Gut beschirmt

Schirmung 2012 – Luxus oder kluge Praxis
Gut beschirmt
geschrieben von Zoran Borcic/jos, Produkt-Manager EMEA und Dipl.-Wirt. Ing. Carsten Fehr, Marketing-Manager, beide bei Draka Comteq Germany am 03.02.2012
Die strukturierte Verkabelung im LAN feierte im abgelaufenen Jahr ihren 18. Geburtstag – als Stichdatum soll das Erscheinen des ersten DIS 11801 von 1993 gelten. Zu den Benimmregeln der jungen Jahre zählte neben sich regelmäßig verschärfenden übertragungstechnischen Anforderungen immer wieder auch die Schirmung. Wie bei einer natürlichen Person stellt sich der Volljährigen nun die Frage, ob diese Regeln der Kindheit weiter Beachtung verdienen oder aber dank der erlangten Reife nun etwas toleranter ausgelegt werden können.

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Abgesehen von der weltweiten Präferenz für ungeschirmte UTP-Datenkabel, die offenbar ganz ohne Schirm auskommen, fragt sich die junge Erwachsene vielleicht, warum das Netzwerk überhaupt Schirmung benötigt, wenn man dies in der Praxis kaum merkt. Viele Anwender können von Problemen mit gestorbenen Festplatten berichten, kaum einer jedoch von EMV-bedingten IT-Systemausfällen. Der Grund liegt in der statistischen Natur von EMV-Störungen einerseits und dem fehlertoleranten Ethernet-Protokoll andererseits. Untersuchungen an Störszenarien haben bereits Ende der 90er offenbart, dass ein Nutzer die durchaus alltäglich auftretenden EMV-Störungen wie eine hohe Netzlast wahrnimmt. Durch EMV zerstörte Oktets interpretiert Ethernet als Kollision, nicht unterscheidbar von einem intensiven Netzzugriff mit anschließender Kollisionsbehandlung. Dies kann tatsächlich zu einem totalen Netzausfall führen, passiert aber zu selten, als dass der Nutzer ein Problem „fühlt“.

Die beschriebenen Erfahrungen haben Anwender mit Applikationen wie 100Base-TX oder 1GBase-T gesammelt, deren spektrale Empfindlichkeit gegenüber EMV-Störungen vergleichsweise anspruchslos ist gemessen an der Verletzlichkeit von 10GBase-T, das durch Kunstgriffe in der Signalverarbeitung hochbandbreiteneffizient gemacht wurde, allerdings um den Preis minimaler Signalpegel, die umso leichter durch Interferenzen aller Art vollständig überlagert werden können. Folgerung: Es ist nicht die Zeit, in Sachen Schirmung Kompromisse zu machen.

Bei der Planung einer neuen passiven Datennetzinfrastruktur spielen der Investitionsschutz und in diesem Zusammenhang auch die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung eine wesentliche Rolle. Idealerweise erstellt ein herstellerunabhängiger Fachplaner ein wirtschaftlich sinnvolles Konzept und eine daraus resultierenden Planung mit Mengengerüstermittlung sowie ein Leistungsverzeichnis. Einen maximalen Investitionsschutz bieten auf dem Markt verfügbaren Produkte mit bestmöglicher Leistung. Dennoch findet man auf dem Markt zunehmend Projekte, bei denen abweichend vom Leistungsverzeichnis minderwertige Produkte aus Kostengründen verarbeitet oder die einzubringenden Datennetzsysteme nicht fachgerecht installiert werden.

Schirmung: die Basics

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