Auf seiner Hausmesse Synergy in Los Angeles stand Citrix unter Zugzwang, eine wichtige Innovation zu liefern. Denn Mitbewerber VMware unterstützt inzwischen neben Virtual Desktops auch virtuelle Applikationen (lange Zeit Citrix' Domäne) und offeriert zudem dank Airwatch-Akquisition ein Konkurrenzprodukt zu Citrix Xenmobile (LANline berichtete). Und in der Tat gab es den erwarteten großen Wurf: Mit Workspace Services bietet Citrix künftig ein einheitliches Virtual-Workspace-Management für stationäre und mobile Devices, verwaltet per Azure-Cloud.

Die diesjährige Eröffnungsrede im Anaheim Convention Center in Los Angeles war wohl die letzte Synergy-Keynote des langjährigen Citrix-CEOs Mark Templeton, will dieser doch Ende des Jahres in den Ruhestand gehen. Die Redezeit überließ er über weite Strecken seinen Marketing-Kollegen, den auf US-Events unvermeidlichen Sponsoren-Werbeblöcken sowie (zum Glück) seinem routinierten „“Chief Demo Officer““ Brad Peterson. Zum Abschluss der Rede präsentierte er jedoch ganz in der Art des Vorbilds Steve Jobs „“One More Thing““: eine Hybrid-Cloud-Lösung für das orts- und geräteunabhängige Arbeiten namens Workspace Services.

 

Workspace as a Service
Mit Workspace Services führt Citrix, wie lange erwartet, seine Techniken für das mobile Arbeiten mit virtualisierten Unternehmensressourcen zu einem echten Cloud-Angebot zusammen. Die Besonderheit: Das Management-Layer der Workspace Services wird auf Microsofts Cloud-Plattform Azure gehostet. Von dort aus kann der Administrator oder Service-Provider seinen Pool an Datacenter-Ressourcen für das Hosting virtueller Desktops, Applikationen, Mobile Apps und Fileshares flexibel zusammenstellen. Dies können eigene RZ-Kapazitäten oder Public-Cloud-Angebote sein.

 

Während also VMwares Vcloud Hybrid Services darauf abzielen, das Unternehmens-RZ in die Public Cloud zu skalieren, dreht Citrix diesen Ansatz um: Das Management-Layer nutzt mit Azure eine der führenden Cloud-Plattformen, um beliebige Xenapp- und Xendesktop-Instanzen zu einer mandantenfähigen WaaS-Lösung (Workspace as a Service) zusammenzuführen.

 

Templeton demonstrierte die Workspace Services zusammen mit Mitch Parker, dem Chef von Citrix' Cloud Services Group, live auf der Bühne, ein Tech Preview stellten sie für die zweite Jahreshälfte in Aussicht. Das Wettrennen mit VMware bleibt also spannend, hat doch nun wiederum Citrix' Konkurrent ein halbes Jahr Zeit zur Reaktion.

 

Workspace Suite
Den technischen Unterbau für die Workspace Services bieten Citrix' Flaggschifflösungen Xendesktop und Xenapp in ihrer überarbeiteten Ausprägung namens Workspace Suite mit dem ebenfalls neuen Client Receiver X1. Die Workspace Suite führt Xendeskop, Xenapp und Xenmobile, Business-Apps (Worx) sowie Filesharing und -sync (Sharefile) zu einer einheitlichen Lösung zusammen. Wie sehr sich Citrix durch VMware herausgefordert fühlt, zeigt der Umstand, dass es für VMware-Kunden 50 Prozent Rabatt gibt.

 

Dank Receiver X1 offeriert Citrix nun einen kontextsensitiven, einheitlichen Client für den bequemen „“One Touch““-Zugang zu Desktops, Apps, Services und Daten. Für die konsistente Darstellung über diverse Gerätetypen hinweg sorgt HTML5 (dies ist also eine Weiterentwicklung des vormaligen Dazzle-Clients). Mit Receiver X1 vereint Citrix die Optimierungsmechanismen seines Xendesktop-Protokolls HDX und des Mobility-Protokolls MDX zu einer Architektur. Der Anwender erhalte damit auf dem PC seine gehosteten Applikationen, auf dem Smartphone oder Tablet aber kontextgerecht die passenden Apps angezeigt. Die Workspace Suite zeigt sich im schicken, modernen Design, das sich inklusive Enterprise App Store an das Branding des Kundenunternehmens anpassen lässt.

 

Einige weitere Highlights: Xenmobile bietet laut Citrix nun integrierte Mobile-Workflow-Funktionen. Der ADC Netscaler soll dabei für eine fünffache Beschleunigung mobiler Fernzugriffe sorgen. Der Receiver für Mac erlaubt nun den Offload grafikintensiver Darstellungen, sodass selbst ein Remoting von Apples 3D-Darstellung offener Fenster möglich ist. Zudem gibt es nun einen Receiver für Chrome OS (also Googles Chromebooks) sowie diverse neue Worx-Apps, darunter Worxnotes sowie Worxdesktop für die PC-Fernsteuerung.

 

Von Partnerseite war in Templetons Keynote zu erfahren, dass HP künftig Server mit Intels Haswell-CPUs und integrierter GPU anbieten wird. Dies dürfte die Darstellung Server-seitig laufender grafikintensiver Anwendungen deutlich beschleunigen.

 

Ein sichtlich gerührter Mark Templeton verabschiedete sich vom Synergy-Publikum mit dem Rat, das eigene Umfeld besser zu hinterlassen, als man es vorgefunden hat. Falls Citrix dem Vorbild seines engen Partners Microsoft folgt, dessen CEO nun der vormalige Cloud-Chef Satya Nadella ist, dann dürfte nächstes Jahr Mitch Parker das Publikum auf der Synergy-Bühne begrüßen. Doch erst mal muss dieser nun beweisen, wie gut er die Workspace Services auf die Straße bringen kann. Es wäre hier sicher hilfreich, wenn Microsoft sein Virtual-Desktop-Lizenzmodell Cloud-freundlicher gestalten würde.

 

Weitere Informationen finden sich unter www.citrix.com und www.citrixsynergy.com.

Der Citrix Receiver for Mac kann nun per GPU-Offload selbst Apples 3D-Fensterauswahl flüssig darstellen.

Mark Templeton will das CEO-Ruder zum Jahresende an einen Nachfolger übergeben. Er verabschiedete sich sichtlich gerührt vom Synergy-Publikum.

Citrix‘ Workspace Suite führt die diversen Citrix-Lösungen zusammen und präsentiert sich mit einem frischen, modernen – und anpassparen – Interface.

Mark Templeton bei der Einrichtung einer Workspace-Services-Umgebung live auf der Synergy-Bühne.

Citrix-CEO Mark Templeton und Cloud-Services-Chef Mitch Parker präsentieren die Workspace Services auf der Synergy-Bühne. Die Lösung lässt dem Anwender die Auswahl zwischen lokalen und Cloud-Ressourcen.