Verkabelung
Interview: Dr. Rick Pimpinella
Testsysteme ausgereizt
13. August 2009
Dr. Rick Pimpinella ist als Fiber Research Manager in den Panduit-Labors tätig und verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung in der Forschung und der Entwicklung auf diesem Themengebiet. Im LANline-Interview nimmt er zu Fragen der künftigen Ethernet-Geschwindigkeiten Stellung.
(zoom) Dr. Rick Pimpinella, Fiber Research Manager in den Panduit-Labors: „Es ist ungemein wichtig, zu verstehen, über welche maximale Reichweite die unterschiedlichen Kabeltypen verfügen.“
LANline: Welche Auswirkungen werden die künftigen Übertragungsgeschwindigkeiten – also im Besonderen 40GBit/s und 100GBit/s – in technischer und wirtschaftlicher Sicht auf die LWL-Verkabelung haben?
Dr. Pimpinella: Momentan sind 10GBase-SR-Transceiver auf eine maximale Reichweite von 300 Meter ausgelegt. Da die meisten Kabel in Rechenzentren weniger als 250 Meter lang sind, treten mögliche Defizite oder Leistungsgrenzen bei der Übertragung kaum hervor. Dennoch sind für 40- und 100-GBit/s-Ethernet-Applikationen die Übertragungsspezifikationen gelockert und die maximale Kabellänge damit von 300 auf 100 Meter reduziert. Wird also die maximale Glasfaserkabelreichweite auf 100 Meter reduziert, ist davon auszugehen, dass Glasfaserkabel in der nächsten Ethernet-Generation an ihre Leistungsgrenzen stoßen. Die Konsequenz wird sein, dass Ungenauigkeiten und variierende Messverfahren die Signalstärke herabsetzen und damit die Effizienz des gesamten Netzwerks beinträchtigen können. Um sicherzugehen, dass Kabel eine 40/100GBit-Bitrate unterstützen, ist es wichtig, sicherzustellen, dass bei der Messung der Bandbreite ein gewisser Spielraum eingerechnet wird, um Ungenauigkeiten und Toleranzen zu begegnen.
LANline: Welche Perspektiven gibt es für Singlemode- und Multimode-Kabel, und was kommt nach OM3?
Dr. Pimpinella: Jeder Typ Lichtwellenleiter bietet einen besonderen Vorteil, der auf eine jeweils passende Anforderung genau zugeschnitten und ausgelegt ist. Singlemode-Kabel verfügen etwa über eine niedrige Dämpfung und Dispersion, die besonders für lange Übertragungswege von Vorteil sind. Dennoch benötigen Singlemode-Transreceiver für lange Übertragungswege Laser-Kantenemitter,, die weitaus teurer sind als vertikal strahlende Laserdioden (VSSL), wie sie in Multimode-Transreceivern zum Einsatz kommen. Daher ist eine Singlemode-Lösung teuer und wenig vorteilhaft für Applikationen von kurzer Distanz. Für Multimode-Fasern konzipierte Transreceiver sind dagegen zwar kostengünstig, aber aufgrund der hohen Modendispersion nur für kurze Wege geeignet. Die maximale Reichweite von Multimode-Fasern hängt stark von der Fasergüte ab. In einem 10GBit-Ethernet bedeutet die 10GBase-SR-Spezifikation eine maximale Reichweite von 300 Metern via OM3 laseroptimierter Faser. Bei weniger hochwertigen Fasern wie OM2 ist die Reichweite von 300 Metern auf 82 Meter reduziert, bei OM1 auf 33 Meter. Auf der anderen Seite lässt sich mit der neuesten Fasergeneration, der OM4, die Reichweite auf bis zu 550 Meter ausdehnen.