Nahverkehr as a Service
Im Rahmen der jüngst ausgerufenen „Nationalen Plattform Elektromobilität“ (NPE) verfolgt die Bundesregierung mit Unterstützung der Automobilindustrie das Ziel, bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen zu bringen. Denn das Programm ist auf die Fortschreibung ressourcen- und energieaufwändiger Individualmobilität fixiert, ohne je die Frage zu stellen, ob diese überhaupt noch zeitgemäß ist. Man setzt Elektromobilität mit „grüner“ Fortbewegung gleich und ignoriert, dass Elektroautos höchstens so „grün“ sein können wie der Strom, die sie tanken. Gerne kehrt man auch die Frage der „grauen” (für Produktion, Logistik und Entsorgung aufzubringenden) Energie unter den Tisch – denn hier schneiden PKW generell schlecht ab. Deshalb sollte man den Blick künftig verstärkt auf Fortbewegungsmittel auch jenseits des privaten Autos richten, so auch auf die Bahn und den ÖPNV.
Um von Autofahrern als echte Alternative zum PKW wahr- und ernstgenommen zu werden, müsste der Nahverkehr aber weit mehr bieten als ein dichtes Streckennetz, eine hohe Taktrate der Verkehrsmittel und die Absicherung der Bahnhöfe vor randalierenden Schlägern. Um mit dem PKW konkurrieren zu können, muss der Nahverkehr nicht nur praktischer und preiswerter als das eigene Auto sein, sondern zudem ein schickes Lifestyle-Image transportieren – angesichts des Status quo im Nahverkehr ein sehr hehres Ziel.
Vor diesem Hintergrund sind drei Faktoren gefordert, die möglichst gut ineinandergreifen müssen: eine klare Kundenorientierung, umfassend an ITSM Best Practices wie ITILv3 ausgerichtete Service-Prozesse sowie eine GPS-gestützte Echtzeitanalyse der Verkehrsströme. Werfen wir also einen Blick in unsere Nahverkehrs-Glaskugel, um einen Eindruck zu erhalten, wie ein ITSM-gestützter Nahverkehr zukünftig aussehen könnte.
Fahrt durch die Glaskugel
Wir schreiben das Jahr 2016: Nahverkehrskunde Peter Pendelmann zückt am Arbeitsplatz sein Smartphone, um die App seines ÖPNV-Anbieters aufzurufen. Dank GPS weiß sein Smartphone, wo er sich gerade aufhält. So gibt er nur die gewünschte Abreisezeit ein, nennt als Ziel „zu Hause“ (der Ort ist in seinem persönlichen Einstellungen hinterlegt) und wählt als Service-Klasse statt der preiswerten Klasse 2 angesichts des regnerischen Wetters die teurere, aber bequemere Service-Klasse 1: Hier muss er nur möglichst selten umsteigen, und der maximale Fußweg beträgt 50 statt der sonst üblichen 200 Meter.


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