Im LANline-Interview kommentiert Christian Kallenbach, Director of Business Development bei Verne Global, die Änderungen im Markt der RZ-Dienstleister. Verne Global betreibt in Island auf einer ehemaligen Nato-Base ein RZ, das mit einer ganzjährigen Freikühlung arbeitet. Dennoch zähle vor allem das Geamtpaket.

LANline: Herr Kallenbach, wie hat sich das Geschäft eines RZ-Service-Anbieters in den vergangenen Jahren verändert?

Kallenbach: Ganz klar hat es sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Die Cloud, das Internet der Dinge und die Digitalisierung treiben den Bedarf an Rechenzentren rasant nach oben. Die klassische Infrastruktur stößt an ihre Grenzen, um den Bedarf für die so immens gewachsenen Datenmengen zu decken. So setzen sich flexible Konzepte immer mehr durch.

LANline: Auf welche Punkte achten Ihre Kunden heute besonders?

Kallenbach: Kunden wollen heute eine dynamische Infrastruktur, die sie bei Bedarf erweitern können, die sich einfach verwalten lässt und die zudem die Kosten reduziert – bei gleichzeitiger Senkung ihres CO2-Ausstoßes.

LANline: Welche Rolle spielen ökologische Aspekte im Allgemeinen?

Kallenbach: Umweltaspekte spielen eine zusehends wichtigere Rolle. Wer günstigen, stabilen und grünen Strom will, wendet sich gen Norden, wo Länder wie Island Energie aus hundertprozentig erneuerbarer Energie wie Wasserkraft und Geothermie produzieren.

LANline: Welchen Stellenwert hat der Preis einer Dienstleistung?

Kallenbach: Vor genau diesem Hintergrund entscheiden sich viele IT-Verantwortliche zum Auslagern. Dabei sind Anwendungen wie beispielsweise Disaster-Recovery-Betrieb ideal für Colocation, da sie keine geringe Latenzzeit erfordern und sich daher kostengünstig auslagern lassen. Der Preis spielt für Kunden eine große Rolle, weswegen wir individuell schauen, welches Angebot zu welchem Kunden passt.

Christian Kallenbach: „Kunden wollen heute eine dynamische Infrastruktur, die sie bei Bedarf erweitern können, die sich einfach verwalten lässt und die zudem die Kosten reduziert – bei gleichzeitiger Senkung ihres CO2-Ausstoßes.“

Christian Kallenbach: „Kunden wollen heute eine dynamische Infrastruktur, die sie bei Bedarf erweitern können, die sich einfach verwalten lässt und die zudem die Kosten reduziert – bei gleichzeitiger Senkung ihres CO2-Ausstoßes.“

LANline: An welcher Stelle haben Sie besonders in energieeffiziente Technik investiert?

Kallenbach: Strom und Kühlung sind die zentralen Kostentreiber im Rechenzentrum. In dem Maße, in dem die Leistungsdichte in modernen Rechenzentren zunimmt, wächst auch der Energiebedarf für die Stromversorgung und die effiziente Kühlung der Systeme. Analysen zeigen, dass durchschnittlich nur etwas mehr als die Hälfte des Energiebedarfs auf die eigentliche IT zurückgeht. Den anderen Teil verbraucht die versorgende Infrastruktur wie unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) und Klimatisierung. Innovative Technologien werden daher immer wichtiger, um Kosten zu senken und die Umwelt zu schonen.

LANline: Das heißt konkret…

Kallenbach: …, dass zum Beispiel die Standorte im Norden Europas eine Freikühlung das ganze Jahr über erlauben. Island verfügt etwa über ein konstant kühles Klima. Die Durchschnittstemperatur liegt zwischen fünf bis 13°C im Winter sowie im Sommer. Außerdem besitzt der neueste Bauabschnitt in unserem Rechenzentrum keinen Doppelboden mehr, zusätzlich nutzen wir Warmgangeinhausungen zur Effizienzsteigerung.

LANline: Welche Anforderungen stellen Ihre Kunden heute im Umfeld der Entscheidung von Cloud Computing vs. Inhouse-Computing?

Kallenbach: Es sind nicht so sehr einzelne Branchen, die sich für Colocation eignen, als vielmehr bestimmte Applikationen. Wir nennen das Disaggregation der Daten. In vielen Sektoren wie im Banking oder bei Buchungssystemen geht um es niedrige Latenzen und unternehmenskritische Daten. Hier ist es durchaus sinnvoll, die IT bei sich zu behalten. Geht es jedoch um zeitunkritische, strom- und datenintensive Rechenaufgaben im Bereich Simulationen oder wissenschaftliche Berechnungen, müssen sich Anwender die Frage stellen, wo der Strom günstig, zuverlässig und nachhaltig ist.

LANline: Suchen Anwender dann eher Standard- oder Individualangebote?

Kallenbach: Der wichtigste Punkt ist: Das Gesamtpaket muss überzeugen. Die Anforderungen hängen sehr eng mit den jeweiligen Individualgegebenheiten des Kunden zusammen. Dennoch setzen Anwender verstärkt auf Standardangebote. Wichtige Kriterien bei der Standortentscheidung sind Preis und Verfügbarkeit von Strom und Rechenzentrumsfläche, Netzwerkanbindung sowie Sicherheitsanforderungen.

LANline: Herr Kallenbach, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.