Software kommt per Streaming-Server
Lösungen für die Applikationsvirtualisierung stellen zentral gehostete Anwendungen unabhängig vom Betriebssystem als eigenständig lauffähige Pakete in einer gekapselten Umgebung bereit und verteilen sie an die Clients oder streamen sie zur Laufzeit dorthin. Die Kapselung stellt jeder Anwendung einen eigenen exklusiven Bereich in der Registry und in der DLL-Struktur zur Verfügung. Ausgeführt wird die Anwendung auf dem Client-Endgerät, das damit über das passende Betriebssystem verfügen muss. Dies bietet aber den Vorteil, dass sich die Anwendungen auch nutzen lassen, wenn vorübergehend keine Verbindung zum Verteil-Server besteht. Dadurch können mobile Mitarbeiter auch dann weiter arbeiten, wenn sie nicht mit dem Firmennetz verbunden sind.
Microsoft bietet mit seiner Suite für Application Virtualization namens App-V eine derartige Lösung an. Die zugrunde liegende Technik hat Microsoft bereits vor einigen Jahren durch die Übernahme der Softgrid-Lösung von Softricity zugekauft und weiterentwickelt. App-V lässt sich aus technischer Sicht in kleineren wie auch in sehr großen Umgebungen einsetzen. Die Lösung wurde primär für die Virtualisierung klassischer Anwendungen entwickelt. Bislang stellt Microsoft App-V allerdings nur Kunden mit dem kostspieligen Software-Assurance-Wartungsvertrag zur Verfügung.
App-V, derzeit in Version 4.6 SP1 vorliegend, besteht aus mehreren Tools. Der so genannte Sequencer ist das Paketierungswerkzeug, um die virtuellen Anwendungen zu erzeugen. Die Ausführung der Anwendungen erfolgt auf dem Client, der hierfür den App-V-Agenten benötigt. Dieser ist erforderlich, weil die App-V-Pakete nicht im Betriebssystem registriert sind und der Client deshalb nicht weiß, welche Dateien er mit welchem Paket öffnen muss. Diese Verknüpfungen sind im Agenten hinterlegt, der die OSD-Datei (Open Software Descriptor) jedes Pakets ausliest. Der App-V-Management-Server und der App-V Streaming-Server wiederum stellen die Anwendungen zur Verfügung.
Client- und Server-Komponenten
Die App-V-Komponenten hat Microsoft im Desktop Optimization Pack 2011 R2 (MDOP) zusammengefasst. Dieses Paket umfasst darüber hinaus das Tool Enterprise Desktop Virtualization, das auch als MED-V bekannt ist. Damit lässt sich ein älteres Betriebssystem wie Windows XP als virtuelle Instanz auf einem Windows-7-Rechner ausführen, um Applikationen, die nicht unter Windows 7 lauffähig sind, weiter nutzen zu können. MDOP enthält zudem eine ganze Reihe weiterer Werkzeuge: Advanced Group Policy Management 4.0, Diagnostic and Recovery Toolset, Asset Inventory Service sowie Bitlocker Administration and Monitoring für eine komfortablere Verwaltung von Bitlocker in größeren Umgebungen.

