Wo „Bring Your Own Device“ gilt, müssen Unternehmen keine eigenen Mobilgeräte anschaffen. Dafür dürfen sich Administratoren mit der Integration fremder Devices ins Firmennetz herumschlagen. Mit Aida64 kommen sie den Systemdaten der Geräte auf die Spur.

Zu den angeblich größten Vorteilen des „Bring Your Own Device“-Konzepts gehören die größere Zufriedenheit der Anwender, die ihre Lieblingsgeräte auch im Job einsetzen können, und geringere finanzielle Kosten für die Unternehmen – immerhin müssen diese ja keinen eigenen Mobilgerätepark mehr anschaffen. Ein guter Teil beider Vorteile allerdings geht wieder verloren, wenn die Integration der mitgebrachten Systeme in die Netz- und Applikationslandschaft eines Unternehmens ansteht. Sollen nämlich Unternehmensanwendungen von den anwendereigenen Geräten aus mitgenutzt werden, steht meist die Installation von Clients und von spezieller Sicherheitssoftware an. Dazu wiederum muss jedes Gerät kompatibel sein. Aber welcher Mitarbeiter erscheint in diesem Fall schon mit Handbuch und Spezifikationsliste beim zuständigen Administrator?

Bei Android-Telefonen und -Tablets ist dieses Problem besonders groß, weil es unter diesem Systemdach eine schier unendliche Zahl von OS-Varianten und Hardwarekombinationen gibt. Hinzu kommt, dass manche Anwender zu der Ansicht neigen, via „Bring Your Own Device“ könnten sie die Systemverwaltung der Unternehmen auch gleich für Privatprobleme mit ihren eigenen Systemen in Anspruch nehmen.

Wie auch immer – Mobilgeräte-Administratoren im BYOD-Umfeld müssen sich immer wieder schnell einen möglichst genauen Überblick über die Soft- und Hardwaredetails unbekannter Devices verschaffen können. Weil dies mit Bordmitteln eher schwierig ist, empfiehlt sich – wenn der Besitzer einverstanden ist – der Einsatz eines kostenlosen Spezialwerkzeugs. Dies wiederum sollte übersichtlich, vom Speicherplatzbedarf her nicht zu leistungshungrig, informationsfreudig und überdies möglichst datenschutzverträglich sein, also keinen Zugriff auf abgespeicherte persönliche Daten verlangen. Immerhin wird gegebenenfalls erst nach dem Einsatz dieses Tools entschieden, ob das fragliche Gerät ins Unternehmensumfeld übernommen werden kann.

Umfangreiche Informationen: Aida64 analysiert Android auf einem Mobiltelefon.

Ein Blick ins App-Angebot für Android zeigt zwar eine recht breite Auswahl an Systemcheck-Tools, viele haben jedoch nicht den oben geschilderten Bedarf nach schneller, nüchterner und komplikationsloser Information über businessrelevante technische Interna im Fokus. Stattdessen geht es ums Benchmarking für Spielezwecke oder Leistungsvergleiche nach dem Motto: „Meins ist aber schneller, lauter, bunter!“

Was am Ende heraus stach, war eine App mit den Namen Aida64. Das Tool kostet nichts, ist schnell installiert und liefert die gewünschten Infos ohne Umschweife. An Zugriffsrechten verlangt das Werkzeug in der am 11.1.2017 zuletzt getesteten Version nichts Verdächtiges, nur verständlicherweise den Zugang zu den Netzwerkadaptern und auf die Kamera. Letzteres mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, aber Aida64will nicht etwa Fotos machen – es geht um die Prüfung der Kameraleistung für Zwecke wie beispielsweise die Erfassung von Belegen, wie sie viele Unternehmen zum Beispiel bereits im Rahmen der Reisekostenabrechnung praktizieren.

Ruft man die App auf, erscheint auf dem Bildschirm eine übersichtliche Liste mit den Einträgen „System“, „CPU“, „Anzeige“, „Netzwerk“, „Akku“, „Android“, „Geräte“, „Temperatur“, „Sensoren“, „Apps“, „Codecs“, „Verzeichnisse“ und „Systemdateien“. Für viele Einsatzzwecke dürfte allein der Punkt „System“ schon die nötigen Informationen liefern, gefolgt vom Eintrag „Android“, der detaillierte Angaben über die installierte Betriebssystemversion, deren Patch-Stand und alle Details inklusive Kernel, Treiber, Services, Java und viele andere kritische Sektoren zutage fördert.

Als praxisgerecht fällt hier sofort auf, dass Aida64 unmittelbar zeigt, ob das untersuchte Gerät „gerooted“ ist oder nicht. Ersteres dürfte ein sofortiger Ausschlussgrund für den Einsatz in den meisten professionellen Umgebungen sein. Die Informationen, die das Tool liefert, sind in allen Bereichen extrem reichhaltig und dürften selbst für eine knifflige Fehlersuche mehr als ausreichend sein.

Dr. Johannes Wiele ist Security-Spezialist und Autor des LANline Security Awareness Newsletters.