All-in-One-DCIM noch in weiter Ferne

Im Interview: Holger Nickel, Aixpertsoft
All-in-One-DCIM noch in weiter Ferne
geschrieben von Stefan Mutschler/jos am 02.03.2015
Das Management der Rechenzentrumsinfrastruktur, kurz DCIM (Datacenter-Infrastructure-Management) zählt zu den wichtigsten und einflussreichsten Aufgaben in modernen Rechenzentren. Seit einigen Jahren überbieten sich verschiedene Anbieter mit Versprechungen, dazu mit ihren Tools umfassend Unterstützung zu bieten. Nutzer zeigen sich jedoch nach wie vor oft enttäuscht von den tatsächlichen Fähigkeiten dieser Softwarewerkzeuge. Im Gespräch mit der LANline erläutert Holger Nickel, Geschäftsführer von Aixpertsoft, woran dies liegt, welche Hürden den Markt hemmen und welche Fortschritte zu beobachten sind.

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LANline: In DCIM-Sessions einschlägiger Veranstaltungen fällt auf, dass kaum ein Rechenzentrumsverantwortlicher ein gutes Haar an den verfügbaren DCIM-Lösungen lässt. Der Tenor lautet: Die Lösungen versprechen viel und halten wenig. Können Sie das nachvollziehen?
Nickel: Das ist absolut nachvollziehbar. Mit DCIM entstand vor wenigen Jahren ein Kunstbegriff ohne klare Definition, der versucht, vielfältige Anforderungen und Disziplinen unter einem Dach zu vereinen. In der Praxis kann jedoch kaum ein Anbieter die damit verbundenen Erwartungen erfüllen. So gibt es zwar ITK-Infrastrukturverwaltungs-, Facility- und Configuration-Management-Lösungen bereits seit den 1990er-Jahren, einen hohen Erfüllungsgrad in allen Disziplinen jedoch nicht. Hinzu kommt die extrem divergente Erwartungshaltung außerhalb des DCIM-Kerns an eine solche Lösung. Dazu gehören beispielsweise physisches und logisches Verbindungs-Management, das klassisch in einer Cable-Management-Lösung beheimatet ist, ebenso wie die Verwaltung logischer Netzstrukturen etwa für Netze, Adressen, Security etc. Und immer stärker kommen auch Service-orientierte Ansätze dazu, die traditionell üblicherweise in BSM- oder ITSM-Disziplinen zu finden sind. All diese Aufgaben zählen nicht zu einem reinrassigem DCIM. Vielen DCIM-Lösungen fehlt es entweder an Modell- und Funktionstiefe oder an geeigneten Integrationsmethoden. Wirklich ganzheitliche Ansätze gibt es kaum.
LANline: Der Markt ist offensichtlich geprägt von einerseits IT-zentrischen, andererseits Facility-zentrischen DCIM-Lösungen – beide Lager scheinen nach wie vor stark zu konkurrieren, statt aufeinander zuzugehen. Sehen Sie das ähnlich oder beobachten Sie Fortschritte?
Nickel: Es gibt erste Fortschritte, die aber eher von IT-zentrischen Systemen Richtung Facility festzustellen sind – die umgedrehte Richtung ist auch wesentlich schwerer zu realisieren, da hier tiefere Kenntnis über die Abbildung von IT-Systemen notwendig ist. Man erkennt den Schwerpunkt des jeweiligen Anbieters an seiner ursprünglichen Herkunft.
LANline: Wenn das Feld der DCIM-Aufgaben so komplex ist, warum bauen die Marktteilnehmer nicht ein Ökosystem auf, in das sich jeder über standardisierte Schnittstellen einbringen kann? In anderen IT-Bereichen ist so etwas ja durchaus üblich. Anwender hätten dann die Möglichkeit, sich passgenau für die Anforderungen in ihrem Rechenzentrum die benötigten Funktionen zusammenzustellen. Gibt es bei DCIM inzwischen entsprechende Initiativen, beziehungsweise gar Standard-Definitionen?

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