Auf seiner mit rund 14.500 Teilnehmern größten Hauskonferenz seit Firmengründung flutete Dell die Hallen des Sands-Expo-Geländes in Las Vegas mit Neuigkeiten für die Modernisierung, Automatisierung und Transformation von Rechenzentren und IT-Infrastrukturen am Netzwerkrand.

Seitdem sich Dell vor gut anderthalb Jahren EMC einverleibt hat, gilt Dell Technologies in fast allen Schlüsselbereichen der IT als Nummer eins. „Mit unserem breiten Portfolio an immer besser aufeinander abgestimmten IT-Lösungen aus einer Hand gibt es kein Unternehmen, das die IT-Transformation als wesentlichen Schritt der digitalen Transformation kompetenter begleiten kann als wir“, so Michael Dells Schlüsselbotschaft in Las Vegas. Zum breiten Portfolio gehören inzwischen auch immer mehr Dienstleistungen inklusive Finanzierungs-Services und Bereitstellungsmodelle wie der in Las Vegas neu vorgestellte „PC as a Service“. Der Firmengründer hatte aber noch eine zweite Kernbotschaft, die er bei seinen zahlreichen Auftritten immer wieder einstreute: „Wir sind das größte privat geführte Unternehmen der Welt. Wir müssen nicht die Interessen von Aktionären bedienen. Das gibt uns die Agilität eines Kleinunternehmens, aber mit der Schlagkraft eines Großkonzerns.“ Die mit VMware seinerzeit übernommene Mobility Company Airwatch behält ungeachtet dessen formal ihre Eigenständigkeit und bleibt weiter an der Börse.

Am zweiten Kongresstag stellte VMware-Chef Pat Gelsinger die neue IoT-Strategie (Internet of Things) des Unternehmens samt zugehöriger Produkte und Partnerschaften vor. Mit dem Pulse IoT Center will VMware Unternehmen helfen, nun auch den Netzwerkrand (Edge) unter Kontrolle zu bringen. Die IoT-Management-Lösung soll IT- wie auch OT-Teams (Operational Technology) eine einheitliche Sicht auf und vereinfachtes Management für ihre IoT-Infrastrukturen zur Verfügung stellen. Mit den IoT Advisory Services kündigte die Dell-EMC-Mutter gleichzeitig ein neues Beratungsangebot an, das Organisationen dabei unterstützen soll, die richtigen Funktionen und Architekturen für IoT-Daten bereitzustellen.

Dell machte in Las Vegas klar, dass es in Sachen IoT die erste Adresse werden will. Dazu gehören auch strategische Partnerschaften, wie sie Dell bereits seit einiger Zeit mit Bosch unterhält. Zusammen haben die Unternehmen schon eine Art Starter-Kit für die Industrie 4.0 entwickelt. In Las Vegas gab das Unternehmen nun auch eine Partnerschaft mit Atos bekannt. Hier geht es in erster Linie um die Entwicklung eines IoT-Service-Management-Rahmenwerks, das Anwendern erlauben soll, stets den bestmöglichen Nutzen aus ihren vernetzten Geräten zu ziehen.

Alles Flash

Keine digitale Transformation ohne passende Speichersysteme und akkurate Security. Allein bei den Speichern gab es fünf Neuankündigungen – alle mit dem gemeinsamen Ziel, mittels All-Flash die Rechenzentren auf Vordermann bringen. Mit dabei war hier unter anderem das Vmax 950F Array, nun das neue Flaggschiff bei Dells Enterprise-Storage-Arrays. Im Vergleich zur Vorgängerversion soll es eine um 68 Prozent höhere Leistung und um 30 Prozent kürzere Antwortzeiten (6,7 Millionen IOPS für Random Read Hits, 350 Mikrosekunden Antwortzeiten für OLTP) bieten. Weitere Storage-Highlights waren das Xtremio X2 Array für VDI-Lösungen (Virtual Desktop Infrastructure) sowie für umfangreiche Snapshot-Anwendungsszenarien, neue All-Flash-Modelle der Dell-EMC-Unity-Reihe, das hybride Midrange Storage Array SC5020 sowie eine neue Generation der Isilon-Plattformen.

Im Bereich Security will Dell EMC mit der neuen, vorintegrierten IDPA (Integrated Data Protection Appliance) die Datensicherung vereinfachen und an zentraler Stelle zusammenführen. Das Gerät vereint in sich Backup-Speicher und -Lösung sowie Software zur Datensuche und Analysefunktionen für die Datensicherung. Die Appliance korrespondiert mit neuen Produkten im Cloud-Data-Protection-Portfolio von Dell EMC. Damit lassen sich Datensicherung und Disaster Recovery in der Cloud durchführen. Der Speicher besteht auch hier aus Flash-Bausteinen. Die Appliance gibt es in vier Varianten. Das Einstiegsmodell bringt 34 TByte an nutzbarer Kapazität mit, die High-End-Variante kommt auf ein PByte.

Netzwerk: Fokus auf Open Source

Im Bereich Netzwerke versucht das Unternehmen via Partnerschaften mit einschlägigen Herstellern, etwa mit Cisco, die Lücken im eigenen Portfolio zu schließen. Für speziellere Netzwerkprobleme unterhält Dell auch Partnerschaften zu kleineren Technologieschmieden wie etwa Arista Networks.

Dell EMC sieht sich selbst gerne als Open-Networking-Pionier und will jetzt auf dieser Schiene richtig Gas geben. „Bei Dell EMC sind wir fest davon überzeugt, dass Netzwerke am besten arbeiten, wenn sie offen sind, und Anwendern aller Größenordnungen ein Maximum an Wahlmöglichkeiten und Funktionen bieten“, so David Goulden, President von Dell EMC auf seiner Keynote in Las Vegas. „Wir zerlegen Netzwerk-Systemsoftware in offen zugängliche Bestandteile und entkoppeln sie von Hardwareplattformen. Unternehmen können sich so von rigiden und proprietären Umgebungen der alten Welt befreien und auf Basis der softwaredefinierten Prinzipien um Innovationen jeder Größenordnung kümmern.“

Auf der Dell EMC World untermauerte der Hersteller sein Engagement auf diesem Gebiet mit einer Reihe von Switches einer im Open-Networking-Feld neuen Leistungsklasse. Sie sind mit einer neuen Version des Open-Source-basierten Netzwerkbetriebssystems von Dell EMC ausgestattet.

Michael Dell: „Mit unserem breiten Portfolio an immer besser aufeinander abgestimmten IT-Lösungen aus einer Hand gibt es kein Unternehmen, das die IT-Transformation als wesentlichen Schritt der digitalen Transformation kompetenter begleiten kann als wir.“ Bild: Dell EMC

Top-Produkt ist der 25 GbE Open Networking Switch S5100-On, dessen Uplinks für die Rack-zu-Rack-Kommunikation mit 100 GbE arbeiten. Dell EMC positioniert ihn im Umfeld von Unternehmen und Cloud-Service-Providern, bei denen es um hohe Applikations- und Service-Leistung geht. Beim neuen S4100-On handelt es sich um einen 10 GbE Top-of-Rack Open Networking Switch für die Zusammenführung von LANs und SANs innerhalb eines Racks. Im Uplink bietet auch dieser Switch 100-GbE-Ports.

Der S5100-On und der S4100-On, deren Auslieferung Dell EMC für Mitte dieses Jahres plant, sollen die ersten Switches werden, die mit der neuen OS10 Enterprise Edition als Betriebssystem arbeiten. OS10 basiert auf Open-Source-Technologien der Linux Foundation und des Open-Compute-Projekts. Als modulares und programmierbares Netzwerkbetriebssystem soll es sich sowohl für traditionelle Netzwerkaufgaben als auch für Devops-Umgebungen eignen.

Poweredge-Server in 14. Generation

Passend zum S5100-On-Switch präsentierte Dell EMC auf dem Vegas-Event den Poweredge-14-Server, die 14. Generation seines High-End-Server-Systems, jetzt mit eingebauter 25-GbE-Unterstützung. Die für Anfang der zweiten Jahreshälfte 2017 erwarteten Server basieren auf den in Kürze erwarteten Intel-Xeon-Prozessoren der Scalable-Familie. Aus diesen Prozessoren resultiert eine Reihe von Eigenschaften hinsichtlich Leistung, Effizienz und Sicherheit der Server.

So veredelt Dell EMC die Prozessoren in den neuen Servern zu einer skalierbaren Business-Architektur, die Unternehmen erlauben soll, auf dynamische Geschäftsanforderungen mit einer Leistung zu reagieren, die sowohl für herkömmliche als auch Cloud-native Workloads geeignet ist. Die neuen Server sollen bis zu 50 Prozent mehr Nutzer von Virtual-Desktop-Infrastrukturen pro Server bedienen als die vorangegangene Generation.

Als weitere Neuerung führt Dell EMC für seine neuen Server ein vereinheitlichtes System-Management an. Die dafür nötige „Openmanage Enterprise“-Konsole wird aber voraussichtlich erst Anfang nächsten Jahres kommen. Die schon in den Prozessoren angelegten neuen Sicherheitsfunktionen präsentieren sich im fertigen Server in Form von Features für den erweiterten Schutz vor Cyberangriffen und ungewollten Konfigurationsänderungen.

Stefan Mutschler.