Nutanix zählt zu den Pionieren im HCI-Markt (Hyperconverged Infrastructures). Auf seiner Next-Europe-Konferenz in Nizza hat der Hersteller Anfang November 2017 nun den nächsten Schritt angekündigt: Nach der Vereinfachung und Automatisierung der Infrastruktur im Rechenzentrum will der Hersteller dies nun auch auf die Cloud ausweiten und zwar über verschiedene Cloud-Plattformen hinweg. Unternehmen sollen dadurch in der Lage sein, im – so Nutanix – „Multi-Cloud-Zeitalter“ ihre hybriden Umgebungen einfach zu managen. Vereinfacht gesagt will der Hersteller verschiedene Cloud-Umgebungen für den Anwender als eine Cloud darstellen. Für diesen Zweck will der HCI-Anbieter außerdem mit Enterprise Cloud OS eine alleinstehende Software-Suite zum Cloud-Management auf den Markt bringen.

„Die Idee hinter der Cloud ist ein hochentwickeltes, softwaregesteuertes Datacenter, das uns eine deutliche Steigerung unserer Produktivität und Effizienz ermöglicht. Diese Digitalisierung wollen wir nun in den Cloud-Markt bringen,“ erklärte Nutanix-CEO Dheeraj Pandey in seiner Keynote vor über 2.000 Teilnehmern. Damit will sich der ursprüngliche HCI-Anbieter als Anbieter von Enterprise-Cloud-Software und Lösungen für Application-Lifecycle-Management für Design, Erstellung und Administration von Multi-Cloud-Architekturen positionieren.

Mit Multi-Cloud meint Nutanix, dass Unternehmen sich nicht für eine dezidierte Cloud-Plattform entscheiden, sondern je nach Bedürfnis und Anforderungen aus den verschiedenen Dienstleistungen ihre favorisierten Services herauspicken, sei es aus der Public oder Private Cloud oder On-Premise. Was sich zunächst einfach anhört, lässt sich aber in der Realität nicht ohne die Bewältigung gewisser Hürden umsetzen, da sich auf jeder Plattform Betriebssysteme, Applikationen oder Netzwerkschnittstellen unterscheiden. Mit Enterprise Cloud OS will Nutanix diese Unterschiede überwinden und eine einheitliche Computing Fabric erzeugen, die für den Anwender alle Cloud-Umgebungen als eine Cloud darstellt. „Die Nutzer sollen die gleiche Erfahrung für alle Anwendungsumgebungen erhalten“, erklärte Sunil Potti, Chief Product and Development Officer bei Nutanix. Mit Enterprise Cloud OS bringt Nutanix außerdem seine Cloud-Management-Software, die zuvor an seine Hardware-Bundles gebunden war, als eigene Software-Suite auf den Markt.

Acropolis Object Storage Service

In Nizza hat der HCI-Anbieter mit „Acropolis Object Storage Service“ und „Acropolis Compute Cloud (AC2)“ neue Dienste als künftige Teile seines Enterprise Cloud OS vorgestellt. Mit Object Storage Service verbessert Nutanix nach eigenen Angaben die Nutzung von Anwendungen, die große Mengen an unstrukturierten Daten verwenden, etwa Big Data Analytics oder Data Warehouse sowie sehr große IoT-Umgebungen. Für die Bereitstellung dieser Applikationen erweitert der Hersteller die Funktionen zum Daten-Management sowie zur objektbasierten Speicherung. Zudem verfüge dieser Dienst über eine Schnittstelle, die mit AWS S3 kompatibel ist, sodass Applikationsentwickler die Option erhalten, Storage nach Bedarf als abrufbaren Hochleistungs-Service zu nutzen, wie es bei öffentlichen Cloud-Angeboten der Fall ist.

„Die Idee hinter der Cloud ist ein hochentwickeltes, softwaregesteuertes Datacenter“, sagt Nutanix-CEO Dheeraj Pandey.

Acropolis Object Storage Service sammelt, speichert und verwaltet nach Bekunden des Herstellers Milliarden von Objekten in einem einzigen Namensraum und erzeugt so eine effiziente Speicherschicht für eine Vielzahl an Anwendungsszenarien, einschließlich Datenarchivierung. Auf diese Weise will Nutanix nach eigenen Angaben eine Multi-Cloud-Strategie für Speicherung erzeugen, die darüber hinaus das Management für den gesamten Lebenszyklus von Datenobjekten und eines Cloud-übergreifenden Tierings umfasst.

Bei dem Service Acropolis Compute Cloud (AC2) handele es sich um einen weiteren Dienst für Rechenressourcen auf Basis des hauseigenen Hypervisors AHV, einer von Nutanix erweiterten KVM-Erweiterung. Dieser unterstütze Knoten in Nutanix-Implementierungen, die ausschließlich für Rechenoperationen ausgelegt sind, etwa verteilte Analytics-Workloads, hochvolumige Web-Services für Frontends, Citrix-XenApp-Implementierungen oder innovative speicherresidente Analyseverfahren. Auf diese Weise werden diese Anwendungsentwicklern als konsumierbare Ressource zur Verfügung gestellt. Entwickler sollen zum einen dadurch ihre Infrastruktur nach oben und unten skalieren können und zum anderen eine bezahlbare Alternative erhalten, um ihre virtualisierten Server-Instanzen von Verwaltungssoftware unabhängig zu machen, die nur schwer zu skalieren und zu verwalten ist.

Calm für die Multi-Cloud

Zudem hat der Hersteller in Nizza auch einen Blick auf die kommenden Funktionen von Acropolis OS 5.5 geworfen. Bestandteil ist unter anderem die Prism-Erweiterung Calm. Dabei handelt es sich um einen App-Marktplatz, der es ermöglicht, mit nur wenigen Klicks Applikationen in den unterschiedlichen Public- oder Private-Cloud-Umgebungen zu integrieren und bereitzustellen. Die Technologie dahinter hatte Nutanix im Sommer 2016 mit der Übernahme des Start-ups Calm.io hinzugekauft.

Für die Implementierung definiert der Administrator neue oder bestehende Anwendungen mittels standardisierter Blaupausen und veröffentlicht diese anschließend auf dem Calm-Marktplatz. Nutzern ist es auf diese Weise möglich, Applikationsdienste ohne weitere Verzögerung in einem Selbstbedienungsszenario anzuwenden. Nutanix plant, in Calm vorintegrierte und validierte Blaupausen anzubieten, mit denen sich die Einführung essenzieller Infrastruktur- und Entwicklerwerkzeuge wie Kubernetes, Hadoop, MySQL, Jenkins und Puppet beschleunigen lassen soll. Darüber hinaus soll es für Unternehmen via Calm in einem zusätzlichen privaten Marktplatz möglich sein, eigene Anwendungen für die verschiedenen Cloud-Umgebungen zu entwickeln und zu implementieren. Calm selbst läuft in einem Container.

„Calm ist eine Automatisierungs- und Orchestrierungslösung für die Multi-Cloud, die es ermöglicht, Anwendungen in verschiedenen Umgebungen schnell bereitzustellen“, erklärte Binny Gill, Chief Architect bei Nutanix, im Gespräch mit LANline. „Anwender wählen die Cloud aus und stellen ihre gewünschte Blaupause bereit.“ Langfristig sei es jedoch der Plan von Nutanix, Calm zu einer alleinstehenden Management-Plattform für hybride Umgebungen auszubauen. Vorbild soll die Funktionalität des hauseigenen Cloud-Dienstes Xi sein, an dem Nutanix nach eigenen Angaben seit 2015 arbeitet. Dabei handele es sich um eine „unsichtbare“ Infrastruktur, die es ermöglichen soll, dass Anwender ihr Rechenzentrum in die Public Cloud ausweiten können. „Xi ist ein Hybrid-Cloud-Service bei der wir uns auf beiden Seiten befinden. Für den Anwender bedeutet dies eine gleichbleibende Anwendererfahrung, unabhängig davon, ob es eine Public oder Private Cloud ist“, sagte Sunil Potti. Im ersten Quartal 2018 ist der Start von Xi mit einer Disaster-Recovery-Lösung in der EMEA-Region geplant.

Xi macht die Cloud unsichtbar

Zwar soll Xi mit verschiedenen Public-Cloud-Anbietern kompatibel sein, mit Google arbeitet das Unternehmen jedoch derzeit besonders eng zusammen. Laut Potti ist die Zusammenarbeit mit Google mit der damaligen Partnerschaft auf HCI-Ebene mit Dell vergleichbar. Damals habe sich Nutanix auch auf eine enge Kooperation mit zunächst einem Hersteller fokussiert und anschließend sukzessive ausgeweitet. „Für unsere Anwender soll die Cloud vom Core bis zum Edge unsichtbar sein, wir wollen mit Xi kein ‚Hosted by Nutanix‘ anbieten“, erläuterte Potti. Dabei stelle Google oder ein anderer Public-Cloud-Anbieter, etwa AWS oder Microsoft Azure, die Infrastruktur in ihrem Rechenzentrum zur Verfügung, auf der die Nutanix-Software läuft. „Statt Appliances verkaufen wir in diesem Fall also Services. Wir rechnen aber damit, dass es einige Zeit dauern wird, bis unsere Kunden diese Veränderung annehmen“, erläuterte Potti.

Für Nutanix führt jedoch kein Weg an dieser Entwicklung vorbei. „Moderne Architekturen müssen es erlauben, Services bei Bedarf in die Public Cloud auszulagern und vor allem auch schnell wieder zurückholen“, unterstreichte Gill. Dies sei jedoch bis dato noch nicht so einfach, auch weil die Public-Cloud-Anbieter zwar eine schnelle Migration ermöglichen, aber eine „Exit-Strategie“ nicht optimal unterstützen. Hier findet aber mittlerweile ein Umdenken bei den Anbietern statt, so Gill. Auch, weil Unternehmen sich nicht von einem Public-Cloud-Anbieter abhängig machen wollen – Stichwort Vendor Lock-in. „Die Bereitschaft der Cloud-Anbieter an einer Zusammenarbeit nimmt allmählich zu“, ergänzte Gill.

Als weitere Neuerungen, die mit dem Release 5.5 von Acropolis OS kommen sollen, gehören unter anderem neue AHV-Funktionalitäten, die Unterstützung von Citrix Provisioning Services für Virtual-Desktop-Implementierungen sowie für virtuelle Grafikchips zur beschleunigten Wiedergabe komplexer Grafiken. Zudem sei mit der Version 5.5 in der Verwaltungsoberfläche Prism eine Mikrosegmentierung von beispielsweise nur einer virtuellen Maschine sowie die Integration einer rollenbasierten Zugangskontrolle mit nur wenigen Klicks möglich. Weitere Neuerungen sind laut Nutanix unter anderem die softwarebasierte Verschlüsselung von Daten und die Near-Sync Replication auf Basis von Delta-Snapshots.

Timo Scheibe ist Redakteur bei der LANline.