Direkte freie Kühlung
Die Voraussetzungen für eine energieeffiziente Klimalösung im Rechenzentrum des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) waren denkbar schlecht: Die Räume heizten sich bei Sonne über eine große Fensterfront auf, bauliche Änderungen kamen nur bedingt in Frage, die alte Klimatechnik war hoffnungslos veraltet. Das Institut entschied sich, aus der Not eine Tugend zu machen und nutzt heute den ungehinderten Außenzugang zur direkten freien Kühlung. Mit dieser hocheffizienten Lösung schaffte es das BIBB ins „GreenIT Jahrbuch 2012“ des Netzwerks GreenIT-BB.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung beschäftigt rund 650 Mitarbeiter, die sich um die Verbesserung des Ausbildungssystems in Deutschland kümmern. Die Anstalt öffentlichen Rechts, die zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gehört, versteht sich als Kompetenzzentrum zur Erforschung und Weiterentwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Seit gut 40 Jahren erstellt das Institut wissenschaftliche Analysen, gestaltet Ausbildungsordnungen mit, unterstützt Ausbilder in den Betrieben und berät die Politik.
Im IT-Bereich erhob man früh Umweltkennzahlen, entwickelte Einsparszenarien und erweiterte die IT-Beschaffung um ökologische Vergabekriterien. Durch ein Ideen-Management wurden Verbesserungsvorschläge von Beschäftigten zur Ressourceneinsparung prämiert und umgesetzt. Kurz: Über Jahre hinweg wurde die IT-Infrastruktur modernisiert, konsolidiert und virtualisiert.
Anders als die optimierte Informationstechnik befand sich die Raumluftanlage zur Kühlung des institutseigenen Rechenzentrums 2010 jedoch auf einem völlig veralteten Stand. Das außenluftgekühlte DX-System (Direct Expansion System) stammte aus dem Jahr 1986, enthielt FCKW-haltiges Kühlmittel, verfügte nur über eingeschränkte Steuerungsmöglichkeiten der Kühlleistung und war nach heutigen Maßstäben ein regelrechter Stromfresser.
Bauliche und organisatorische Widrigkeiten, aber auch fehlende finanzielle Mittel verhinderten lange Zeit eine umweltgerechte Lösung. Zum regelrechten Problemfall entwickelte sich die RZ-Kühlung, als sich einzelne Ersatzteile für die Anlage nicht mehr beschaffen ließen.
Mit Mitteln aus dem Konjunkturpaket II ließ das BIBB deshalb von Experten des Bundesverwaltungsamtes ein Klimakonzept erstellen. Das Ergebnis der Bestandsaufnahme aller baulichen und technischen Gegebenheiten fiel ernüchternd aus:
Großflächige Fenster begünstigen das Aufheizen der RZ-Räume durch Sonneneinstrahlung,
tragende Wände sowie Brandschutzbestimmungen verhindern die Bereitstellung einer großen und damit leicht zu kühlenden Fläche,
wasserführende Leitungen, die zur Kühlung eingesetzt werden können, sind nicht vorhanden oder müssen aufwändig aus anderen Gebäudeteilen herangeführt werden,

