Der Markt für Rechenzentren in Deutschland ist weiterhin auf Wachstumskurs. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die das Borderstep Institut für Innovation und Nachhaltigkeit im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Demnach steigen die Investitionen am Standort Deutschland um zehn Prozent und überschreiten somit erstmals die Grenze von einer Milliarde Euro. Bereits in den vergangenen Jahren wies der deutsche RZ-Markt zweistellige Wachstumsraten auf.

Des Weiteren sei auch die Zahl der Arbeitsplätze seit 2014 um 15.000 zusätzliche Stellen gestiegen. Nach Angaben des Verbands gibt es derzeit 130.000 Vollbeschäftigte, weitere 85.000 Arbeitsplätze sind zudem direkt von Rechenzentren abhängig. Als Treiber macht der Bitkom aktuelle Themen wie Cloud Computing, Industrie 4.0 oder Big Data fest, die größere RZ-Kapazitäten beanspruchen. Daher geht der Branchenverband auch in den kommenden Jahren von einem Wachstum des Markts aus.

Die Studie zeigt jedoch auch, dass sich der deutsche Markt im internationalen Vergleich nur durchschnittlich entwickelt. So sei das Wachstum in den dominanten Märkten in den USA und Asien deutlich stärker. Auch innerhalb Europas zählt Deutschland demnach nicht zur Spitzengruppe, wenn es um die Entwicklung von Investitionen geht. Hier seien sowohl die skandinavischen Länder als auch die Niederlande marktführend, die jeweils klare Strategien zur Stärkung des nationalen RZ-Standorts haben und die Ansiedlung von neuen RZs fördern.

Hohe Strompreise und lange Genehmigungsprozesse wirken sich nachteilig auf den deutschen Standort aus.

Darüber hinaus geht die Studie davon aus, dass die Wettbewerbs- und Handelsintensität im RZ-Markt weiter zunehmen wird. Dies sei unter anderem auf die zunehmende Versorgung mit Hochgeschwindigkeitsnetzen sowie technische Entwicklungen wie Cloud Computing und Virtualisierung zurückzuführen. Aber auch die EU-DSGVO wird laut Bitkom dazu beitragen, dass sich die Wettbewerbsintensität in Europa nochmals erhöht, da sich das Verschieben von Rechenlasten aufgrund des angeglichenen Datenschutzniveaus leichter umsetzen lässt.

Als Nachteil für den deutschen Standort nennt die Studie die hohen Strompreise und die zu lang dauernden Genehmigungsprozesse. Auch fehle hierzulande eine klare Strategie zur Förderung des RZ-Standortes und eine nicht ausreichende Vermarktung der vorhandenen Stärken, wie die sichere Stromversorgung, gute Anbindung an das Internet sowie Datenschutz und Rechtssicherheit.

Zudem gehören die deutschen Rechenzentren zu den energieeffizientesten weltweit. Dennoch, so die Studie, steige der Energieverbrauch der RZs in der Bundesrepublik kontinuierlich an. Im Jahr 2016 hat dieser rund 12,4 Milliarden kWh Strom betragen. Daher bestehen hohe Potenziale, die Energieeffizienz der RZs weiter zu verbessern. Laut Bitkom kann beispielsweise die Nutzung der Abwärme der Rechenzentren einen Beitrag zur deutlichen Verringerung der CO2-Emissionen leisten.

Die vollständige Studie gibt es als PDF hier zum Download. Weitere Informationen finden sich unter www.bitkom.org.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.