Wenn die Stadtwerke ihren Abnehmern helfen, Energie zu sparen, oder Telekommunikationsunternehmen ihren Kunden anbieten, das Zuhause per App zu steuern, ist von Smart Home die Rede. Was wie Zukunftsmusik klingt, tritt gerade seinen Siegeszug an.

Laut GfK Handelspanel 2016 stieg in den ersten zehn Monaten des Jahres 2016 der Umsatz mit Smart-Home-Lösungen um zehn Prozent auf 3,1 Milliarden Euro. Und die Marktforscher von Strategy Analytics prognostizieren, dass bis 2019 rund 50 Millionen Haushalte in Westeuropa Smart-Home-Technik anwenden. Das entspricht einem Marktvolumen von mehr als zwölf Milliarden Euro. Das vernetzte Zuhause hat zahlreiche Versprechungen an seine künftigen Nutzer: Es sichert die Wohnung ab, senkt die Energiekosten und sorgt mit intelligenter Haussteuerung für zusätzlichen Komfort. Etablierte Unternehmen verschiedenster Branchen – Telekommunikation, Energieversorgung, Versicherungen oder Bauwesen – loten derzeit aus, welche Optionen sich ihnen bieten, um für ihre Kunden Smart-Home-Lösungen zu entwickeln und sich so neue Geschäftsfelder zu erschließen. Auch Startups drängen mit frischen Ideen und Lösungen auf den Markt. Aber die Gemengelage ist noch diffus und vielschichtig: Heizungen, Türschlösser, Sicherheitsanlagen, Fenster und Rollläden sind von Hersteller zu Hersteller sowie international sehr verschieden. Gleiches gilt für die zugrundeliegende Vernetzungstechnik. Diverse Funkstandards und Technologien, die über Jahre noch parallel existieren werden, sorgen für unklare Voraussetzungen. Klar ist zurzeit nur, dass zunächst der Umsatz mit Hardware im Vordergrund steht. Langfristig schaffen Smart-Home-Anbieter einen Mehrwert für ihre Anwender vor allem über Services und Dienstleistungen.

Der Status quo: Insellösungen

Ein Blick in die Häuser und Wohnungen mit einem Smart-Home-System zeigt, dass zurzeit vor allem Geräte mit nur einer speziellen Funktion zum Einsatz kommen, zum Beispiel Heizkörperthermostate, Kameras oder Bewegungsmelder. In der Regel handelt es sich um Insellösungen, die unabhängig voneinander arbeiten und nicht vernetzt sind. Der Trend wird sein, alle diese Geräte miteinander zu verbinden, um so ihr volles Smart-Home-Potenzial auszuschöpfen: „Alexa, aktiviere das Szenario Lesen“. Per Sprachbefehl schalten sich die Leselampen am Sofa ein, die übrige Beleuchtung im Raum wird gedimmt und das Thermostat regelt die Heizkörper im Wohnzimmer drei Grad hoch. Das Beispiel zeigt auch, dass das Smart Home es auf lange Sicht für den Endkunden einfacher macht, seine vernetzten Geräte zu nutzen. Hersteller müssen konsequent im Blick behalten, was die Anwender wollen, und jetzt einen Weg finden, mit geringem Risiko und überschaubaren Investitionskosten in den Smart-Home-Markt zu starten.

Eine interessante Option für Unternehmen, denen das Know-how und die Technik fehlen, um ihre Produkte anzupassen, sind White-Label-Smart-Home-Portfolios. Mit einem White-Label-Portfolio bleiben Hersteller hinsichtlich Angebotsdefinition, Marke, Vertrieb oder Preisgestaltung komplett eigenständig und unabhängig. Sie realisieren ihr Smart-Home-Produkt unter eigener Marke und nach ihren individuellen Vorstellungen sowie den strategischen Geschäftszielen. Ein Anbieter eines ganzen Ökosystems, mit dem Unternehmen schnell in den Markt starten können, ist zum Beispiel die Telekom. Deren White-Label-Smart-Home-Portfolio umfasst die offene Smart-Home-Plattform Qivicon, Gateways, Apps, Geräte und Services sowie verschiedene Geschäfts- und Preismodelle.

Bei der Qivicon-Plattform erfolgt der Zugriff auf das Smart Home immer über einen gesicherten Tunnel zwischen Servern der Telekom und der Home Base.

Als hardware- und protokollunabhängige Softwareplattform hat die Telekom mit ihrem White-Label-Smart-Home-Portfolio inklusive der Qivicon-Plattform ein vollständiges Komponentenmodell implementiert. Sie bietet einen offenen, flexiblen und sicheren Ansatz, um Smart-Home-Funktionalitäten, über eine zentrale Plattform gesteuert, auf alternative Smart-Home-Gateways zu installieren. Außerdem unterstützt sie die relevanten Funkprotokolle wie Zigbee Pro, DECT ULE, Homematic, Homematic IP sowie IP. Darüber hinaus lässt sie sich um weitere Protokolle ergänzen, sobald diese im Markt verfügbar sind und an Relevanz gewinnen. Die Qivicon Home Base und viele alternative Gateways besitzen dazu entsprechende USB-Ports. Und als Mitglied der unabhängigen Open Source Developer Community Eclipse Foundation steht die Qivicon-Plattform Entwicklern und Startups offen, um deren Ideen, Apps und Geräte zu realisieren.

Produkte und Services

Mit dem White-Label-Smart-Home-Portfolio der Telekom bleiben Unternehmen hinsichtlich Angebotsdefinition, Marke, Vertrieb oder Preisgestaltung komplett eigenständig. Sie realisieren ihr Smart-Home-Produkt mit eigener Marke und nach eigenen Vorstellungen und Zielen und entwickeln neue Geschäftsmodelle. Dadurch können die Hersteller neben der Hardware auch Services auf Basis von bezahl- oder nutzungsabhängigen Modellen, Dienstleistungsprodukte, Service-Pakete, Kundenbindungsprogramme oder Subventionsmodelle und Förderprogramme verkaufen.

Außerdem erlaubt es das Smart-Home-Portfolio, eigene Produkte und Services digital zu verzahnen. Zum Beispiel vernetzen Versicherungen ihre Tarife in Kombination mit Services und intelligenten Geräten. Oder Hersteller von Hausgeräten machen ihre Produkte smart und greifen bei einem Reparaturfall einfach aus der Ferne auf das Gerät zu. Der Vorteil: Der Techniker hat gleich bei der ersten Fahrt zum Kunden das benötigte Ersatzteil und das passende Werkzeug im Auto.

Neben neuen Geschäftsmodellen ermöglicht das White-Label-Paket auch unterschiedliche Preismodelle, etwa per einmaliger Zahlung oder mittels einer monatlichen Gebühr. Ebenfalls im Portfolio ist eine App, die Unternehmen in Design und Funktionalität an ihr Markenbild und Geschäftsfeld anpassen können. Die App ist in einer Basisvariante oder als Premium-Upgrade mit zusätzlichen Funktionen erhältlich. Die Endkunden entscheiden selbst, mit welcher Variante sie ihr smartes Zuhause steuern.

Mit dem vernetzten Zuhause erweitern Unternehmen nicht nur ihr Geschäftsfeld, sie verbessern zudem ihre Kundenbindung. Telekommunikationsunternehmen sind beispielsweise aufgrund ihrer Infrastruktur bereits elementarer Bestandteil im Zuhause des Endkunden, haben Erfahrung in der Vermarktung sowie Abrechnung von Dienstleistungen. Bieten sie ihren Endkunden neben den klassischen Produkten wie Internet, Telefonie und Fernsehen auch Smart Home, steigern sie zum einen ihren Kunden-Service und positionieren sich darüber hinaus für das zukünftige digitale Zuhause ihrer Kunden. Außerdem steht es Unternehmen jederzeit offen, ihre Smart-Home-Angebote auf Basis des White-Label-Komplettangebots um eigene Services zu erweitern und mit Drittanbietern wie beispielsweise einem Sicherheitsdienst zu kooperieren.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei Smart-Home-Angeboten ist das Thema Sicherheit. Die Lösungen dürfen diesen Aspekt nicht als optionales Feature verstehen, sondern müssen wirksame Schutzmechanismen bereitstellen. Bei der Telekom-Lösung erfolgt der Zugriff auf das Smart Home immer über einen gesicherten Tunnel zwischen Servern der Telekom und der Home Base. Ein direkter Zugriff via Internet ist nicht möglich. Sein Heimnetz schützt der Anwender mit den vorgegebenen Standardeinstellungen an Routern und WLAN. Alle Komponenten sind so vorkonfiguriert, dass sich unbefugte Zugriffe wirksam verhindern lassen. Außerdem nutzt Qivicon für die Verbindung der Geräte nur Funkprotokolle mit einem Mindeststandard an Sicherheit. Die verwendeten Sicherheitsschlüssel verwaltet, falls nötig, die Plattform. Um zukünftig auf Sicherheitsprobleme zügig reagieren zu können, ist sie so konzipiert, dass sich alle relevanten Softwaremodule in den Gateways aktualisieren lassen. Für die Server-Infrastruktur im Rechenzentrum kommt ein entsprechender Hotfix- und Maintenance-Prozess zur Anwendung. Die Sicherheit der Lösung ist belegt: Im Januar 2017 bescheinigte AV-Test einen sehr guten Schutz vor nicht autorisiertem Zugriff. Der TÜV Rheinland hat Qivicon zudem nach dem Qualitätsstandard ISO 9001 zertifiziert.

Wachsendes Ökosystem für Smart Homes

Aktuell sind über 200 Geräte kompatibel mit der Qivicon-Plattform. Die Telekom setzt auf Partnerschaften mit möglichst vielen Unternehmen und plant, kontinuierlich die wichtigsten Standards und Technologien auf der Plattform zu integrieren.

Thomas Rockmann ist Vice President Connected Home, Deutsche Telekom ().