsakt? Amiga-Emulationsbeispiel aus der Präsentation von Reinhard Altenhöner

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