Das Analystenhaus Crisp Research hat seine neue Studie „Openstack im Unternehmenseinsatz“ vorgestellt, die erstmals empirische Ergebnisse aus dem DACH-Markt zu diesem erst vier Jahre alten offenen Cloud-Computing-Standard liefert. Das Interesse an Openstack war sogar für die Analysten selbst überraschend groß.

Von den insgesamt befragten 716 IT-Endscheidern in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben erstaunliche 110 der Befragten laut eigenen Angaben Openstack im Einsatz oder in Planung – dabei war die Studie, wie man bei Crisp Research betont, nicht rein auf Service-Provider bezogen: Nur 34 Prozent der Befragten kamen aus der IT-, TK- oder Medienbranche, die restlichen waren über die übrigen klassischen Branchen verteilt.

 

Den Hintergrund für den erstaunlichen Wert liefert eine wachsende Akzeptanz des Cloud Computings: „Nach dem Hype ist Cloud im Alltag deutscher IT-Entscheider angekommen“, so René Büst, Senior Analyst und Cloud Practice Lead bei Crisp Research. Stolze 18,7 Prozent der Befragten betrachteten Cloud Computing als besten Bestandteil der IT-Strategie und des IT-Betriebs – auch dies schon ein beachtlicher Anteil.

 

Cloud-Architekturen seien heute schon von unterschiedlichsten Techniken geprägt, daher rühre der Wunsch nach praktikablen Standards wie Openstack, so Cloud-Spezialist Büst. Die Mehrheit der Befragten betrachte Openstack als echte Alternative zu bestehenden Cloud-Management-Lösungen, beliebt sei das Thema vor allem bei den inovativen IT-Nutzern (Early Adopters). Attraktiv für Anwender sei Openstack vor allem, weil es als Open-Source-Projekt eine offene Plattform darstellt, so Büst.

 

„Man hat (als Openstack-Anwender, d.Red.) natürlich auch einen Openstack-Lock-in“, räumt René Büst ein. „Aber man hat dann wenigstens noch Möglichkeiten zu wechseln.“

 

Fast ein Drittel aller befragten Cloud-Anwender beschäftigt sich laut der Crisp-Studie aktiv mit Openstack. Zwar hätten nur zwei Prozent die erst vier Jahre alte Technik bereits im Betrieb, aber weitere vier Prozent befänden sich in der Implementierung, 14 Prozent in der Evaluierung, und weitere neun Prozent informierten sich derzeit. Die Openstack-Adoption korreliere klar mit dem Cloud-Reifegrad des jeweiligen Unternehmens.

 

Bei den Workloads, für die Openstack zum Einsatz kommt, liegen Datenbanken, Virtual Desktops und Web-Services ganz vorne, gefolgt von Storage/Backup, E-Commerce und mobilen Applikationen. Insgesamt sei das Workload-Spektrum aber sehr breit gestreut, ein klarerer Fokus wird sich wohl erst künftig herausbilden, schätzt Carlo Velten, Senior Analyst und CEO von Crisp Research.

 

Nur die Minderheit wolle dabei aber im Alleingang mit den offenen Projektquellen arbeiten: Drei Viertel der Anwender wünschen sich laut der Umfrage Support durch eine professionelle Openstack-Distribution, wie sie zum Beispiel HP, IBM oder Red Hat bieten.

 

Die Befragten legten in puncto Openstack großen Wert auf eine strategische Partnerwahl: Wichtig sei ihnen eine weltweite Beratungs- und Service-Organisation, aber auch mehrjährige Openstack-Erfahrung sowie das Engagement in der Openstack-Community – ein Indiz, dass noch gewisse Unsicherheit besteht, wie sich Openstack weiterentwickeln wird.

 

Der Ausblick des Analystenhauses: Openstack werde sich zum Katalysator für den Multi-Cloud-Betrieb entwickeln und aus Mangel an praktikablen Alternativen zum Standard für Infrastructure as a Service werden.

 

Laut Klaus Berle, Director Cloud Computing beim Studiensponsor HP, wird die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Cloud-Umgebungen zu vermitteln, künftig eine sehr wichtige Aufgabe sein. Damit sei Openstack ein „technologischer Enabler für zukünftige Cloud-Ökosysteme und Geschäftsmodelle“. HP betreibt unter dem Namen Helion eine weltweit verteilte Cloud-Infrastruktur, für deren Betrieb und Management sich der Anbieter klar zu Openstack bekannt hat.

 

Offene Standards wie Openstack werden laut Berle künftig  auch föderierte digitale Marktplätze ermöglichen, wie man sie für „Industrie 4.0“ benötigen werde. Als Gegengewicht zum IaaS-Marktführer Amazon Web Services (AWS) braucht Europa laut Berle einen einheitlichen, europaweiten Cloud-Service-Katalog, bereitgestellt am besten über eine Non-Profit-Organisation, um den einheimischen Unternehmen den Weg in das Cloud Computing zu ebnen.

 

Weitere Informationen finden sich unter www.crisp-research.com/research/openstack/.

 

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Die neue Studie von Crisp Research zeigt ein erstaunlich großes Interesse an Openstack unter den Cloud-Anwenderunternehmen im deutschsprachigen Raum. Bild: Crisp Research