Während die IT früher ihr Dasein häufig im Keller fristete, hat die Digitalisierung in den vergangenen Jahren bedingt, dass die Technik sich inzwischen überall wiederfindet und für alle Fachabteilungen in Unternehmen gleichermaßen zur Verfügung steht. Diese Entwicklung hat dafür gesorgt, dass alle Unternehmen über sämtliche Branchengrenzen hinweg sich diesen disruptiven Herausforderungen stellen müssen, erklärte Werner Knoblich (siehe Bild oben), Senior Vice President and General Manager EMEA bei Red Hat, auf dem Red Hat Forum 2017 in Wien: „Man muss nicht der Erste sein, der dem Trend nachgeht, jedoch sollte man nicht der Letzte sein.“ Schließlich sei es umso schwieriger, die (verpassten) aktuellen Entwicklungen aufzuholen, je länger ein Unternehmen damit wartet.

Doch neben der Einführung von Innovationen müssen Organisationen seiner Meinung nach auch ihre Kultur und Prozesse ändern. Geschieht dies nicht, drohe die neue Technik zu scheitern. Bei Red Hat ist es als Anbieter von Open-Source-Lösungen natürlich naheliegend, dass hier der Community-Gedanke eine große Rolle spielt. Für Knoblich bedeutet das, dass die beste Idee gewinnt, die zur Lösung eines Problems beiträgt: „Innovationen passieren in der Regel nicht mehr innerhalb eines IT-Giganten, sondern in Open Source Communities“. Schließlich finde sich Open Source inzwischen überall. Auch die Diskussion über die Unternehmenstauglichkeit von Open Source habe sich inzwischen erledigt, so Knoblich.

Lars Herrmann, General Manager Integrated Solutions Business Unit bei Red Hat: „Unternehmen picken sich aus den verschiedenen Public-Cloud-Angeboten die Services heraus, die sie für ihre Anforderungen benötigen.“ Bild: Red Hat

Für die Zukunft geht der Red-Hat-Manager davon aus, dass das Thema Hybrid Cloud weiter zulegt. Darunter versteht der Open-Source-Anbieter jedoch nicht nur einen Mix aus On-Premise- und Public-Cloud-Installationen, sondern vielmehr einen Multi-Cloud-Ansatz. „Unternehmen picken sich aus den verschiedenen Public-Cloud-Angeboten die Services heraus, die sie für ihre Anforderungen benötigen“, erklärt Lars Herrmann, General Manager Integrated Solutions Business Unit bei Red Hat. Diese Entwicklung beobachtet der Open-Source-Anbieter derzeit verstärkt. Er führt sie darauf zurück, dass die verschiedenen Cloud-Plattformen sich in den Services deutlich unterscheiden und verschiedene Vor- und Nachteile bieten, etwa Google mit seinen AI-Services (Artificial Intelligence).

Knoblich begrüßt diese Entwicklung, da seiner Meinung auch beim Thema Public Cloud für Unternehmen die Gefahr eines Vendor Lock-ins besteht. Hier werde eine Abhängigkeit dann zum Problem, wenn der Anbieter plötzlich die Preise verdoppelt, Angebote nicht mehr verbessert oder Services aufkündigt. Unternehmen sollten daher  bei der Wahl ihrer Public-Cloud-Anbieter möglichst flexibel sein. Red Hat selbst will sich hier als „neutrale Schicht in den verschiedenen Umgebungen positionieren“, so Knoblich. Speziell soll dies mit der Containerplattform OpenShift gelingen.

Der Open-Source-Anbieter offeriert Unternehmen hier mit den Optionen Online (PaaS für beispielsweise Application-Teams), Dedicated (Instanz wird von Red Hat in der Open-Cloud gehostet und verwaltet), Self-Managed (Unternehmen managt OpenShift selbst) und On-Premise vier Wege für die Verwendung von OpenShift.

Die Plattform unterstützt unter anderem unterschiedliche Programmiersprachen, etwa Java, Node.js, .NET, Ruby, Python oder PHP, sowie Datenbanken, etwa MongoDB oder MySQL. Außerdem ermögliche sie optimierte Workflows für die Konfiguration und Bereitstellung von Applikationen in beliebigen Frameworks wie Spring Boot, Eclipse Vert.x, Node.js und Red Hat JBoss Middleware. Dadurch soll sich die Virtualisierung von Services über sämtliche Umgebungen weiter ausbauen lassen und die Einführung neuer oder die Verbesserung bestehender Dienste beschleunigen lassen, um so Innovationen schneller voranzubringen.

OpenShift, so Herrmann, vereinfache die Umsetzung einer Multi-Cloud-Strategie für Unternehmen. Schließlich sei der Open-Source-Ansatz prädestiniert für diese „Plattformmentalität“, also der zentralen Ansteuerung verschiedener Angebote über einen offenen Standard auf einer Plattform (One-to-Many). „Ich rechne damit, dass OpenShift das neue Linux wird“, so Herrmann.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.