Die Menge der über das Netzwerk laufenden Daten nimmt enorm zu. Ein Ende der Steigerung ist nicht abzusehen. Ebenso wächst dadurch die benötigte Bandbreite. Glasfaser-Netzwerke erlangen folglich immer mehr an Bedeutung.

Experten haben die Kupfernetzwerke schon oft totgesagt, bis heute hat diese Technik jedoch durch die kontinuierliche Weiterentwicklung ihre Bedeutung erhalten können. Die Bandbreiten, die sich damit übertragen lassen, sind allerdings zumindest dicht an einer physikalischen Grenze angelangt. Diese Tatsache macht heute und in Zukunft immer öfter den Einsatz von Glasfaserkabeln notwendig.

Zusätzlich zu den steigenden Bandbreiten nimmt die Bedeutung der Datenübertragung ständig zu. Gründe liefern etwa die Trends, die sich unter den Schlagworten „Industrie 4.0“ und „Internet of Things“ subsummieren lassen. Dies bedeutet, dass auch die Anzahl an benötigten Verbindungen immer weiter steigt.

Wer hätte noch vor einigen Jahren gedacht, dass gewöhnliche Anwender einmal über das Netzwerk telefonieren? Heute ist dies bereits Standard. Wenig überraschend wird es auch in Zukunft weitere Entwicklungen geben, die heute noch nicht abzusehen sein müssen. Bereits aktuell ist jedoch für viele Anforderungen die Datenübertragung per Glasfaser erforderlich. Auch die Entwicklung der LWL-Verkabelung geht folglich ständig weiter. Innerhalb von nur zehn Jahren entwickelte sich der Standard im Multimode-Bereich von OM2 über OM3 auf heute OM4 und OM5. Dass dies nicht das Ende der Evolution bist, versteht sich von selbst.

Solche überfüllten Kabeltrassen sind jedem Installateur aus den Praxis bekannt.

Bis vor Kurzem konnte ein IT-Leiter davon ausgehen, dass die installierten LWL-Verbindungen lange nutzbar sind. Die meisten Verantwortlichen rechneten nicht mit einem baldigen Modernisierungsbedarf. Seit der Einführung von 10GbE und der ernsthaften Diskussion über Geschwindigkeiten bis 40 und 100GbE und sogar darüber hinaus ist das anders. Zahlreiche verlegte Kabel geraten mit diesen Übertragungsraten an ihre Grenzen oder sind überhaupt gänzlich ungeeignet dafür. Wer 10GbE auf längeren Strecken nutzen will, muss dafür neue Kabel mit leistungsfähigen Fasern einziehen.

Die Herausforderung für die Verantwortlichen für die IT-Infrastruktur, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben, ist gewaltig. Der größte Aufwand, der mit der Weiterentwicklung des Netzwerkes verbunden ist, ist meist das Verlegen von neuen Kabeln. Jeder Praktiker, der je mit dieser Materie zu tun hatte, wird dies ohne Zögern bestätigen. Vollgestopfte und zu klein geplante Kabelwege und -durchgänge, wiederholtes Öffnen, Schließen und Abnehmen von Brandschotts, extrem verschmutzte Kabelkanäle, Arbeiten in Kabelschächten entweder in eisiger Kälte oder in glühender Hitze, vereiste Schachtdeckel und -einstiege, Störungen des Betriebsablaufes sowohl der IT als auch in den Büros, Stilllegung der Produktion und noch viele weitere Freuden „erheiterten“ in einem solchen Fall bisher oft die Gemüter der Betroffenen.

Etwa 85 Prozent aller Brandschotts sind bereits heute illegal, da mehr als die maximal zulässigen 65 Prozent des Durchbruches mit Kabeln gefüllt sind. Vermutlich wird das Thema Brandschutz nach dem Brand in der Bochumer Klinik Bergmannsheil mit zwei Toten im Herbst 2016 vor allem in Deutschland eine neue Bedeutung erlangen. Die Bereitschaft, für die bisher weit verbreiteten großzügigen Toleranzen die Verantwortung zu übernehmen, könnte deutlich abnehmen.

Für alle genannten Herausforderungen gibt es eine Lösung, deren Ursprünge weit zurückreichen. Diese Technik ist seit Jahrzehnten im gesamten WAN-Bereich gebräuchlich und entsprechend ausgereift: Statt eines klassischen Kabels verlegt der Betreiber ein Rohrsystem, das sich gut mit einer Rohrpostanlage vergleichen lässt. Für sämtliche LAN-Verbindungen sind die benötigten Glasfasern dann nur noch in die leeren Rohre „einzublasen“.

Die Unterschied beim Platzbedarf zwischen einem Kabelpaket und dem Multi-Rohr-System (rechts) fällt ins Auge.

Die Herausforderungen für die Verwendung dieser Technik im LAN-Bereich unterscheiden sich allerdings. Der Hauptunterschied zum Einsatz im Außenbereich ist der dort meist unbegrenzt zur Verfügung stehende Platz. Dies sieht in einem Gebäude deutlich anders aus. In einem Gebäude und auf den bereits jetzt schon überfüllten Kabelwegen ist das Verlegen von weiteren zusätzlichen Kabeln die größte Herausforderung. Abhilfe leisten Multi-Rohr-Systeme, die unter begrenzten Verhältnissen den geringen Platzbedarf als ihre größte Stärke ausspielen können. Es handelt sich dabei um ein Leerrohrsystem, in das die benötigten Fasern nur eingeblasen werden.

Ein weiterer Punkt ist das Thema Reservekabel. In der Praxis sind oft viele Reservekabel oder dickere Kabel mit vielen Reservefasern verlegt. Häufig sind diese Kabel, wenn sie denn überhaupt jemals benötigt werden, bereits veraltet und dadurch nicht mehr brauchbar. Der Platz, den diese Kabel belegen, ist jedoch unwiederbringlich verloren, denn die nicht benötigten Kabel lassen sich nicht einfach wieder rückbauen. Der Aufwand einer Rückbaumaßnahme übertrifft den der Neuinstallation um ein Mehrfaches. Ein solches Verlegen von Reservekabeln wird durch den Einsatz des Multi-Rohr-Systems gänzlich überflüssig.

Wenn das Multi-Rohr-System vollständig und intelligent geplant und verlegt ist, kann das Einrichten neuer Verbindungen künftig nahezu umbemerkt erfolgen. Störungen der Produktion oder der IT sowie der Büroumgebung gehören dann der Vergangenheit an. Jeder Installateur oder Techniker, der schon einmal eine Verbindung in oder durch einen Operationssaal, einen Reinraum, ein Labor oder durch einen sensiblen Produktionsbereich erstellt hat, weiß, wovon die Rede ist. Dies gilt in erster Linie für die Produktion in der Pharmazie, bei Lebensmitteln oder Elektronik.

Der Rückbau von Verkabelung ist unbeliebt, zum Beispiel wegen der Gefahr von Beschädigungen.

Zudem existieren stichhaltige Argumente dafür, Glasfaserverbindungen bis ins Büro (FTTO) oder gar bis an den Arbeitsplatz (FTTD) zu legen. Durch den steigenden Bandbreitenbedarf werden die Kuper-Links immer kürzer ausfallen müssen. Außerdem sind oft starke elektromagnetische Störeinflüsse durch Aufzugssteuerungen und größere lastabhängige Produktionsmaschinen vorhanden. Diese behindern die Übertragungsgeschwindigkeit auf Kupferleitungen enorm, da die beschädigten Datenpakete (Packet Loss) immer wieder anzufordern sind.

Für FTTO und FTTD gibt es ausgereifte Lösungen. Der ebenfalls steigenden Bedeutung von PoE (Power over Ethernet) wird durch den Einsatz von Umsetzern – sogenannten Giga-Switches – Rechnung getragen. Damit werden die Vorteile der LWL-Technik (hohe Bandbreite und große Übertragungswege), des Multi-Rohr-Systems (Platzersparnis und Flexibilität) und der Kupfertechnik (POE und POE+) gemeinsam nutzbar.

Durch den Einsatz des Multi-Rohr-Systems entstehen gegenüber einer klassischen Verkabelung Mehrkosten. Diese sind in den allermeisten Einsatzfällen bereits nach der ersten Nachverkabelung wieder amortisiert. Ab der zweiten Nachverkabelung ist der Einsatz des Multi-Rohr-Systems enorm wirtschaftlich. Nicht vergessen sollte ein Betreiber dabei den Vorteil bei künftigen Techniksprüngen. Details sind in einem Youtube-Video zu sehen: youtu.be/QGDijiMADeY.

Ein weiterer Vorteil ist die Möglichkeit, verschiedene Fasertypen in einer Leitung zu installieren. Wenn dort gleichzeitig beispielsweise Single- und Multimode-Kabel erforderlich sind, bedeutete dies, dass keine unterschiedlichen Kabel mehr zu verlegen sind. In einer Multi-Rohr-Leitung lassen sich vielmehr unterschiedliche Fasertypen kombinieren. An allen Abzweig-, Übergabe- und Anknüpfungspunkten, steckt der Installateur beim Multi-Rohr-System einfach zwei leere Röhrchen zusammen, und die benötigten Fasern werden von einem Endpunkt der Verbindung bis zum anderen in einem Zug und ohne Unterbrechung eingeblasen.

Johann Schwaighofer ist Leiter Kundenbetreuung bei Datec ().