In Rechenzentren und in IT-Netzen vom Mittelstand an aufwärts wird es immer schwieriger, einen vollständigen Überblick über die Infrastruktur zu behalten. Aspekte der Sicherheit, Umweltparameter, Gebäudesteuerung – selbstverständlich jedoch auch Fragen der Verkabelung und des Zusammenspiels der verschiedenen IT-Layer treffen dort aufeinander. Hilfe können Betreiber von automatischen Monitoring-Systemen erwarten, die mittlerweile auch Einzug in die einschlägige Normierung gefunden haben.

Typisch ist, dass die Vielfalt der Gewerke einzeln für sich ganz selbstverständlich mit eigenen Lösungen aufwartet, die teilweise seit Jahren etabliert sind. Für die künftig geforderte Leistungsfähigkeit wie auch unter den Gesichtspunkten der wirtschaftlichen Effektivität ist jedoch eine Gesamtlösung ratsam, die alle Gewerke umfasst.

Betrachtet man zum Beispiel die Aktivitäten für Industrie 4.0 im Umfeld von „Steckverbindern mit Zusatzfunktionen“ und geforderten Latenzzeiten von weniger als einer Millisekunde, die Virtualisierung, neue Netzwerkarchitekturen wie SDN (Software-Defined Network), 5G im Mobilfunkbereich und die kommende direkte Kommunikation zwischen Gerätschaften, dann wird schnell klar, dass sich in der IT gerade jetzt Gravierendes abspielt. Dies betrifft sowohl die Verkabelungsinfrastruktur, das Monitoring und das resultierende Controlling. Bei der Betrachtung des Ganzen wird allerdings häufig die Basisverkabelung entweder belächelt oder gar nicht mehr betrachtet. Dabei stellt sie auch weiterhin das Fundament dar – und ihre Stabilität sorgt für den Erfolg und die Zuverlässigkeit der höheren Layer.

Geschäftsführer und Controller von dynamisch agierenden Unternehmen oder administrativ operierenden Organisationen wissen zum Beispiel oft gar nicht, welchen Aufwand an fortlaufender Dokumentation ihre IT-Mitarbeiter erbringen müssen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und aufgetretene Fehler zu beseitigen. Über einen für die Verkabelungsinfrastruktur – die ja oft zwei bis drei IT-Gerätegenerationen leistungsgerecht unterstützen muss – realistischen Bestandshorizont von zehn Jahren betrachtet, zeigen sich gerade fehlende oder lückenhafte Dokumentationen als wahre Geldgräber und blockieren zukunftsorientierte Infrastrukturmaßnahmen, die für die Weiterentwicklung von Unternehmen und Organisationen notwendig wären.

Auch die Verkabelung aktiver Geräte lässt sich in das AIM-System einbeziehen.

Toleriert sind diese Geldgräber in der Vergangenheit meist aus dem Grund, dass der Dokumentation keine Kostenstellen zugeordnet sind und Aufwendungen in Wartungs- und anderen Budgets verschwinden – also genau dort, wo gerade noch etwas verfügbar oder offen ist.

Künftig gelten für die Verkabelungskomponenten jedoch noch weitere Anforderungen. So erhöhen sich die übertragungstechnischen Anforderungen im Bereich von 2 bis 3 GHz, also in einer Region, die schon in die Nähe des Satellitenfunks fällt, sowie in der Leistungsversorgung von angeschlossenen Geräten bis hin zu 90 Watt nach IEEE 802.3bt. Die daraus resultierende Erwärmung, die kontraproduktiv zu den übertragungstechnischen Anforderungen steht, und das Phänomen, dass beim Ziehen eines Steckverbinders Lichtbögen entstehen und Kontaktflächen verbrennen, erfordern ein konsequentes Monitoring auf dem physischen Layer der IT-Infrastruktur. Damit lässt sich dann beispielsweise unter anderem die Lebensdauer von Steckverbindern erfassen, und zwar nicht in Zeiteinheiten, sondern in verbrauchten Steckzyklen. Hinzu kommt das Kenntlichmachen von Ports, an denen PoE oder Remote Powering läuft, um Verbrennungen zu vermeiden.

Vorsorge und damit Fehler- und Kostenvermeidung ist der Hauptgrund für ein Monitoring auf dieser physischen Ebene. Für den IT-Betreiber ergeben sich aus einem solchen Monitoring als Beiwerk eine Vielzahl an Vereinfachungen und Hilfen. Geplante Umstrukturierungen – als „Jobs“ in das System eingegeben – erscheinen direkt vor Ort, und damit sind Fehler nahezu ausgeschlossen. Ungeplante Veränderungen werden sofort und überallhin gemeldet. Verantwortliche können darauf reagieren, bevor es zu längeren Ausfällen kommt. Der bidirektionale Datentransfer über einen sogenannten Open Connector zu anderen Systemen – etwa zur Klimatisierung, zu Zugangskontrollen, zu Steuerungen im Gebäude (Facility-Management) – erfüllen die Anforderungen, die als Hilfen für die IT-Verantwortlichen notwendig sind.

Die Liste der Leistungsmerkmale für ein solches Monitoring (Automated-Infrastructure-Management, AIM) auf physischer Ebene ist international in der IEC 18958 und in der künftigen EN 50667 beschrieben. Diese Dokumente sind im Zusammenhang mit existierenden Verkabelungsnormen (Serie IEC 11801-x, Serie EN 50173-x), Installationsnormen (IEC 14763-2, EN 50174-1) sowie Rechenzentrumsnormen (Serie EN50600-x) zu sehen und anzuwenden. Damit ist offensichtlich, dass das Monitoring auf physischer Ebene kein „Nice to have“ ist, sondern Bestandteil und Fundament jeder leistungsorientierten Verkabelungsinfrastruktur.

Die Umsetzung in Neuinstallationen ist meist einfach und beruht in erster Linie auf der Entscheidung für Verkabelungskernkomponenten, die allerdings im Sinne des Betreibers offen und nicht systemabhängig sein dürfen. Mit geschickt ausgefeiltem Design für Nachrüstfähigkeit lassen sich auch Bestandsinstallationen weitestgehend aufrüsten und die AIM-Vorteile einbinden.

Modulare Konzepte von Hard- und Softwarekomponenten ermöglichen den Betreibern individuell angepasste Lösungen, die den eigenen Bedürfnissen und Anforderungen angepasst und damit kosten-/nutzenoptimiert sind. Diese modularen Konzepte sind Paketlösungen aus einer Hand vorzuziehen. Ferner erlauben modulare Konzepte eine höhere Flexibilität zum Kombinieren mit dem FM (Facility-Management), DCIM (Datacenter-Infrastructure-Management) oder bis hin zu Warenwirtschaftssystemen. Alles beginnt jedoch mit der Planung. Wenn aus einer einfachen Gebäudeplanung ein Kabel-Routing möglich ist, den Beschäftigen Räume und Anschlüsse zugeordnet werden, daraus Patch-Aufträge automatisiert entstehen und an den Verteilern optisch dargestellt sind, die Ausführung automatisiert gemeldet wird und auf Knopfdruck eine voll automatisierte Dokumentation erstellt und ersichtlich ist – nur dann ist für die Verantwortlichen der komplette Überblick vorhanden und der volle Nutzen abrufbar.

Beispiel eines RFID-basierenden AIM-Systems, hier von Telegärtner.

Die Herstellerwahl bleibt allerdings wichtig: Nur wenige Unternehmen aus der Verkabelungsbranche verfügen über eine eigene Hochfrequenzentwicklung bis in den genannten Frequenzbereich, beschäftigen sich direkt mit Eingaben in die internationale Normierung und bieten deshalb den IT-Betreibern zukunftsorientierte und standardisierte Produkte an.

Die geografische Nähe und Verfügbarkeit von Ansprechpersonen ist ideal für die tatsächliche Umsetzung von Projekten, etwa bei der Implementierung von AIM-Leistungsmerkmalen in Rechenzentren und unternehmensspezifischen IT-Verkabelungen, wenn es gilt, individuelle Rahmenparameter zu beachten.

Jedem Verantwortlichen aus der Firmen- und Verwaltungsleitung sowie jedem IT-Verantwortlichen sollte bewusst sein, dass die Entscheidung bei einer Bestandsdauer von zehn Jahren gravierende Einflüsse auf die künftigen notwendigen Investitionen des eigenen Unternehmens haben.

Dipl.-Ing. (FH) Jürgen Kiery ist bei Telegärtner tätig und Mitglied mehrerer GUK-Arbeitskreise ().