IPv6-Tunneltechniken im Vergleich

IPv6 über IPv4-Provider-Zugänge
IPv6-Tunneltechniken im Vergleich
geschrieben von Eckhart Traber/pf, Pressesprecher bei Lancom Systems am 20.01.2012
Die Umstellung des Internets auf das neue Protokoll IPv6 erfolgt parallel zur bestehenden IPv4-Infrastruktur. Bis überall native IPv6-Internet-Zugänge verfügbar sind, wird es noch länger dauern. Verschiedene IPv6-Tunneltechniken ermöglichen zwischenzeitlich IPv6-Verbindungen vom Unternehmens-Router über bestehende IPv4-Provider-Zugänge. Der Beitrag stellt drei relevante Tunnelvarianten vor und erklärt die für Einsatzszenarien wichtigen Unterschiede.

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Schon seit Jahren heißt es, dass das neue Internet-Protokoll IPv6 „in Kürze nutzbar“ sein werde, allerdings kam es nie zu einem offiziellen weltweiten Einführungstermin. Der Grund ist einfach: Das Internet lässt sich wegen seiner Komplexität nicht an einem bestimmten „Tag X“ von IPv4 auf die neue Adressverwaltung umstellen. Jedoch bestehen schon heute, speziell in Asien, erhebliche Kapazitätsengpässe bei den herkömmlichen IPv4-Adressen. Die Einführung von IPv6 erfolgt daher parallel zum existierenden IPv4 und zunächst ergänzend. Native IPv6-Internet-Zugänge werden hierzulande noch lange nicht die Regel sein. Bis dahin können Unternehmen IPv6 über verschiedene Tunneltechniken nutzen, um den bestehenden IPv4-Internet-Zugang ihres Providers zu „überbrücken“.

Dieser Beitrag stellt drei wesentliche Methoden gegenüber, die Router mit IPv6-Unterstützung verwenden können, um den Zugang zum IPv6-Internet über eine bestehende IPv4-Internet-Verbindung bereitzustellen. Es handelt sich dabei um die Tunneltechniken „6to4“, „6in4“ und „6rd“. Weitere Protokolle wie „Teredo“ finden hier keine Berücksichtigung, da sie für Clients konzipiert sind. Die einzelnen Tunnelprotokolle setzen voraus, dass das lokale Netz IPv6 entweder nativ oder gleichzeitig IPv4 und IPv6 („Dual Stack“) unterstützt.

Details zum IPv6-Protokoll, die den Rahmen dieses Beitrags sprengen würden, finden sich beispielweise im deutschen Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/IPv6). Dort ist auch eine Reihe für IPv6 grundlegender RFCs („Requests for Comments“) der Standardisierungsorganisation IETF (Internet Engineering Task Force, www.ietf.org) verlinkt. Der wesentliche Aspekt von IPv6 ist, dass dessen Adressen mit einer Länge von 128 Bit viermal so lang sind wie IPv4-Adressen. So wird IPv6 einer fast unbegrenzten Zahl von Geräten den Zugang zum Internet ermöglichen. Mit IPv6 können künftig alle Endgeräte eine eindeutige, öffentliche IP-Adresse erhalten. Bisherige Verfahren wie NAT (Network Address Translation), um öffentliche IP-Adressen zu „sparen“, sind damit überflüssig.

6to4-Tunnel

Bei einem 6to4-Tunnel handelt es sich um einen dynamischen Tunnel, der zwischen dem lokalen Router und einem regionalen 6to4-Relay aufgebaut wird. Das 6to4-Relay ist in der Regel unter der Anycast-Adresse 192.88.99.1 zu erreichen. Allerdings gibt es sehr viele Relays, und der Anwender hat keinen Einfluss darauf, welches Relay genau angesprochen wird, da sich dies bei jeder Verbindung entscheidet. Das Präfix der IPv6-Adresse einer solchen Verbindung setzt sich aus dem Präfix für 6to4 sowie der hexadezimal umgewandelten IPv4-Adresse zusammen. So wird beispielsweis ein Router mit der IPv4-Adresse 80.25.211.2 das Präfix „2002:5019:d302::/48“ erhalten (6to4-Präfix 2002::/16 und IPv4-Adresse 5019:d302).

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