Seit Jahren arbeitet VMware daran, Cloud-App-Entwicklung und -Betrieb über Cloud-Umgebungen hinweg einfacher und günstiger zu machen. Auf der VMworld in Barcelona ergänzte das Unternehmen seine SDDC-Architektur (Software-Defined Datacenter) um Techniken, Lösungen und Kooperationen, die geeignet scheinen, die Situation signifikant zu verbessern.

„Eine Cloud, jedes Gerät, jede Applikation“ – so lautete VMwares Slogan bisher. Die große Freiheit in Sachen Geräte und Apps endete bei der Cloud-Plattform. Jede dieser Plattformen – darunter Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure, IBM Softlayer oder Google Cloud – kommt mit zahlreichen proprietären Merkmalen, die den übergreifenden App-Einsatz verhindern, zumindest bei vertretbarem Aufwand. Anwender finden sich einmal mehr in den Fängen einzelner Anbieter – oft ein Bremsklotz für die agile Gestaltung des Business.

Erklärtes Ziel von VMware ist seit Längerem, diesem Problem mit einer Cross-Cloud-Architektur für das SDDC zu begegnen: Apps, die für eine Cloud-Plattform entwickelt sind, sollen auch auf anderen Plattformen verfügbar sein, gesteuert durch ein einheitliches Management, mit konsistenter Sicht auf die Apps, nahtlos garantierter Sicherheit und – entscheidend – unabhängig von der verwendeten Hardware, Cloud-Lösung und Hypervisor-Plattform. Der VMworld-Slogan hieß nun: „Jede Cloud, jedes Gerät, jede Applikation“ – eine kleine Änderung mit großer Verheißung.

Wesentlich sind hier neue Cross-Cloud-Techniken, mit denen die zur VMworld neu vorgestellte Version der „Vrealize Automation Management“-Plattform ausgestattet ist. Auch in der VMware Cloud Foundation sind diese jetzt verbaut. Zudem kommt ihnen in den neuen Cross-Cloud-Services, die VMware 2017 lancieren will, eine tragende Rolle zu. Wie das aussehen könnte, zeigte der Hersteller in Barcelona in einer Vorschau auf einen Dienst für umfassende Cloud-Analysen sowie einen Bereitstellungs- und Migrationsdienst.

Zusammen mit Cloud Foundation sollen die neuen Services künftig die Bereitstellung der Cross-Cloud-Technik erledigen. Cloud Foundation bietet eine hyperkonvergente Infrastruktur für die Einrichtung von Private Clouds. Dafür hat VMware seine Vsphere-Software mit Virtal SAN und NSX zu einer einheitlichen SDDC-Plattform integriert. Für die einfache Cross-Cloud-Bereitstellung soll eine Lifecycle-Automationsfunktion im SDDC-Manager sorgen.

CEO Pat Gelsinger hat VMware auf den Kurs interoperabler Clouds gebracht.  Bild: VMware

CEO Pat Gelsinger hat VMware auf den Kurs interoperabler Clouds gebracht.
Bild: VMware

Für IBM-Kunden soll es künftig leichter werden, VMware-Anwendungen in IBMs Softlayer-Cloud zu verschieben. Dazu haben die beiden Unternehmen ihre bestehende strategische Partnerschaft in Barcelona erweitert. Wenige Tage vor der VMworld in Barcelona hatte VMware zudem ein strategisches Bündnis mit AWS geschlossen. Dieser Deal sieht allerdings anders aus, denn VMware tritt als Anbieter der von beiden gemeinsam entwickelten „VMware Cloud on AWS“ auf: Nutzer sollen damit Applikationen über Vsphere-basierte Private-, Public- und Hybrid-Cloud-Umgebungen hinweg betreiben können. Der Vertrag zementiert die Rolle von AWS als primärer Public-Cloud-Infrastrukturpartner von VMware und umgekehrt VMware als AWS-Partner für die Private Cloud.

Neben Vrealize Automation wurden zur VMworld auch Vsphere und Virtual SAN aufgepeppt. Vsphere 6.5 kommt jetzt mit deutlich ausgeweitetem Support und integrierten Sicherheitsmechanismen, um containerisierte Anwendungen in Produktionsumgebungen zu betreiben. Auch Virtual SAN 6.5 kann jetzt mit containerisierten Lasten umgehen, ebenso Vrealize Automation 7.2 auf Management-Ebene. Letzteres unterstützt nun auch eine Out-of-the-Box-Integration mit Microsoft Azure.

Neben der Cross-Cloud-Architektur als Star der VMworld gab es in Barcelona einige Nebenschauplätze mit spannenden Ankündigungen. So kommt VMwares Entwicklerplattform Photon voraussichtlich ab Ende 2016 mit Kubernetes-Unterstützung. Dann können IT-Organisationen den Entwicklern Kubernetes als On-Demand-Service anbieten. Als Resultat einer Kooperation mit Microsoft soll Skype for Business bald auf der Horizon-Plattform laufen. Noch in diesem Jahr soll es eine neue Version von Workspace One geben. Der Schwerpunkt soll hier ein Plus an Sicherheit sein, speziell für Office 365. Den Umgang auch mit allen anderen Internet-Anwendungen will man durch ein erweitertes mobiles Single Sign-on (SSO) besser schützen. Mit Workspace One Essentials bringt VMware zeitgleich eine abgespeckte Low-Cost-Version der Software. Damit sollen Anwender gängige Aufgaben im BYOD-Umfeld (Bring Your Own Device) preisgünstiger erledigen können.

Stefan Mutschler.