Schauplatz der diesjährigen Cisco live Europa Ende Januar war die Stadt, die sich mithilfe von Cisco zu einer der führenden Smart Cities der Welt gewandelt haben soll: Barcelona. Rund 14.000 Teilnehmer – erneut Rekord für eine europäische Cisco live – bekamen zu sehen, wie das Unternehmen weitere Puzzlesteine für die Neuerfindung des Netzwerks präsentierte. Intelligente Analysefunktionen verifizieren nun in Echtzeit den Zustand des Netzwerks auf Rechenzentrums- wie auch Campus-Seite. Viel Wert legte Cisco diesmal jedoch auch auf die Frage, warum es keine Alternative zu immer smarteren und effizienteren Netzwerken gibt.

Cisco sieht die IT als lebendigen Organismus, in dem Netzwerk, Sensoren und Apps nicht nur für automatische Selbstorganisation und Schutz zuständig sind, sondern mehr und mehr auch für die effizientere Gestaltung von Büroaufgaben und Geschäftsprozessen. Gordon Thomson, Managing Director Digital Acceleration bei Cisco EMEAR, skizzierte in Barcelona anhand eines einfachen Beispiels, wie ein solches, laut Cisco-Jargon „neuerfundenes“ Netzwerk in der Praxis arbeitet: „Wenn ich mich dem Konferenzraum nähere, erkennt ein Mobilfunksensor anhand meiner SIM-Karte im Smartphone meine Präsenz. Um meine Identität visuell zu verifizieren, aktiviert die Steuerungs-App des Funksensors die Videokameras im Konferenzraum, die mein Bild mit einer hinterlegten Referenz vergleichen. Nach der Bestätigung meiner Identität fährt die Steuerungs-App schon mal den Projektor hoch, während sie gleichzeitig im Firmenkalender nachsieht, wer alles über welchen Kanal zur Konferenz eingeladen ist. Während die Teilnehmer pünktlich zum Starttermin automatisch zugeschaltet werden, optimiert das Netzwerk automatisch in Echtzeit die Service-Qualität der Verbindungen in Sinne einer bestmöglichen Nutzererfahrung.“

Das Beispiel veranschaulicht die Kernelemente, die ein zweckgesteuertes Netzwerk nach den Vorstellungen von Cisco charakterisieren: Steuerung per Software, Echtzeit-Selbstoptimierung auf Basis intelligenter Analysen, Integration von Sensoren sowie Kommunikation zwischen Applikationen und Netzwerk. Apps, Sensoren und Regeln bilden in diesem Szenario das Instrument für die IT, ihre Absicht zu formulieren. Deswegen spricht Cisco nun vom „Intent-based Networking“ (absichtsbasierte Vernetzung).

Das hauseigene „Intent-based Networking“-Portfolio stelle einen grundlegenden Wandel in der IT dar – „weit bedeutender als der Übergang vom Routing zum Switching und der von Telefon-Nebenstellenanlagen zu IP-TK-Anlagen“, so Thomson. Denn es gehe um das Erfassen und Übersetzen von Geschäftszielen in Netzwerk-Richtlinien, die automatisch in der gesamten Infrastruktur und aktiviert würden.

Die Neuankündigungen in Barcelona zielen auf den vielleicht schwierigsten Part in diesem Gefüge, die Echtzeit-Selbstoptimierung des Netzwerks. „Network Assurance Engine“ fügt sich dafür auf Rechenzentrumsseite (Catalyst 9000 Series Switches) in Ciscos ACI- (Application-Centric Infrastructure) und Tetration-Ansatz, während „DNA Center Assurance“ das Netzwerk auf Campus-, Zweigstellen- und Edge-Seite permanent ins Lot rückt. „Meraki Wireless Health“ schließlich dehnt die intelligenten Analysefunktionen ins WLAN aus.

Netzwerk in Echtzeit justieren
Wenn an einem Endpunkt etwas nicht richtig funktioniert, kann das in einer umfangreichen Netzwerkinfrastruktur zahllose Ursachen haben. Für einen Administrator ist es üblicherweise unmöglich, immer jedes einzelne Stellrädchen zwischen diesem Endpunkt und dem entsprechenden Server zu überprüfen und zu optimieren. Assurance übernimmt dies laut Cisco regel-, beziehungsweise sensorgesteuert mit Unterstützung der gesamten Cisco-Knowledge-Base sowie intelligenter Algorithmen und mathematischer Netzwerkmodellierung in Echtzeit. Die Software verrate dem Administrator exakt, wo das Problem liegt und wie sich die Service-Qualität verbessern lässt.

So arbeitet Netzwerk Assurance Engine: Erst werden alle Nicht-Paketdaten wie Anweisungen, Regeln, Netzwerkstatus etc. gesammelt, dann mathematisch über die gesamte Netzwerkinfrastruktur modelliert und schließlich umfassend analysiert. Bild: Cisco

So arbeitet Netzwerk Assurance Engine: Erst werden alle Nicht-Paketdaten wie Anweisungen, Regeln, Netzwerkstatus etc. gesammelt, dann mathematisch über die gesamte Netzwerkinfrastruktur modelliert und schließlich umfassend analysiert. Bild: Cisco

Darüber hinaus könne sie eigenständig Korrekturen vornehmen. „Das wollen die meisten IT-Teams derzeit noch nicht“, so Prashanth Shenoy, Vice President of Enterprise Networking, IoT-Networking und DevNet Marketing bei Cisco, im Gespräch mit LANline. „Verständlicherweise wollen sie erst einmal beobachten, wie zuverlässig Assurance arbeitet, bevor sie diese wichtige Aufgabe aus der Hand geben.

Die Zeit für Fehlersuche und -behebung wird sich so nach Einschätzung von Cisco durch die neuen Funktionen um fast die Hälfte verkürzen. Dabei spiele nicht zuletzt auch eine Art „Rückspulfunktion“ der neuen Software eine wichtige Rolle: „Nicht immer kommen Reklamationen zu einem schlecht oder nicht funktionierenden Service unmittelbar sofort“, erklärt Shenoy. „Oft beschweren sich die User erst einen oder sogar mehrere Tage später. Dann nachzuvollziehen, warum der Service nicht richtig funktionierte, ist bisher fast ein Ding der Unmöglichkeit. Mithilfe von Network Assurance Engine und DNA Center Assurance können wir jedoch das Bild über den Netzwerkzustand beliebig zurückfahren. So sehen wir genau, wo es zum entsprechenden Zeitpunkt gehakt hat.“

IT-Teams sollen mit den neuen Tools jedoch nicht nur Fehlern oder Schwächen im Netzwerk auf die Spur kommen: Als Simulatoren ließen sie sich auch bestens für Planungen und Änderungen einsetzen. „Was immer IT-Teams mit dem Netzwerk vorhaben, unsere neuen Tools sagen ihnen sofort, wie sich das im Netzwerk auswirkt“, so Shenoy.

„Wenn wir unsere Ressourcen nicht effizienter nutzen als wir das heute tun, bräuchten wir 2050 zwei Erden, um alle Menschen zu versorgen“, so Rowan Trollope, SVP & GM IoT und Applications bei Cisco. Bild: Cisco

„Wenn wir unsere Ressourcen nicht effizienter nutzen als wir das heute tun, bräuchten wir 2050 zwei Erden, um alle Menschen zu versorgen“, so Rowan Trollope, SVP & GM IoT und Applications bei Cisco. Bild: Cisco

Den Skeptikern in Sachen vollautomatisches Netzwerk-Management – und dahin führt letztlich Ciscos Weg – erklärte Rowan Trollope, Senior Vice President und General Manager IoT und Applications bei Cisco, in der Keynote-Ansprache am ersten Konferenztag, dass es dazu keine Alternative gebe. Dabei spannte er den Bogen vom smarten Netzwerk bis hin zum smarten Globus. Aktuelle Prognosen kalkulierten für das Jahr 2050 eine Weltbevölkerung von 9,7 Milliarden Menschen. „Wenn wir unsere Ressourcen nicht effizienter nutzen, als wir das heute tun, bräuchten wir zwei Erden, um sie alle zu versorgen“, so der Cisco-Mann. „Wir haben aber nur eine, und deswegen müssen wir alles daran setzen, die vorhandenen Ressourcen intelligenter zu nutzen.“ Die Entwicklung und Bereitstellung der dafür nötigen Technologien sei das, was Cisco antreibt.

Weitere Informationen finden sich unter www.cisco.com/de.

Stefan Mutschler.