Die deutsche Wolke ist in

Diskussion um Cloud-RZ-Standorte
Die deutsche Wolke ist in
geschrieben von Dr. Wilhelm Greiner am 09.03.2015
Unter Cloud-Service-Providern ist es Mode geworden, ein RZ in Deutschland zu eröffnen, bevorzugter Standort ist Frankfurt am Main. Die Welle neuer Cloud-Angebote kommt hiesigen Unternehmen in puncto Compliance, Informationssicherheit und Latenz entgegen. Aber nach wie vor herrscht große Zurückhaltung, wenn es um das Auslagern interner oder gar kritischer Daten geht. „Cloud Computing“ bedeutet deshalb für viele IT-Verantwortliche vor allem eines: den Aufbau einer lokal betriebenen „Private Cloud“.

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Letzten Herbst sorgte Amazon Web Services (AWS), die Cloud-Services-Tochter von Amazon.com, für Schlagzeilen mit der Nachricht, man habe ein neues RZ in Frankfurt am Main eröffnet. Bis dahin war AWS nur über ein Datacenter in Irland auf europäischem Boden vertreten gewesen. Der Cloud-Provider betonte, alle Inhalte würden innerhalb der vom Kunden gewählten Region verbleiben – ein Zugeständnis an Compliance-Anforderungen skeptischer europäischer Kunden. Alle Infrastrukturregionen würden weltweit regelmäßig überprüft, so AWS, um Compliance-Standards wie ISO 27001, SOC 1 (vormals SAS 70) oder PCI-DSS Level 1 zu erfüllen. Man sei konform mit allen relevanten EU-Datenschutzgesetzen und biete Kunden bei Bedarf eine Vereinbarung zur Auftragsdatenverarbeitung an, um diesen zu helfen, EU-Datenschutzanforderungen zu erfüllen. Gleich zum Start konnte der Cloud-Provider mit Talanx auf einen Kunden aus der hoch regulierten Versicherungsbranche verweisen.
 
Invasion der Cloud-Provider
„Die neue Cloud-Region von Amazon AWS in Deutschland ist eine strategisch wichtige Entscheidung, um das ernsthafte Interesse am deutschen Markt zu unterstreichen“, kommentierte René Büst, auf Cloud Computing spezialisierter Analyst bei Crisp Research. Zudem garantiere dies eine bessere Cloud-Connectivity, unter anderem durch geringe Latenz, um Applikationen performant bereitzustellen. Und last but not least, so Büst: „Deutschen und europäischen IT-Entscheidern kommt Amazon mit dem neuen Standort hinsichtlich Sicherheits- und Compliance-Bedenken entgegen.“
AWS, global gesehen laut Gartner Marktführer im IaaS-Segment (Infrastructure as a Service), zeigte sich mit diesem Schritt allerdings nicht als Vorreiter, sondern als Teil einer ganzen Welle von Cloud-Anbietern, die nun den europäischen Rechtsraum und in diesem Zusammenhang häufig auch Frankfurt als RZ-Standort für sich entdecken. Schließlich kann Frankfurt mit direkter Nähe zum Internetknoten DE-CIX punkten. Zudem sind dort mit Equinix, Interxion etc. renommierte RZ-Betreiber angesiedelt, die Cloud-Providern moderne und breitbandig angebundene Datacenter-Kapazitäten liefern können. Equinix und Interxion sind per Direct Connect mit dedizierten Links an das AWS-Netzwerk angekoppelt.
 
RZ-Kapazitäten für die Cloud
So stellt zum Beispiel der japanische Carrier NTT seit Sommer letzten Jahres vom Equinix-RZ in Frankfurt aus Enterprise-Cloud-Angebote bereit. Jens Leuchters, Regional General Manager Central and Eastern Europe bei NTT Europe, betonte im LANline-Interview, dass ein Administrator für einen Backup-Lauf zwischen zwei Rechenzentren dank SDN-Technik (Software-Defined Networking) temporäre Datenübertragungsrouten einrichten könne, wobei das Unternehmen nur für das übertragene Datenvolumen bezahle.

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