Wider den Wildwuchs
Der Begriff „Home Networking“ deckt einen weiten Bereich ab – von der Messwerterfassung und Gebäudesteuerung über den Internet-Zugang bis hin zu IPTV (Internet Protocol Television). Die Bandbreitenanforderung erstreckt sich dabei je nach Applikation vom kBit/s- bis zum GBit/s-Bereich. Dies alles integriert die ITU mit dem „Next Generation Network“ (NGN). Dies soll die Interoperabilität der verschiedenen Sparten und Systeme verbessern und eine Marktkonsolidierung durch eine „Single Chip“-Lösung herbeiführen.
Doch die ITU steht nicht allein bei diesem Thema, auch andere Normierungen wie die DIN 50173-4 zur strukturierten Verkabelung für das Home Networking sind im Kontext der ITU-Lösung zu betrachten. Welche Bedeutung Home Networking zunehmend erhält, zeigt auch, dass die Internet Engineering Task Force (IETF) eine Arbeitsgruppe für Home Networking („Homenet“) gegründet hat. Entscheidend für das Verständnis der einzelnen Standardisierungen ist daher eine Einordnung der einzelnen beteiligten Gremien in eine Gesamtarchitektur.
An dem Thema Home Networking oder auch Home Area Networking (HAN) arbeitet heute eine Reihe unterschiedlicher Gremien. Der Überblick in Bild 1 berücksichtigt dabei nur die internationalen und stellt keine komplette Auflistung dar. Die Einordnung dort erfolgt nach den OSI-Schichten. Der Standard „Anwendungsneutrale Kommunikationskabelanlagen“ (ISO, EN) ist mittlerweile um den Teil 4 – Wohnungen – ergänzt worden. Die DIN EN 50173-4 macht verschiedene Ergänzungen zur Verkabelung und strukturiert die Anforderung an ein Verkabelungssystem im Wohngebäude. Die Strukturierung erfolgt in drei Bereichen:
Informations- und Kommunikationstechnik (IuK),
Rundfunk- und Kommunikationstechnik (RuK) sowie
Steuerung, Regelung und Kommunikation in Gebäuden (SRKG).
Alle diese Bereiche muss ein Verkabelungssystem im Wohngebäudebereich abdecken. Die EN 50173 beschreibt zu den in der IuK bekannten Medien wie UTP (Unshielded Twisted Pair) und Fiber Optic (FO) zusätzliche physische Medien – zum Beispiel Koaxialkabel, wie sie die Fernsehtechnik verwendet. Der Einsatz von Elektroleitungen für Powerline hingegen ist dort nicht aufgeführt. Die ITU wiederum beschreibt in ihrem Projekt G.hn die Architektur und Anbindung des Gebäudes an die Außenwelt.
Das G.hn-Projekt begann im Jahr 2006 und integriert sich in die vorhandene „Next Generation Networks“-Architektur (NGN, Y.2012). Anders als EN 50173 unterstützt G.hn drahtgebundene und drahtlose Physik. Ein besonderes Augenmerk richtet es dabei auf die Powerline-Integration (Datenübertragung via Stromkabel). In diesem Rahmen hat auch das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE) den Standard IEEE 1901-2010 (Broadband over Power Line Networks) erarbeitet.
