Eine Kombination aus Sauerstoffreduktion, Inertgas-Löschanlage und Ansaugrauchmelder bildet die Brandschutzlösung für das Darmstädter Rechenzentrum DARZ. Der Praxisbericht beschreibt das Konzept. Das RZ sticht dabei durch seine Lage in einem ehemaligen Tresorgebäude hervor.

Es ist wohl eines der umweltfreundlichsten Rechenzentren Europas und hat seinen Sitz in einem ungewöhnlichen Gebäude: das 2014 errichtete Darmstädter Rechenzentrum (DARZ). Seit der Gründung im Jahr 2010 bietet DARZ Colocation/Housing, Managed Services und andere Datacenter-Dienstleistungen auf hohem Qualitäts- und Sicherheitsniveau an. Untergebracht im ehemaligen Tresorgebäude der hessischen Landesbank, das bis 2005 die Gold- und Bargeldreserven des Landes beherbergte, hat es eine besonders hohe bauliche Sicherheitsstufe für Rechenzentren.

Das Gebäude beherbergte bis 2005 Gold- und Bargeldreserven der hessischen Landesbank.

Mit der Errichtung einer hochwertigen Datacenter-Infrastruktur (TÜV Level III+/Tier 3+) wollten die DARZ-Verantwortlichen nach eigenem Bekunden die Darmstädter IT-Landschaft abrunden. Strategisch günstig positioniert hat das RZ seinen Sitz außerdem nur rund 30 Kilometer entfernt vom größten Internet-Austauschknoten der Welt, dem DE-CIX in Frankfurt. Das dazu passende Brandschutzkonzept soll neue Technik und bewährte Schutzmaßnahmen vereinen. „Zum geerbten baulichen Schutz haben wir noch die passende hochsichere Infrastruktur verbaut“, erklärt DARZ-Gründer und Geschäftsführer Sergey Mirochnik und präzisiert: „Unser Konzept sieht vor, Gefahren zu vermeiden, bevor diese entstehen. Das ist auch mit enormen Kosten verbunden. Wir sind aber überzeugt, dass unsere Kunden in dieser insbesondere für Daten gefährlichen Zeit unsere Bemühungen und Investitionen zu schätzen wissen.“ Für das Gesamtkonzept mit indirekt freier Kühlung ist das Unternehmen in puncto Green IT bereits ausgezeichnet worden.

Das Brandschutzkonzept

Die physische Sicherheit des Gebäudes zeigt sich in der Bauweise mit meterdicken Wänden, beschusssicheren Panzerglasscheiben sowie der Ausführung des Tresorbereichs als explosions- und erdbebensicheres „Gebäude im Gebäude“. Ein idealer baulicher Grundschutz, der jedoch bei der Umsetzung eines passenden Brandschutzkonzepts einige Herausforderungen bereithielt.

Grundsätzlich eignen sich für den IT-Bereich gasförmige Löschmittel, die Brände effizient und rückstandsfrei bekämpfen. Dazu zählt auch Stickstoff. Das Inertgas nutzt zur effektiven Brandbekämpfung das Prinzip der Sauerstoffverdrängung. Als natürlicher Bestandteil unserer Atemluft (78 Volumenprozent) ist Stickstoff nicht toxisch und weist eine ähnliche Dichte wie Luft auf. Die Bevorratung erfolgt einfach und platzsparend in Löschflaschenbehältern, und im Löschfall verteilt sich der Stickstoff schnell und homogen im Raum ohne Rückstände.

Der für eine mögliche Löschung benötigte Stickstoff ist in Behälterbatterien gelagert und gelangt bei Bedarf mit einer Softflutungseinrichtung unter wenig Druck in das Rechenzentrum.

Aus diesen Gründen ist im Darmstädter Rechenzentrum eine Inertgas-Löschanlage mit Stickstoff verbaut. In Kombination mit hochsensiblen Ansaugrauchmeldesystemen sowie ergänzenden Punktmeldern lassen sich so Brände in einem frühestmöglichen Stadium erkennen und bekämpfen.

Das Schutzkonzept reicht jedoch noch einen Schritt weiter: Gaslöschanlagen müssen, um binnen kürzester Zeit den Raum zu fluten, das Löschgas mit hohem Druck in den zu schützenden Bereich einbringen. So kam es bei konventionellen Stickstofflöschanlagen in der Vergangenheit vor, dass das schnelle Einströmen des Gases durch die Löschdüsen einen Schalldruck von über 130 dB(A) erzeugte und dabei erhebliche Schäden an Festplatten durch Vibrationen verursachte. Häufig können die indirekten Schäden dabei viel gravierender als der Brandschaden selbst ausfallen – nicht nur in Form von vorübergehenden Server-Ausfallzeiten, sondern auch im Hinblick auf Datenbeschädigungen bis hin zum weitreichenden Verlust. Dieses Problem ist im DARZ-Rechenzentrum durch den Einsatz von speziell entwickelten Schalldämpfern gelöst, die den Schalldruck auf etwa 98 dB(A) verringern.

Die Löschdüsen sind mit speziellen Schalldämpfern versehen.

Um Druckspitzen zu Beginn des Löschvorgangs zu minimieren, sind an den Löschmittelflaschen Durchflussregler angebracht. Durch diese Softflutungseinrichtung verringert sich auch die Größe der erforderlichen Druckentlastungsöffnungen erheblich. Auf diese Weise ließen sich Druckentlastungen der gesamten Löschbereiche des ersten Untergeschosses über nur ein bauseitiges F90-Kanalsystem realisieren. Die gesamte Druckentlastung für das erste Untergeschoss benötigt damit nur eine Öffnung ins Freie.

Das Brandvermeidungssystem Oxyreduct von Wagner sorgt im ehemaligen Tresorraum für eine reduzierte Sauerstoffkonzentration von 15,9 Volumenprozent.

Im hermetisch abgedichteten Tresorraum setzt das DARZ auf eine aktive Brandvermeidung durch Sauerstoffreduzierung. Das patentierte Sauerstoffreduzierungssystem von Wagner generiert Stickstoff aus der Umgebungsluft, führt diesen über die Lüftungsanlage in den Schutzbereich ein und senkt dort die Sauerstoffkonzentration auf 15,9 Volumenprozent ab. Im ehemaligen Tresorraum ist ein speziell geschützter Server-Bereich untergebracht, für den maximale Sicherheitsvorkehrungen gelten – wie auch die aktive Brandvermeidung, um Brandrisiken von vornherein auszuschließen.

Brandrisiken im Tresorraum ausschließen

Bei der Umsetzung der Brandschutzlösung gab es nicht nur eine Vorgabe, die von Wagner zu beachten war. Die unterschiedlichen Bereiche benötigten unterschiedliche Lösungen, jeweils auf die baulichen Gegebenheiten und die Schutzobjekte optimal abgestimmt. DARZ wiederum verlangte nicht nur das VdS-Zertifikat für die Brandschutzlösung, sondern auch, dass der Erhalt dessen schnell zu erreichen sei. Die für ein Rechenzentrum wohl einzigartige Bausubstanz machte zudem das Darmstädter Rechenzentrum auch für den Projektleiter von Wagner zu etwas Besonderem. Michael Leibner, Niederlassungsleiter Frankfurt, erinnert sich: „Arbeiten in schusssicherem Spezialbeton hatten wir bisher noch nie vorgenommen. Die erforderlichen Bohrungen in diesem extrem harten Material sind eine echte Belastungsprobe für die gesamte Ausrüstung. Zudem muss man mit größter Vorsicht vorgehen. Unter diesen Umständen die Zeitpläne einzuhalten war eine spannende Herausforderung.“

Katharina Bengsch ist im Marketing der Wagner Group tätig ().