In puncto Backup sehen sich Unternehmen immer stärker mit neuen Herausforderungen konfrontiert, darunter die Sicherung virtueller Server, rasant wachsende Datenbanken und lokale Daten auf einer Vielzahl mobiler Endgeräte. Während Unternehmen beim Backup weiterhin meist auf lokal Installiertes bauen, wandert laut Gartner das Archiv für immer mehr und immer unterschiedlichere Datenbestände verstärkt in die Cloud.Server-Virtualisierung ist in den Unternehmen inzwischen Alltag, und auch unternehmenskritische Applikationen findet man immer öfter in virtuellen Maschinen von VMware und Co. Zeitgleich wachsen in den Unternehmen die Bestände zu sichernder Daten rasant an – von klassischen Dokumenten und E-Mails über Bild- und Videodateien bis hin zu Datenbanken für die Big-Data-Analyse. Auf der Client-Seite wiederum mehren sich die Mitarbeiter, die von zu Hause aus, unterwegs oder an wechselnden Standorten arbeiten – und deren mobile Endgeräte ebenfalls in das unternehmensweite Backup-Konzept eingebunden sein wollen.
Vor diesem Hintergrund, so berichtet das Analystenhaus Gartner in seinem aktuellen „Magic Quadrant für Enterprise Backup/Recovery Software“ (Juni 2013), fordern immer mehr Unternehmen (oder zumindest jene international tätigen Großunternehmen, die zur Gartner-Klientel zählen), dass das Backup „deutlich besser werden muss“. Denn herkömmliche Sicherung auf Tape könne mit heutigen oder gar künftigen Backup-Anforderungen eben nicht mehr mithalten. Gefragt seien neue Lösungsansätze, was auch neuen Anbietern eine Chance biete, so Gartner.
 
Schneller wieder an die Daten kommen
Viele Organisationen sind laut den Marktbeobachtern damit befasst, ihre Backup-Infrastrukturen zu überdenken und neu aufzusetzen. Ziel sei die Sicherung neuer Datentypen und größerer Workload-Volumina ebenso wie die Verringerung des Zeitfensters für Backup und Recovery. Vor diesem Hintergrund gewinnen laut Garnter vor allem Disk-basierte Lösungen inklusive Direct-to-Disk-Backup an Bedeutung, ebenso Backup-Funktionen für virtualisierte Umgebungen (siehe dazu den Überblicksbeitrag auf Seite 49), aber auch Deduplizierungstechnik.
„Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen ist es, das stetig steigende Datenaufkommen an verschiedenen Standorten zu verwalten und dabei die Kosten im Rahmen zu halten“, kommentiert Andreas Lappano, Director Partner Sales bei CA. „Viele Unternehmen nutzen unterschiedliche Systeme für das Sichern von virtuellen und physischen Maschinen. Sie verlangen nach einer einzigen Lösung, die das Sichern von Daten in physischen, virtuellen und Cloud-basierten Umgebungen in einer Lösung kombiniert – für eine proaktive Überwachung, erhöhte Performance und Flexibilität.“
„Das Sorgenkind der meisten IT-Abteilungen im Bereich Backup sind die Kosten“, erläutert Matthias Frühauf, Systems Engineer bei Veeam Software. „Unternehmen setzen häufig ineffiziente Lösungen ein, die Daten weder in kurzen Abständen sichern noch schnell genug wiederherstellen können – erst recht nicht, wenn es sich um große Datenmengen handelt. Das zweite Problem ist die Komplexität: Viele Backup-Strategien und -Lösungen sind zu komplex und schwerfällig im Handling. Der Wartungsaufwand und die Fehleranfälligkeit verursachen dann weitere Kosten.“
Seit 2011 stellt man bei Gartner Interesse an einer breiteren Palette von Backup-Techniken fest – neben Disk-basiertem Backup auch Hardware- und Softwarelösungen für Replikation und Snapshots, Disk-Imaging-Software und Deduplizierungs-Appliances. Während sich das Interesse der Unternehmen laut Gartner nach wie vor auf lokal installierte Backup-Technik konzentriert, finden die Unternehmen offenbar aus den erwähnten Komplexitäts- und Kostengründen auch zunehmend Gefallen an Cloud-basiertem Backup – insbesondere, wenn es um die Sicherung der Datenbestände in Zweigstellen oder auf mobilen Endgeräten reisender Mitarbeiter geht, aber auch als zweite (Offsite-)Sicherung, etwa im Kontext von „Disk to Disk to Cloud“-Backup-Architekturen.
Angesichts dieser steigenden Anforderungen erwartet Gartner ein weiterhin kontinuierliches Wachstum des Backup-Markts: Das Marktvolumen bei Lösungen für unternehmensweites, verteiltes Backup und Recovery beziffern die Analysten auf 4,4 Milliarden Dollar (2012), bis 2017 werde es auf 6,8 Milliarden Dollar anwachsen, so schätzen die Auguren. Marktführer ist nach wie vor Symantec mit einem Marktanteil von 31,6 Prozent, gefolgt von EMC und IBM.
Zusammen beherrschen diese drei großen Player laut Gartner-Berechnungen ziemlich genau zwei Drittel des Marktes (66,1 Prozent). Beim Absatz ihrer Backup-Lösungen zulegen konnten im Jahr 2012 allerdings vor allem der vierte Marktführer Commvault sowie HP, im Magic Quadrant der einzige als „Challenger“ (Herausforderer) eingestufte Anbieter. Zu den Visionären zählen die Analysten derzeit Netapp, Veeam und Actifio, während sich CA, Dell und einige andere im Magic Quadrant mit der Einstufung als Nischenanbieter begnügen müssen.
 
Archiv in der Wolke
Während Unternehmen für Backup also nach wie vor häufig lokal betriebene Infrastrukturen bevorzugen, stellt sich der Markt für die unternehmensweite Archivierung digitaler Informationen laut Gartners Magic Quadrant zu Enterprise Information Archiving (EIA) vom Dezember 2012 bereits ganz anders dar: Hier habe das Archiv in der Cloud (Archiving as a Service) die lokal installierten Tools inzwischen überholt. Den Hintergrund für die wachsende Beliebtheit des Konzepts, Archivdaten in die Wolke abzuschieben, bildet der gestiegene Compliance-Druck und damit die Notwendigkeit, eine zunehmende Vielzahl von Informationen langfristig zu archivieren. Hier, so die Marktforscher, gehe es längst nicht mehr nur um E-Mail (wie zu den Anfängen des EIA-Markts), sondern um vielfältige Datenbestände von Sharepoint-Dateien bis hin zu Social-Media-Content, den es nun vorschriftsgemäß zu archivieren gilt.
 
Wachsender Druck, Dateien langfristig zu archivieren
Viele Unternehmen, so die Marktbeobachter, lösen deshalb dieser Tage ältere Archivsysteme durch modernere Werkzeuge ab. Den Herstellern, die keine Cloud-Variante liefern, droht laut Gartner das Ende auf dem Abstellgleis: „Anbieter, die nicht Cloud als Option anbieten, sehen ihre Marktanteile erodieren“, so die Analysten Sheila Childs et al. Während das früher oft geforderte Storage-Capacity-Management an Bedeutung eingebüßt habe, gewinne Funktionalität für E-Discovery (also das Wiederaufspüren von Informationen in den meist sehr umfangreichen Archiven) an Bedeutung, auch dies teils – wenn auch längst nicht nur – aufgrund regulatorischer Vorgaben. Die gute Nachricht von der Reise der Archive in die Cloud: Die Nutzer zeigen sich laut Gartner in aller Regel sehr zufrieden mit den Archiving-as-a-Service-Angeboten.
EIA-Marktführer ist laut dem Magic Quadrant Symantec mit großem Vorsprung vor Proofpoint und IBM. Symantec bedient die von Garnter beschrieben Anforderungen mit seiner Archivsoftware Enterprise Vault, der Cloud-Lösung Enterprise Vaultcloud und der Clearwell Ediscovery Platform. IBM hält mit dem IBM Content Collector (ICC), dem Ediscovery Manager und dem Ediscovery Analyzer dagegen. ICC ist als lokal zu installierende Software erhältlich, aber auch im Rahmen des Angebots Smartcloud Archive. Für den KMU-Markt offeriert IBM die Smartcloud Archive Essentials.
Security- und Archivierungsspezialist Proofpoint wiederum ist mit dem Proofpoint Enterprise Archive im Rennen. Die Besonderheit von Proofpoints Cloud-Archivierung: Der Anbieter garantiert per SLA das Wiederauffinden eines beliebigen Dokuments im Cloud-Archiv innerhalb von 20 Sekunden – laut Michael Scheffler, Regional Sales Director DACH bei Proofpoint, ein gewichtiges Argument selbst im direkten Vergleich mit lokal installierten Archivlösungen. Scheffler betont, Proofpoint garantiere zudem Compliance-Konformität durch Archivierung im Originalformat über 30 Jahre hinweg sowie auf Wunsch ein Archiv-Datacenter im europäischen Rechtsraum. Mit den Proofpoint Essentials bietet das kalifornische Unternehmen ebenfalls eine Lösung speziell für kleine und mittelständische Unternehmen.
Zu den Visionären im Archivierungsmarkt zählt Gartner ZL Technologies und HP (per Autonomy-Akquisition). Das dicht gedrängte Feld der Challenger in diesem Segment besteht aus Bloomberg, Commvault, EMC, Global Relay, Sonian und Smarsh.
 
Backup trifft Filesharing
Eine interessante Entwicklung im Bereich der Datensicherung kann man anhand von Commvaults Backup-Lösung Simpana beobachten: Diese kombiniert in Version 10 mittels der Erweiterung namens „Edge“ Backup mit Filesharing- und Synchronisations-Features à la Dropbox: Der Anwender kann Ordner festlegen, deren Inhalt für vorgegebene Empfänger und Endgeräte automatisch synchron gehalten wird – nur eben nicht in irgendeiner Cloud von Dropbox und Co., sondern direkt per Backup-Repository. Jetzt muss diese Kombination aus File-Sharing und Online-Backup nur noch mit Cloud-Archivierung verschmelzen, dann kann selbst beim reisenden Manager, der gerne mal sein Ipad im Taxi vergisst, kaum mehr etwas schiefgehen – eine entsprechend gute Absicherung des Endgeräts natürlich vorausgesetzt.

Der Autor auf LANline.de: wgreiner

Commvault bietet mit Simpana eine moderne Backup-Lösung inklusive Deduplizierung und Cloud-Backup – in Version 10 sogar mit Dateisynchronisation für mobile Anwender. Bild: Commvault