Virtuell geht’s einfacher

Desktop Management in neuem Kleid
Virtuell geht’s einfacher
geschrieben von Wilfried Heinrich/mw Wilfried Heinrich ist Fachjournalist für IT-Themen in Köln. am 19.07.2007
Bisherige Versuche, dem latenten Aufwand im Desktop-Management Herr zu werden, haben meist nicht ausreichend gefruchtet. Ganz neue Perspektiven schaffen Virtualisierungs- und Smart-Client-Konzepte, mit denen deutlich schlankere Administrationsbedingungen geschaffen werden.

Die Dezentralisierungsstrategien der Unternehmen haben trotz aller Vorteile eine deutliche Schattenseite, weil sie durch den Aufwand für die dezentralen Systeme vielfach erhebliches Kopfzerbrechen bereiten. So bezeichnen nach einer Untersuchung von Centracon sieben von zehn IT-Managern die dezentralen Administrationsbedingungen als unbefriedigend oder sogar als „großes Sorgenkind“. Die Ursachen liegen vor allem in der Vielzahl der heute am Arbeitsplatz eingesetzten Anwendungen. Selbst in Mittelstandsfirmen reicht allein das Spektrum an Microsoft-Betriebsystemen auf den Arbeitsplatzrechnern von Windows NT 4.0 und Windows 2000 bis zu Windows XP, die häufig zusätzlich mit dedizierten Konfigurationen und unterschiedlichen Service-Pack-Ständen versehen sind. Auch die mannigfaltigen Schnittstellen mit anderen Anwendungen, die es bei Implementierungen zu berücksichtigen gilt, steigern den Aufwand im Desktop-Management.

Insbesondere bei der Installation von neuen Anwendungen, Updates oder Patches stoßen deshalb viele IT-Abteilungen an ihre Leistungsgrenzen. Denn um Anwendungen auf Clients installieren zu können, müssen sie beim Einsatz klassischer Konzepte für eine automatische Verteilung paketiert werden. Anschließend sind Regressionstests sowie Test- und Abnahmeverfahren zu durchlaufen, und es erfolgt letztendlich die verteilte Installation auf den Desktops. Viele Anwendungen bereiten allerdings schon beim Paketierungsprozess Probleme oder zeigen bei den folgenden Regressionstests Unverträglichkeiten mit anderen Anwendungen. So kommt es beispielsweise zu Konflikten mit bereits installierten Anwendungen oder es lösen bestimmte Anwendungskonstellationen Instabilitäten im System aus. Als Ergebnis liegt die Erfolgsquote beim Rollout mit Installation auf zahlreichen Clients erfahrungsgemäß meist nur bei 80 bis 90 Prozent.

Virtualisierung als Alternative

Zwangsläufig suchen Unternehmen nach alternativen Lösungen. Um den Aufwand zu reduzieren, setzen sie mittlerweile verstärkt auf Virtualisierungs- und Isolierungstechniken beim Desktop-Management. Dies bedeutet, dass eine Entkoppelung der Anwendungen vom Betriebssystem erfolgt. Die Applikationen werden hierbei nicht auf jedem Desktop fest installiert, sondern nach Bedarf zentral bereitgestellt. Die erklärten Ziele sind dabei, die Belastung der Administratoren zu verringern, die Implementierungskosten durch Verwendung bewährter Tools und Prozesse zu senken sowie eine schnellere und weniger risikoreiche Migration durchzuführen.

Beispielsweise unterstützen die Softgrid-Plattform von Microsoft oder der Streaming Server von Citrix eine solche Technologie, indem sie Anwendungen ohne Veränderungen der Quellcodes in Netzwerkdienste transformieren, die über das Netzwerk auf einem Arbeitsplatz-PC oder Windows Terminal Server ausgeführt werden können. Dabei verhalten sich die betreffenden Applikationen dort so, als wären sie lokal installiert.

Ausgangspunkt hierfür ist die Transformation einer Anwendung, das so genannte Sequencing oder Profiling. Hierzu wird auf einem Arbeitsplatz-PC ein spezielles Werkzeug installiert, dessen Aufgabe darin besteht, die betreffenden Applikationen vorzubereiten. Um die transformierte Anwendung dann nutzbar zu machen beziehungsweise sie auf einem Windows-Desktop auszuführen, muss sie zuerst auf das Endgerät gebracht werden. Dies ist die Aufgabe des Softgrid- beziehungsweise Streaming-Servers. Er streamed die Anwendungsdateien zu den angeschlossenen Clients, auf denen ein entsprechender Softgrid- oder Citrix-Client installiert sein muss.

Versionierung von Applikationen

Beim Start wird die Anwendung innerhalb einer speziellen Laufzeitumgebung ausgeführt, dem Softgrid Systemguard oder Citrix Application Isolation Environment (AIE). Er vollzieht die Trennung der Anwendungsebene von der Betriebssystemebene und ermöglicht so eine sichere Ausführung der bereitgestellten Anwendungen. Programme, die innerhalb dieser Laufzeitumgebung ausgeführt werden, können das Betriebssystem nicht verändern, und es treten keinerlei Konflikte mit anderen Anwendungen auf.

Dennoch können die Anwendungen miteinander interagieren. Bereitgestellte Programme benutzen innerhalb ihrer Umgebung sogar eine eigene „virtuelle“ Registry und ein eigenes „virtuelles“ Dateisystem, können aber dennoch auf ihre realen Pendants zugreifen. Alle Änderungen, die die Anwendung zur Laufzeit bezüglich Dateisystem und Registrierung vornehmen möchte, werden nur in der geschützten Umgebung ausgeführt und beim Schließen der Anwendung in benutzerspezifischen Dateien gespeichert. Sie stehen dann beim nächsten Programmstart wieder zur Verfügung.

Sobald die Anwendung zum Client gestreamt wurde, wird sie dort lokal in einem Cache abgelegt und die Anwendung startet unter Verwendung der lokalen sowie „virtuellen“ Dateiressourcen und Registrierungsinformationen. Der Anwendung steht dabei ein vollständiger Zugriff auf alle Systemressourcen des Clients zur Verfügung. Konflikte mit anderen Programmen sind ausgeschlossen, da sich jedes Programm so verhält, als gäbe es keine weiteren Programminstallationen auf dem System.

Schlankere Administration

Zusätzlich wird auf diese Weise auch das Problem der Versionierung einzelner Anwendungen gelöst, da unterschiedliche Versionen von Programmen wie Access 97 und Access 2000 gleichzeitig nebeneinander betrieben und genutzt werden können. Auch lassen sich mehrfache Instanzen derselben Anwendung mit unterschiedlicher Konfiguration bereitstellen. Möglich wird dies durch die völlige Trennung der Anwendungen durch die jeweiligen gekapselten Umgebungen, die eine vollständige Unabhängigkeit der einzelnen Installationen gewährleisten.

Auch der Support wird durch den Self-Service der Anwender entlastet. Denn verfügen sie über die erforderlichen Benutzerrechte, erfolgt die Bereitstellung der Applikationen quasi selbstständig mit einem Mausklick. Dabei steht die Anwendung sofort zur Verfügung und muss nicht erst über einen umfangreichen Prozess installiert werden. Zudem lassen sich auch Patches und Upgrades problemfrei zentral über den Sequencer beziehungsweise Profiler in die vorhandenen Anwendungen integrieren und für den Anwender völlig transparent bereitstellen. Beim nächsten Start der Anwendung wird die Änderung automatisch zum Endgerät gestreamt und kann sofort verwendet werden. „Komplizierte Rollout-Verfahren für hunderte oder tausende Clients entfallen vollständig, da die Anwender erst bei Bedarf mit dem entsprechend aktualisierten Programm versorgt werden“, beschreibt der Senior Berater Robert Gerhards des beratungshauses Centracon den Nutzen.

Alternative Smart Client

Einen ergänzenden Weg hin zu einem effizienteren Desktop Management stellen Smart-Client-Konzepte dar. Zu ihren wesentlichen Kennzeichen gehört, dass sie die Komplexität der dezentralen Systeme reduzieren. Dadurch werden sie deutlich flexibler, verursachen einen geringeren Wartungsaufwand und bieten eine höhere Wirtschaftlichkeit. „Ein Smart Client vereint optimal das Betriebssystem, das Systemmanagement sowie die Anwendungen, die entweder gestreamt, serverbasiert ausgeführt oder fest installiert werden“, beschreibt Gerhards den Kerngedanken.

Nach Analysen des internationalen Marktforschungsunternehmens Gartner können mit solchen Architekturen je nach Automatisierungs- und Standardisierungsgrad der Infrastruktur die Total Cost of Ownership (TCO) zwischen neun und 41 Prozent reduziert werden. Wohl wegen dieser Verheißungen plant nach einer aktuellen Erhebung von Centracon jedes zehnte Unternehmen „in jedem Fall“ und 17 Prozent „voraussichtlich“ Investitionen in Smart-Client-Konzepte. Auch für weitere 51 Prozent stellen sie nach eigenem Bekunden einen interessanten Ansatz dar, ohne jedoch bereits an eine Realisierung konkret im Visier zu haben.

Attraktiv sind Smart Clients für die IT-Manager, weil sie sich mehrheitlich davon Chancen für eine Entlastung beim Support- und Betriebsaufwand sowie schnellere Software-Rollouts versprechen. Immerhin geben in der Studie fast zwei Drittel der Unternehmen zu Protokoll, dass ihre lokalen Systeme durchschnittlich eine zu hohe Komplexität aufweisen.

Einfacherer Weg zur Windows Vista-Migration

Das Hauptaugenmerk einer Smart-Client-Lösung liegt auf der modularen und effizienten Bereitstellung einer modernen Arbeitsplatzumgebung, in der die Benutzer-anforderungen hinsichtlich der zu unterstützenden Geschäftsprozesse abgebildet sind. Grundsätzlich unterstützen solche Konzepte die Auswahl unterschiedlicher Hardwaremodelle wie Thin-PC, PC oder Notebook und bilden bedarfsgerecht konfigurierte Betriebssysteme einschließlich zentraler Verwaltbarkeit bis hin zur effizienten Anwendungsbereitstellung über zentrale, virtuelle oder klassische Methoden ab.

Smart Clients können deshalb bei den demnächst allerorts stattfindenden Umstellungen auf das Microsoft-Betriebssystem Vista eine wesentliche Rolle spielen. Grundlage sind dabei Deployment-, Virtualisierungs- und Isolierungsverfahren, die den gesamten Implementierungsprozess deutlich beschleunigen und durch vereinfachte Paketierung, schnellere Bereitstellung und reduzierte Kompatibilitätsprobleme den Gesamtaufwand des Projekts um durchschnittlich rund 30 Prozent reduzieren. Gleichzeitig werden damit die Voraussetzungen für zukünftig erheblich wirtschaftlichere Administrationsbedingungen bei den dezentralen Systemen geschaffen.

flexibler Standard-Client

optimierter Application-Lifecycle

geringere Support- und Betriebskosten

Betriebssystemwechsel auf Knopfdruck

schnelle Software-Rollouts in wenigen Stunden

Anwendungen wie Strom aus der Steckdose

keine Anwendungs- und Versionskonflikte

kein Paketieren und Testen erforderlich



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