IT-Management
Unified Communications und Mobilintegration locken Anwender
VoIP zwischen Durchbruch und Einbruch
30. Juli 2009
Die paketvermittelte Sprachkommunikation über das Internet-Protokoll (VoIP) hat mittlerweile bei vielen Unternehmen ihren festen Platz. Allerdings sind Roll-out und Reifeprozess noch alles andere als abgeschlossen: Unified Communications und Mobilfunk lauten die aktuellen Herausforderungen, während immer neue Qualitätsverbesserungen das VoIP-Verfahren für ein lebensechtes Präsenzerlebnis ohne Ortsbeschränkungen aufpolieren sollen.
Die Frage, was die Wirtschaftskrise für die moderne, IP-basierende Telekommunikationsindustrie bedeutet, führt in diesem Jahr fast unweigerlich zur Zahl 20. Gleichgültig welches Segment des weitgefächerten Markts – immer ist eine Schrumpfung in der Größenordnung von etwa 20 Prozent zu beobachten. Die weltweiten Umsätze im Bereich der Unternehmenstelefonie insgesamt beispielsweise gingen im ersten Quartal dieses Jahres um 21 Prozent zurück (auf 3 Milliarden Dollar). Auch die Umsätze mit Telefonnebenstellen sowie die Zahl der verkauften Anschlüsse reduzierten sich jeweils um 21 Prozent (auf 1,3 Milliarden Dollar beziehungsweise 10,3 Millionen Anschlüsse). Die Umsätze im gesamten Telefonmarkt brachen sogar um 23 Prozent ein (auf 934 Millionen Dollar), bei den Sprachapplikationen für Unternehmen waren es 19 Prozent (auf 721 Millionen Dollar). Selbst der „ Zukunftsmarkt“ Unified Communications (UC) bekam einen Dämpfer – das erste Quartal 2009 war um 21 Prozent (nach Umsätzen) schlechter als das vierte Quartal 2008. Die genannten Zahlen stammen aus dem kürzlich erschienenen „Enterprise Telephony Report“ für das erste Quartal 2009 von Dell´Oro.
Die Marktforscher liefern auch gleich eine plausible Erklärung für diesen Rückgang, dessen Ausmaß weit größer ist, als die Wirtschaftskrise nahelegen würde: So seien derzeit fünf der acht größten Anbieter aus der Branche mit signifikanten Restrukturierungsmaßnahmen beschäftigt. Dies führe dazu, dass viele potenzielle Kunden die Lage erst einmal beobachten und ihre Investitionen zurückhalten. Beispiele für Unternehmen, deren Business derzeit durch Umstrukturierungen ausgebremst ist, sind etwa Siemens, Aastra und Avaya. Bei Siemens wird die ehemalige „Enterprise Networks“-Sparte seit Mitte letzten Jahres von den Strategen des Finanzinvestors Gore Group zurechtgestutzt – am von Siemens und Gore gegründeten Joint-Venture-Unternehmen, in dem auch der frühere Netzwerkinfrastrukturlieferant Enterasys aufgegangen ist, halten Gore 51 und Siemens 49 Prozent. Aastra integriert seit Mitte Februar dieses Jahres die Telefonanlagensparte von Ericsson und ist gleichzeitig immer noch schwer mit der Eingliederung der deutschen Detewe beschäftigt. Avaya wiederum hat knapp fünf Jahre nach der Übernahme von Tenovis nach wie vor mit Channel-Konflikten zu kämpfen. Ferner hat Avaya kürzlich angekündigt, die seit acht Jahren bestehende Partnerschaft mit IBM weiter auszubauen. Beide Unternehmen wollen so das Thema UC aus einer ganzheitlichen Perspektive aufrollen. Nortel versuchte sich im ersten Quartal noch mit Umstrukturierungen zu retten – inzwischen steht das Traditionsunternehmen unter dem Schutz von „ Chapter Eleven“ und vor einer weitreichenden Zerschlagung. Allerdings geht es auch den Unternehmen, die ihre Kunden nicht durch undurchsichtige Restrukturierungen verunsichern, nicht besser. Branchenprimus Cisco beispielsweise verkaufte im ersten Quartal 2009 32 Prozent weniger Anschlüsse als im Quartal davor, bei Alcatel-Lucent waren es 27 Prozent. Bei NEC lief es besser – das Unternehmen musste nur einen Rückgang um neun Prozent verkraften.
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