Kistenbeziehung

RZ-Verkabelung im Umbruch
Kistenbeziehung
geschrieben von Dr. Jörg Schröper am 01.02.2012

 

 

Aus Sicht der meisten Netzwerker ist die anwendungsneutrale und strukturierte Verkabelung, wie sie in den einschlägigen Normen beschrieben ist, eine absolut sinnvolle Errungenschaft. Neuere Tendenzen bei der RZ-Vernetzung laufen allerdings in eine andere Richtung: Top-of-the-Rack-Ansatz oder Datacenter out of the Box versprechen vor allem einen reduzierten Aufwand bei der Installation.

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Seit geraumer Zeit versuchen die Big Player unter den Anbietern von aktiver Rechenzentrumsinfrastruktur mit einem Konzept zu punkten, das sich – zugegeben recht oberflächlich – unter dem Begriff „Datacenter out of the Box“ zusammenfassen lässt: Server, Storage, Stromversorgung und Kühlung, aber auch das Netzwerk kommen aus einer Hand. Zumindest in der Werbung liest sich der Ansatz auch sehr vielversprechend: Viel komplexes Wissen über Vernetzung oder gar über Verkabelung ist nicht mehr erforderlich. Die Installation gelingt fast so, als seien nur Bausteine zusammenzustecken. Logik und physische Verbindung liefert der Box-Hersteller gleich mit.

Hintergrund ist natürlich, dass eine langwierige Verkabelung ein nicht zu vernachlässigender Zeit- und damit auch Kostenfaktor bei der Neuerrichtung eines RZs ist. Setzt man nun das Bild voraus, dass defekte Geräte ohnehin nicht mehr zu reparieren, sondern stets als ganzes Modul zu tauschen sind, und dass das gesamte Equipment ohnehin nach höchstens zwei Jahren komplett der Nachfolgegeneration weichen muss, gewinnt das Szenario vor allem bei größeren Rechenzentren, die viele standardisierte Server und aktive Netzwerkinfrastruktur beherbergen, durchaus große Attraktivität. In gewisser Weise ist es die konsequente Fortführung dessen, was mit der Top-of-the-Rack-Verkabelung im RZ begonnen hat.

Dass es sich mitnichten nur um spleenige Ideen handelt, die in der Praxis ohnehin keine Chance haben, machen bereits die Namen der Verfechter deutlich. Big Player ist zum Beispiel IBM mit dem bekannten Komplettangebot an Servern, Storage und nach Zukäufen nun auch mit Netzwerkgerätschaften – von der Netzwerkseite kommend will Cisco mit einem ähnlichen Ansatz dagegenhalten. Und auch der Zielmarkt dürfte recht weit gefasst sein: Im Gespräch mit der LANline betonte beispielsweise Charles Ferland, IBM Vice President für das System Networking in EMEA, dass die benötigten Netzwerkkenntnisse eher niedrig anzusetzen sind.

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