Die Mischung macht in Sachen Cloud den Unterschied. Während Unternehmen besonders sensible Daten weiterhin auf den eigenen Systemen speichern, lagern sie die übrigen Informationen mittlerweile in eine flexible, kostengünstige Cloud-Infrastruktur aus.

Eine Veritas-Studie zeigt diesbezüglich, dass deutsche Unternehmen im Durchschnitt mit drei Cloud-Anbietern parallel zusammenarbeiten. Sie sind also Multi-Cloud-Nutzer. Von denen, die erst mit einem Cloud-Anbieter zusammenarbeiten, wollen immerhin 39 Prozent aufrüsten. Doch welche Vorteile versprechen sie sich von der Vielfalt bei der Nutzung?

Das ist zum einen die Wahlfreiheit. Denn das Angebot an Cloud-Service-Providern (CSPs) ist groß, ihre Dienste breit gefächert und die Preise entsprechend niedrig. Anwender, die beispielsweise ihre Backups und Archive auf mehrere Cloud-Anbieter verteilen, profitieren von dieser Situation. Wird zum Beispiel der Langzeitspeicher bei einem CSP teurer, kann die IT-Abteilung Backups einfach zu einem billigeren Anbieter migrieren. Der Preis sollte allerdings nicht das einzige Kriterium sein.

Abhängig von ihrer Herkunft haben die einzelnen Anbieter bestimmte Stärken oder Spezialisierungen entwickelt. Gerade große Firmen wollen den besten Provider für die jeweilige Aufgabe – schon ist die Multi-Cloud Realität. Ein weiterer Aspekt: CSPs entwickeln stetig neue Zusatz-Services, wie beispielsweise Big-Data-Analysen, die ebenfalls einen Mehrwert liefern.

Gravitation der Daten sorgt für Komplexität

Ein weiterer Vorteil ist die Unabhängigkeit der Unternehmen. Denn wer eng mit nur einem Cloud-Provider zusammenarbeitet und einen Großteil seiner Daten dort hinterlegt, begibt sich in ein gewisses Abhängigkeitsverhältnis. Der Vendor Lock-in birgt das Risiko, dass ab einer gewissen Datenmenge die Transaktionskosten einen Wechsel unwirtschaftlich machen, obwohl der Dienst anderer Anbieter passender, moderner oder einfach billiger wäre. Die so genannte Gravitation der Daten, also ihre bloße Menge, macht den Wechsel komplex und langwierig.

Wer beispielsweise 1 PByte an Daten bewegen muss, bräuchte bei einer Leitung mit 100 MBit/s in etwa 1.095 Tage oder drei Jahre, in denen er ununterbrochen Files über die Leitung schickt. Selbst mit den dezidierten Transfer-Appliances, die die großen Cloud-Provider anbieten, dauert der Transfer immer noch 43 Tage.

Ganz anders sieht das in der Multi-Cloud aus: Hier werden die Workloads und Applikationen automatisch auf andere Anbieter gespiegelt. Ein Umzug fällt somit leichter, da die Daten schon auf andere Anbieter hinweg verteilt sind. Mit einer entsprechenden Verwaltungssoftware, die Schnittstellen mit relevanten CSPs aufweist, verschiebt die IT-Abteilung Daten mit einem Mausklick von einer Cloud in die andere. Das steigert auch die Verfügbarkeit.

Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit. Denn kein Dienst ist komplett ausfallsicher: Naturkatastrophen, Hacker-Angriffe oder menschliches Versagen können unverhofft eintreten. Ein prominentes Beispiel ist der Ausfall der AWS-Region US-West; das Ergebnis eines Tippfehlers. Wer auf Nummer sicher gehen will, hinterlegt seine Backups bei mehreren CSPs in verschiedenen Regionen. Das Risiko eines Datenverlusts ist damit deutlich geringer. Die Sicherheitsstandards der CSP sind aber in der Regel sehr hoch, da sie viele Sicherheitsexperten beschäftigen. Gerade mittelständische Unternehmen könnten sich dieses Personal überhaupt nicht leisten. Wer alle empfohlenen Sicherungs- und Verschlüsselungsmaßnahmen ergreift, dessen Daten sind genauso gut oder sogar besser geschützt als im eigenen Rechenzentrum.

Ebenso wichtig ist Disaster Recovery in der Cloud: Statt wie früher ein weiteres, teures und starres Rechenzentrum aufzubauen, das bei Ausfällen einspringt, können Unternehmen die nötigen Rechenressourcen einfach in die Cloud verlagern. Das spart Investitionskosten und erhöht durch eine dezentrale Verteilung der wichtigsten Daten und Applikationen die Sicherheit. Im Falle eines Failovers verlagert sich die Arbeitslast der kritischen Anwendungen vom Rechenzentrum auf die Cloud.

Langzeit-Backups in der Cloud sparen Kosten

Unternehmen sollten auch dabei den Ernstfall bedenken – CSPs sind Unternehmen und können insolvent gehen oder von Konkurrenten übernommen werden. Beide Fälle wirken sich auf die verfügbare RZ-Infrastruktur aus und beeinflussen, wo die Daten der Kunden liegen. Dies ist vor allem dann ein Problem, wenn Daten in einer bestimmten Region lagern müssen, etwa weil es die Datenschutzgrundverordnung so verlangt.

Der große Vorteil der Cloud ist ihre Skalierbarkeit und die Abrechnung nach tatsächlich genutztem Speicherplatz und Rechenzyklen für die Workloads. Davon profitieren vor allem KMU, die sich keine lokale Backup- oder Recheninfrastruktur leisten können oder wollen. Große Unternehmen mit eigenem Rechenzentrum sind in der Lage, flexibel zu entscheiden, wo sie ihre Daten aufbewahren. Ein übliches Modell ist es, Langzeit-Backups in billigem Cloud-Speicher abzulegen und kritische Daten lokal aufzubewahren.

Andreas Bechter ist Global Technical Account Manager bei Veritas, www.veritas.com.