Es geht nicht um das DCIM-Tool

Herausforderungen im RZ-Management
Es geht nicht um das DCIM-Tool
geschrieben von Holger Nickel, Geschäftsführer bei Aixpertsoft in Aachen, www.aixpertsoft.de./wg am 31.08.2015
DCIM-Werkzeuge (Datacenter-Infrastructure-Management) werden in jüngerer Vergangenheit als „Allheilmittel“ zur vollständigen Erfüllung der Management-Aufgaben im RZ propagiert. Sie sollen die Infrastrukturverwaltung der technischen und nicht-technischen Anlagen effizient, Service-orientiert und nahtlos in alle Bearbeitungsprozesse einbinden. Unternehmen stehen jedoch häufig vor der Frage, sich auf die Softwaresuite eines Herstellers zu verlassen oder vorhandene Werkzeuge und Prozesse zu nutzen – und so in die Integrationsproblematik zu geraten.

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DCIM muss ohne einheitliche Definition Management-Disziplinen bündeln, die bereits mit dem De-facto-Standard ITIL gewährleistet sein sollten. Zudem werden funktionale Anforderungen gestellt, die separaten Themenkomplexen wie dem Kabel-Management oder der IP-Adressverwaltung vorbehalten sind. Nachfolgende Ausführungen aus der Praxis sollen einen Überblick darüber geben, welche Themenkomplexe im gesamtheitlichen IT-Management anzutreffen sind, wo die Grenzen einzelner Systemgruppen liegen und welches Leistungsspektrum DCIM als „All-in-one“-Strategie erfüllen müsste.
 
ITSM
ITSM-Systeme (IT-Service-Management) dienen der Einführung oder Optimierung von ITIL-Prozessen. Demnach liegt der Schwerpunkt dieser Lösungen in der Abarbeitung und Steuerung der Arbeitsprozesse (Workflows). Während die ITIL-Disziplinen Incident- und Problem-Management heute nahezu flächendeckend und reibungslos in Betrieb sind, stellen Aufgaben wie Configuration- und Change-Management immer noch ein größeres Problemfeld dar. Letztgenannte Prozesse haben einen hohen Bedarf an Detaildaten zu Komponenten, Systemen und Beziehungen. Dieser lässt sich mit den generischen Datenmodelle der gängigen ITSM-Systeme (und deren Configuration-Management-Databases, kurz CMDBs) nur durch intensive Anpassung abbilden.
Mancher empfindet die Modellierung der Vielzahl unterschiedlichster IT-Gerätegruppen als schier unlösbare Aufgabe. Das viel gelobte Autodiscovery der Infrastruktur (inklusive Application Discovery) liefert unbefriedigende, inkonsistente Ergebnisse, und bestimmte Komponenten werden überhaupt nicht gefunden. Zudem bestehen entsprechende Softwaresuiten aufgrund von Akquisitionen oft aus mehreren Systemkernen, sodass die Modelle disziplinübergreifend (Discovery, Prozess, Konfiguration) hier nicht kongruent sind.
Mit dem Ziel der Service-Orientierung verschärft sich die Problematik um eine weitere Dimension. Auch wenn heute mit „ITSM aus der Cloud“ schnelle Einführungen, Anpassungen und kostengünstiger Betrieb möglich sind, verzichtet man auf grafische Abbildungen von komplexen Konfigurationen, Schrankaufbauten und Schaltungen; zudem droht die Gefahr des sogenannten „Service-Gaps“, nämlich der unterschiedlichen Sichtweise von Service, Technik und Störungsbehebung auf die Infrastruktur.
Fazit: ITSM-Systeme dienen der prozessualen Steuerung von Arbeitsprozessen. Man sollte also weder versuchen, aus einem ITSM-System ein technisches Konfigurationssystem noch ein Werkzeug für die Infrastrukturverwaltung zu machen. Denn es fehlen schlichtweg Modelle und grafische Repräsentanz.
 
BSM

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