Netware trifft Linux

Test: Novell Open Enterprise Server
Netware trifft Linux
geschrieben von Martin Kuppinger/pf am 13.06.2005
Novell hat Mitte März mit der Auslieferung von OES (Open Enter- prise Server) begonnen. Die Software lässt sich am besten als erste Netware, die auch auf Linux läuft, charakterisieren. Die meisten Netware-Funktionen sind portiert, einige Lücken bleiben aber unter Linux vorerst noch bestehen.

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Mit den NNLS (Novell Nterprise Linux Services) hatte Novell schon 2003 einen Vorläufer von Open Enterprise Server auf den Markt gebracht – damals noch für Red Hat und Suse Linux. OES basiert dagegen wahlweise auf Netware 6.5 mit Support-Pack 3 oder SLES 9 (Suse Linux Enter- prise Server). Im Lieferumfang des Produkts sind beide Installationsvarianten enthalten. Andere Systemplattformen unterstützt OES jedoch nicht. Dies ist angesichts der Akquisition von Suse durch Novell im Jahr 2004 auch wenig überraschend.

Plattformunabhängigkeit als Prinzip

Die Entwicklung hin zu plattformunabhängigen Netzwerkdiensten hat aber schon lange vor den NNLS begonnen. Faktisch bildeten die NNLS im Wesentlichen ein Bundle der Novell-Dienste, die damals bereits auf Linux lauffähig waren. Diese Dienste wie Edirectory oder Novell Ifolder kombinierte der Hersteller mit einem einfachen Installationsprogramm.

Die Basis dafür wurde aber bereits einige Jahre vorher gelegt. Novell hatte zunächst mit Produkten wie NDS for NT begonnen, Schnittstellen zwischen verschiedenen Systemplattformen wie Windows NT und dem damals noch als NDS (Novell Directory Services) bezeichneten Verzeichnisdienst zu realisieren. Die ersten derartigen Implementierungen beschränkten sich noch auf die Weiterleitung von Anforderungen an Netware-Server, während spätere Versionen direkt auf den jeweiligen Betriebssystemen wie Windows oder Solaris lauffähig waren. Allerdings war immer noch mindestens ein Netware-Server im Verzeichnisbaum nötig. Zeitgleich mit der Umbenennung in Edirectory fiel diese Restriktion. Edirectory lässt sich heute auf verschiedenen Plattformen nutzen, wobei sich Netware-Server im Baum befinden können, aber nicht müssen.

Parallel zu dieser Entwicklung arbeitete Novell auch an der Portierung vieler anderer Produkte. Neue Anwendungen wurden sogar von Beginn an plattformneutral konzipiert. Lösungen wie Ifolder als Netzwerk-Client für den Zugriff auf Serverdaten oder Imanager als webbasierende Verwaltungsschnittstelle geben Beispiele für solche Anwendungen. Ein weiteres sind die NSS (Novell Storage Services), das aktuelle Dateisystem von Netware. Auch die NSS wurden plattformunabhängig konzipiert, wenngleich zunächst nur eine Implementierung auf Netware erfolgte. Galt der Blick in der Anfangsphase aber eher Windows-Servern, so ist mit OES die Portierung auf Linux vollzogen.

Diese Öffnung entspricht der „Onenet“-Strategie von Novell, mit der sich das Unternehmen als Lieferant von Integrations- und Infrastrukturlösungen für heterogene Umgebungen positionieren will. Netware ist in diesem Rahmen zwar ein wichtiges Produkt, aber eben nicht mehr die zentrale Plattform.

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