Ein vollständiges, leicht wiederherzustellendes Backup sollte die Grundlage jedes Sicherheitskonzeptes sein. Im SOHO-Umfeld (Small Office/Home Office) ist dies jedoch häufig ebenso wenig der Fall wie bei vielen kleineren Firmen. Die aktuelle Version der Backup-Software True Image musste im LANline-Test zeigen, wie gut sie dieses Problem lösen kann.

Wie wichtig eine gute und vollständige Sicherung, die eine schnelle Wiederherstellung der Daten ermöglicht, wirklich sein kann, hat die noch andauerte Welle der Ransomware vielen Nutzern schmerzhaft vor Augen geführt. Allerdings schaffte es aber auch diese Art der Schadsoftware, bisher erprobte Backup-Konzepte nutzlos zu machen, indem sie beispielsweise die gesicherten Dateien auf einem externen USB- oder Cloud-Laufwerk ebenfalls verschlüsselt hat und somit dem Zugriff des Nutzers entzog. Acronis verspricht mit der aktuellen Version 2017 NG seiner Backup-Lösung Abhilfe bei genau diesen Problemen.

Acronis – mit langer Tradition bei Software für die Datensicherung – genießt sowohl bei Heimanwendern als auch bei Profis einen guten Ruf. Mit der Produktlinie True Image wendet sich der Hersteller nach eigenen Aussagen vor allen Dingen an den Endanwender. Dennoch ist gerade diese Software bei vielen Nutzer aus dem SOHO-Bereich sowie bei vielen kleinen Bürogemeinschaften und Selbstständigen im Einsatz. Zudem hat der Hersteller der aktuellen Version True Image 2017 nicht nur den Zusatz „NG“ für „Next Generation“ verpasst, sondern auch einige neue Techniken mitgegeben, die so in den anderen hauseigenen Backup-Lösungen bislang nicht zu finden sind.

Aufgeräumte und klar strukturierte Oberfläche im Windows-10-Look: Acronis True Image 2017 NG findet auch sofort ein NAS-System im LAN und bietet dieses als Zielsystem an.

True Image 2017 kommt grundsätzlich in der Standard- und in der Premiumausprägung in den Handel, wobei ein Anwender allerdings nur bei der Premiumversion die Vorteile von „New Generation“ nutzen kann. Bei der Standversion hat er die Auswahl zwischen einer Dauerlizenz und einem Abonnement für ein Jahr einschließlich 50 GByte Cloud-Speicher, während er die Premiumversion ausschließlich als Abonnement einschließlich 1 TByte Cloud-Speicher erwerben kann. Die Aboversionen umfassen zudem die Option des kostenlosen Upgrades auf neue Versionen. Im Test stand die Premiumversion zur Verfügung, die aktuell (Ende Februar 2017) im Abonnement für ein Jahr zum Preis von 79,99 Euro zu haben ist.

Nach der schnellen und einfachen Installation steht die Software auf dem PC und als Cloud-Anwendung (als sogenanntes Online-Dashbord) im Browser bereit. Dazu muss der Nutzer während der Installation ein Konto beim Hersteller einrichten. Dies ist in der Premiumversion schon allein deshalb nötig, um den dazugehörenden Cloud-Speicherplatz von 1 TByte nutzen zu können. Was uns hierbei gut gefiel: Bei dessen Einrichtung kann der Nutzer auswählen, wo sich das von Acronis verwendete Rechenzentrum befindet. Dabei steht auch ein Standort in Deutschland zur Wahl, den wir für die Testinstallation auswählten.

Nach der Installation präsentiert sich die Lösung in einer Oberfläche im modernen Look der Windows-10-Oberfläche. Sie ist klar strukturiert und bietet für Endanwender zudem den Vorteil, dass sie sowohl im Browser beim Arbeiten in der Cloud als auch als lokale Anwendung einen sehr ähnlichen Aufbau besitzt. Auf der linken Seite findet der Nutzer Symbole, die ihm einen schnellen Zugriff auf die Standardaufgaben beim Backup ermöglichen. Während die lokale Anwendung komplett auf Deutsch zur Verfügung steht, tauchen bei der Cloud-Anwendung in einigen Untermenüs – wie zum Beispiel im Bereich „Backups“ – einige englische Bezeichnungen auf.

„Active Protection“ passt auf: Diese Software überwacht fortlaufend und auf bestimmte Muster hin, wie Dateien auf einem Computer verändert werden. Sind die passenden Einstellungen aktiv, dann kann sie unter anderem nach dem Blockieren eines Prozesses geänderte Dateien aus temporären Kopien oder aus den Backups wiederherstellen.

Die getestete Version bietet alle bekannten Backup-Möglichkeiten früherer True-Image-Varianten. Nutzer können unter anderem ganze Systeme, Laufwerke und Volumes sowie auch einzelne Dateien und Verzeichnisse sichern. Ebenso ist es möglich, nicht nur vollständige, sondern auch inkrementelle und differenzielle Backups anzulegen und diese Daten wiederherzustellen. Als Ziele können dabei alle lokalen Medien und natürlich die Acronis-Cloud dienen.

Die Software erkennt beispielsweise im LAN vorhandene NAS-Systeme und bietet sie dann als Ziel an. Auch die Verschlüsselung der Daten bei der Übertragung ebenso wie bei der Abspeicherung ist integriert. Die Sicherung in die Cloud klappte im Test problemlos, allerdings sollte es Anwendern klar sein, dass diese Art des Backups entscheidend von der Internet-Anbindung abhängt. So stand uns eine recht flotte Internet-Anbindung via Kabel zur Verfügung, die jedoch wie viele dieser Angebote in Deutschland nur 2 MBit/s im Upstream bietet. Das Resultat: Der Versuch, Daten im Umfang von etwas mehr als 400 GByte auf unseren 1 TByte großen Cloud-Speicher zu sichern, hätte mehr als 15 Tage gedauert. Der Test erfolgte daher dann mit einer geringeren Datenmenge. Dabei arbeitete die Software angenehm unauffällig im Hintergrund und ließ sich auch durch Herunterfahren des PCs nicht aus dem Tritt bringen, sondern nahm die Arbeit nach einem Neustart automatisch wieder auf.

Und was ist nun die „neue Generation“?

Zu den neuen Features der Software gehört ein integrierter Schutz vor Ramsonware namens „Active Protection“, der bei der Installation (oder auch nachträglich) als ständig aktives Programm auf das System kommt. Es überwacht die auf dem System laufenden Prozesse und achtet dabei auf Aktionen, die verdächtig erscheinen, und vergleicht sie mit bekannten Mustern und Angriffsmethoden – zum Beispiel dann, wenn ein Prozess plötzlich damit beginnt, Dateien zu verschlüsseln. Die Software stoppt dann einen solchen Prozess und kennt zusätzlich die Möglichkeit, diejenigen Dateien, die bereits von der Ramsonware verschlüsselt wurden, bevor sie den Angriff stoppen konnte, aus dem nicht kompromittierten Backup automatisch wiederherzustellen. Mangels Ransomware auf unseren Systemen konnten wir dies nicht selbst testen, eine Demonstration des Herstellers in einer virtuellen Maschine funktionierte jedoch beeindruckend. Wie bei ähnlichen verhaltensbasierenden Lösungen üblich, kann der Anwender dabei eine Black- und Whitelist führen, um Programme explizit von der Prüfung auszuschließen oder bestimmte Programme komplett zu schützen. Das Feature war auf unseren Systemen während des mehrere Wochen dauernd Tests aktiv und hat weder die Performance noch andere Systemfunktionen negativ beeinflusst.

Dateien, Verzeichnisse und Sicherungen „beglaubigen“: Mithilfe der „Notary“-Funktion, die auf Blockchain-Technik aufsetzt, können Nutzer selbst ein Zertifikat erstellen und damit sicherstellen, dass eine Backup-Kopie absolut identisch mit dem Original ist.

Viel Werbung hat Acronis für ein weiteres Feature gemacht, dass im Produkt unter „Notarized Backup“ zu finden ist und „Acronis Notary“ heißt. Wählt der Nutzer diese Einstellung, dann berechnet die Software einen Hash-Wert für jede ausgewählte Datei. Zum Abspeichern der Hash-Werte verwendet der Hersteller dabei die Blockchain-Technik. Auf diese Weise lässt sich sicherstellen, dass eine Veränderung dieses Wertes später unmöglich ist. Dazu kommt die Blockchain-Datenbank des Web-Dienstes Ethereum (www.ethereum.org) zum Einsatz.

So können die Nutzer selbst mithilfe eines Zertifikats, das die Acronis-Software erstellt, die Authentizität ihrer gesicherten Daten sicherstellen. Das Zertifikat verbindet die eindeutigen Kennzeichen einer Datei mit einem dazugehörigen permanenten Datensatz in einer Blockchain. Damit können beispielsweise auch Geschäftspartner, die Zugriff auf die Blockchain haben, jederzeit verifizieren, dass die Datei unverändert ist. Das Konzept erweist sich als sehr gut ins System integriert und lässt sich einfach anwenden, indem der Nutzer als Ziel ein „Notarized Backup“ angibt. Dies funktioniert während unserer Testphase gut. Nach dem Anlegen eines solchen „beglaubigten Backups“ ließ sich danach durch einen Mausklick auf die Datei das Zertifikat anzeigen oder überprüfen.

Fazit: Solide Lösung mit interessanten Features

Die aktuelle Version 2017 von True Image mit dem „NG“-Zusatz hat im Testbetrieb voll überzeugt. Die Software verfügt unter anderem über die Möglichkeit, mobile Geräte sowohl in die Acronis-Cloud als auch auf lokale Speicher zu sichern. Dies funktionierte im kurzen Testlauf mit Android-Geräten zuverlässig. Uns hat vor allen Dingen überzeugt, wie einfach und übersichtlich die Software gestaltet ist und wie zuverlässig sie arbeitet. Die neuen Features bilden dabei interessante Pluspunkte. Schade, dass gerade diese neue „NG“-Version nur als Abonnement für ein Jahr erhältlich ist. Als Kaufversion können Nutzer nur die Standardversion ohne die aktuelle Technik erwerben.

Firmen-Info
Info: Acronis
Tel.: 089/61372840
Web: www.acronis.com/de-de
Frank-Michael Schlede und Thomas Bär.