Was bringt VMwares Vcloud Hybrid Service?

Gastkommentar von René Büst, Principal Analyst bei New Age Disruption
Was bringt VMwares Vcloud Hybrid Service?
geschrieben von René Büst, Principal Analyst bei New Age Disruption/wg am 31.10.2013

Im Mai dieses Jahres präsentierte VMware mit dem Vcloud Hybrid Service (VCHS) sein erstes eigenes IaaS-Angebot (Infrastructure as a Service) in einer Private Beta. Der Infrastruktur-Service wird vollständig von VMware betrieben und basiert auf VMware Vsphere. Unternehmen, die ihre eigenen On-Premise-Infrastrukturen bereits mit VMware virtualisiert haben, sollen damit die Möglichkeit erhalten, ihre RZ-Ressourcen wie Applikationen und Prozesse nahtlos in die Cloud zu erweitern, um darüber eine Hybrid Cloud aufzuspannen.

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Im Rahmen der VMworld 2013 Europe in Barcelona im Oktober hat VMware bereits die Verfügbarkeit des VCHS in England mit einem neuen RZ-Standort in Slough in der Nähe von London angekündigt. Die Private-Beta-Version des europäischen Vcloud Hybrid Services wird ab dem vierten Quartal 2013 vorliegen, die allgemeine Verfügbarkeit ist für das erste Quartal 2014 geplant. Dieser Schritt zeigt, dass VMware der Public Cloud eine wichtige Bedeutung zuschreibt, wurde er doch insbesondere unternommen, um den Bedürfnissen der europäischen Kunden entgegenzukommen.

 

Freudige Erwartungshaltung lieber gedämpft betrachten?
Während der Pressekonferenz auf der VMworld in Barcelona machte VMware-CEO Pat Gelsinger erfreut die Ankündigung, dass sich statt der erwarteten 50 Anmeldungen sogar 100 Interessierte für den Test der VCHS Private Beta angemeldet haben. Das ist immerhin eine Verbesserung gegenüber den Erwartungen um 100 Prozent. Dennoch: 100 Testkunden können und dürfen für einen Anbieter wie VMware kein Erfolg sein. Man ziehe hierzu nur die breite Kundenbasis und die Kraft des Vertriebs heran.

 

Es ist daher die Frage zu stellen, wie attraktiv ein VMware-IaaS-Angebot tatsächlich sein kann und wie attraktiv VMware-Technik, allen voran VMwares in den Unternehmen weit verbreiteter Hypervisor, in Zukunft noch sein wird. Gespräche mit IT-Verantwortlichen ergeben immer häufiger, dass VMwares Hypervisor aus Kostengründen und Freiheitsempfinden (Lock-in) kurz- bis mittelfristig durch einen Open-Source-Hypervisor wie KVM abgelöst werden soll.

 

Herausforderungen: Amazon Web Services und das Partnernetzwerk
VMware positioniert sich mit VCHS zunächst exakt so wie etwa 95 Prozent aller Anbieter im IaaS-Markt: mit Rechenleistung und Speicherplatz. Ein Service-Portfolio ist nicht vorhanden. Dennoch sieht VMware die Amazon Web Services (AWS) als Hauptziel und größten Mitbewerber, wenn es darum geht, Kunden zu gewinnen.

 

Allerdings nutzen AWS-Kunden – auch Unternehmenskunden – mehr als nur die Infrastruktur. Jedes Mal, wenn ich mit AWS-Kunden spreche, stelle ich meine Standardfrage: „Wie viele infrastrukturnahe AWS-Services setzen Sie ein?“ Fasse ich alle bisherigen Antworten zusammen, komme ich auf einen Durchschnittswert von elf bis zwölf Services, die ein Kunde bei AWS nutzt.

 

Die meisten sagen, dass sie so viele Services nutzen würden wie notwendig, um so wenig Aufwand wie möglich zu haben. Ein Schlüsselerlebnis war ein Kunde, der ohne zu zögern und mit weit aufgerissenen Augen sagte, er nutze 99 Prozent aller Services.

 

AWS ist ein beliebtes und vor allem attraktives Ziel. Mit dem Blick auf AWS allein sollte VMware jedoch vorsichtig sein und sein Partnernetzwerk und insbesondere die Service-Provider nicht aus den Augen verlieren, die ihre Infrastrukturen mit VMware-Technik aufgebaut haben, darunter CSC, Dimension Data, Savvis, Tier 3, Verizon oder Virtustream.

 

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AWS vs. GCE vs. VCHS

Meine Vermutung ist, dass VMware als Konkurrent von Amazon AWS derzeit die mit Abstand besten Chancen hat, wohl besser selbst als Google mit der Google Compute Engine (GCE) - vor allem, weil VMware in den Unternehmen eine sehr solide Basis hat und die Story "Virtualisiertes RZ wird zur Hybrid Cloud" in sich stimmig ist. Die eventuell größte Herausforderung für VMwares VCHS: Die Fachabteilungen suchen immer öfter die Cloud-Services aus, nicht die IT-Organisation.

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