Bei einer Führungskräfteveranstaltung zum Thema „Cloud-Implementierung und Infrastruktur-Management“ im Mercedes-Benz-Center in München stellte Virtualisierungsvorreiter VMware seine Vision vom Software-definierten Datacenter (SDDC) vor. Als Gastreferent erläuterte Gartner-Analyst Will Cappelli Bedingungen der erfolgreichen Cloud-Einführung.

Wie zahlreiche IT-Analysten und -Anbieter, so betrachtet auch VMware Social Networks, Mobility, Cloud Computing und Big Data als treibende Faktoren für die IT. Jörg Hesske, VMwares Deutschlandchef, veranschaulichte dies an einem griffigen Beispiel: „Ein Auto ist heute ein fahrende IP-Adresse“, so Hesske. Ein aktueller PKW sei umfassend vernetzt, beziehe Daten aus der Cloud speise dort Daten ein. Als sehr wichtig erweise sich die Hoheit über die Cloud-Daten bei einem Unfall. Hier konkurriere die Kfz-Versicherung mit dem Autohersteller bei der Frage, in welche Werkstatt der PKW verbracht wird: in eine Vertragswerkstatt des Herstellers oder eine günstigere, von der Versicherung bevorzugte?

 

Dank zunehmender Bedeutung der Cloud sei das Thema für die IT-Organisationen heute vorrangig Automation, so Hesske. Für diesen Zweck bietet VMware nicht nur Private-Cloud-Verwaltungswerkzeuge wie Vcenter Operations Manager, für das man TUI Infotec als Referenzkunden präsentierte; vielmehr will es VMware Unternehmen künftig auch mittels VCHS (Vcloud Hybrid Services) ermöglichen, Private-Cloud-Workloads einfach nach außen zu geben und ebenso einfach wieder zurückzuholen – ohne dabei langfristig gebunden zu sein wie bei Outsourcing-Verträgen üblich.

 

Vor diesem Hintergrund gab Will Cappelli, Research Vice President bei Gartner, Ratschläge für den Weg in die Cloud. Cappelli sieht vier große Herausforderungen für die IT: Erstens seien die Kosten zu hoch, 41 Prozent davon Personalkosten. Zweitens liefere die Unternehmens-IT verglichen mit der Consumer-IT-Welt nicht genug Innovation. Drittens werde die IT als zu langsam wahrgenommen und deshalb häufig umgangen. Und viertens seien die IT-Ressourcen nicht optimiert, es gebe daher ein „erstaunliches Ausmaß von Sprawl“ (unkontrollierte Verbreitung).

 

Die Unternehmens-IT müsse deshalb aufhören, sich nur als interner Service-Provider zu betrachten, und als IT-Service-Makler („Broker“) agieren: „Die Quelle (eines IT-Services, d.Red.) ist bedeutsam, aber sie ist nicht von primärer Bedeutung“, so Cappelli. Darauf aufbauend müsse die IT eine Cloud-Computing-Strategie festlegen. Der Analyst stellte zehn Schritte für die Cloud-Transformation vor:

 

1. Reifegrad-Assessment: Gartner empfiehlt dafür natürlich das hauseigene IT-Score-Maturity-Modell, es gebe aber diverse Reifegradmodelle, die sich stark ähneln.

 

2. Investitionen in Standards und einen architekturbasierten Ansatz.

 

3. Fokus auf Automation, zum Beispiel mittels RBA (Run-Book Automation) sowie Provisionierungstechnik für Server, Storage und das Netzwerk.

 

4. Automation des Financial-Managements und der IT-Governance, denn nur das Financial-Management liefere eine „Sprache, die auch das Business versteht“.

 

5. Versorgung der Kunden mit den Services, die sie benötigen – in einem Vokabular, das sich an der Ausdrucksweise der Kunden orientiert statt kryptischer technischer Parameter.

 

6. Einführung neuer Cloud-Service-spezifischer Rollen, zum Beispiel IT-Finanz-Manager, Cloud-Service-Broker, Service-Manager, Capacity-Manager, Automationsspezialist etc.

 

7. Einsatz von Cloud-Management-Plattformen (CMP), um Richtlinien und Governance durchzusetzen. Der CMP-Markt sei stark bevölkert und schnelllebig, die Anbieter reichten von Punktlösungsanbietern über Fabric-Infrastrukturausrüster, die „Big Four“ des IT-Management-Markts und Spezialisten für Infrastruktursoftware bis hin zu Open-Source-Ansätzen.

 

8. Auswahl einer CMP mit Fokus auf Einfachheit: „Vermeiden Sie Komplexität“, warnte Cappelli.

 

9. Vorsicht vor versteckten Initialkosten: Public-Cloud-Services funktionieren nach dem Prinzip „Bezahlung nach Nutzung“, doch sind hier laut Cappelli zahlreiche Anfangskosten versteckt, etwa für die Durchführung von Pilotprojekten, initiale Setups, Training, Anpassung und Integration, Sandboxing, zusätzliche Speicherkapazität, die Konversion von On-Premise-Lizenzen ohne Gutschrift, Unterhalt und Wartung sowie für fehlende Funktionen, die es zusätzlich zu erwerben gilt.

 

10. Integration der Cloud-Management-Architektur in das ITOM (IT-Operations-Management): Ziel muss laut Cappelli ein End-to-End-ITOM einschließlich der Cloud-Services sein.

 

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