Auch 2017 ging es aufwärts: Steigende Teilnehmerzahlen für die Tech Foren zur Verkabelung und das Datacenter Symposium (DCS) der LANline belegen deutlich, dass beim Thema Infrastruktur ein großer Bedarf an hochwertiger Information und zur Möglichkeit des Networkings innerhalb der Experten-Community besteht. Der Veranstaltungskalender für das Jahr 2018 steht bereits fest, eine frühe Anmeldung ist angeraten.

Neue Technik kennenlernen, Kontakte zu Herstellern knüpfen oder einfach mit Kollegen aus der Branche fachsimpeln? Das fachliche Wissen auf einen aktuellen Stand zu bringen, kann durchaus Spaß machen. Dies belegen die Reaktionen der Teilnehmer der LANline-Events auch am Ende dieses Jahres wieder deutlich. Sich auf den Ein- oder Zweitagesmeetings mit der bekanntermaßen trockenen Materie der Verkabelungs- und Rechenzentrumsinfrastruktur auseinanderzusetzen, ist zwar durchaus anstrengende Arbeit, offenbar jedoch eine, die jedes Jahr aufs Neue von einer steigenden Zahl an Experten aus diesem Zweig der Branche angegangen wird.

Neben Vorträgen, Diskussionen und Workshops bieten die Tech Foren und das DCS auch Technik zum Anfassen.

Das LANline Tech Forum zur Verkabelung gilt mittlerweile als fest etablierte Veranstaltung im Terminkalender der Infrastrukturexperten. Allen voran das Meeting zu Beginn des Jahres in München zieht nun regelmäßig rund 500 Teilnehmer an, die sich in Technikvorträgen über die neuesten Entwicklungen zum Beispiel bei der Normierung, in Produkt-Sessions und der angegliederten Ausstellung jedoch auch über neue Geräte und Equipment informieren können.

Zu den unter anderem auch in diversen Podiumsdiskussionen angesprochenen Themen zählte 2017 die Neuentwicklung OM5 im LWL-Umfeld. Die zugehörige Faser ist nicht mehr für einen engen Wellenlängenbereich optimiert, sondern dehnt die Übertragungseigenschaften vom OM4 auf ein größeres Intervall aus. Sie kann damit als Basis für ein Wellenlängen-Multiplexing bei der Multimode-Faser-Technik dienen und fungiert so – abhängig von der durchaus kontroversen Einschätzung der Experten – als Gegen- oder als Mitspieler der Paralleloptik. Mit einem Mix der Konzepte lassen sich mit bereits heute verfügbarer Technik Übertragungen bis zur TBit/s-Grenze erreichen, wie etwa Rainer Behr, Experte bei TDE, und Carsten Fehr, Marketing Manager Draka Comteq bei der Prysmian Group, in ihren Präsentationen zum Stand der Technik im LWL-Umfeld demonstrierten.

Jan Moll, Geschäftsführer DTM, stellte ein außergewöhnliches und eindrucksvolles RZ-Projekt in einem Windrad vor.

Dr. Peter Koch, VP Solutions und Complexity Management bei Vertiv, vermittelte in seiner Keynote einen Überblick über aktuelle und kommende RZ-Kühltechnik.

Zu den besonders beachteten Vorträgen gehörte ohne Zweifel der Projektbericht, den Jan Moll, Geschäftsführer von DTM, beim letzten Tech Forum des Jahres in Fulda präsentierte. Moll berichtete über die Installation eines kompletten Kleinrechenzentrums im Innern eines Windradturms, der zu einem Windpark des Betreibers Westfalen-Wind in Ostwestfalen gehört.

Zu den Pluspunkten, die diese Standortwahl mit sich bringt, zählt neben der auf der Hand liegenden Nähe zur Energiegewinnung etwas überraschend auch die in einem Windpark bereits vorhandene Infrastruktur: Zu Management-Zwecken existiert dort zum Beispiel standardmäßig eine Singlemode-Verkabelung zwischen den einzelnen Türmen. Außerdem gibt es bereits eine redundante Stromversorgung, auf die dann auch das Rechenzentrumsequipment zugreifen kann.

Zu den Herausforderungen bei diesem Projekt gehörten wenig überraschend die räumliche Verteilung der RZ-Tresor-Schränke auf dem Turmboden, aber auch die notwendige Klimatisierung und die fundamentale Forderung, dass sich RZ- und Windkraft-Stromerzeugung in keinem Fall beeinflussen dürfen. Obwohl es laut Moll keine öffentliche Förderung für die Installation gab, stellt das Projekt ein äußerst gelungenes Exempel für eine Green-IT-Realisierung dar. Nicht nur die Tech-Forums-Teilnehmer hätten dies mehrheitlich wahrscheinlich eher mit einem amerikanischen Startup in Verbindung gebracht: Umso mehr Aufmerksamkeit konnte der Vortrag Molls für dessen im besten Sinne als bodenständig geltendes oberschwäbisches mittelständisches Unternehmen für sich verbuchen.

Christian Richter, Segment-Manager Rechen-zentren bei Hoval, präsentierte auf dem DCS die Technikdetails der hauseigenen Kühl- und Klimatisierungslösung.

Das Datacenter Symposium (DCS), das das LANline-Team in Kooperation mit der DCE Academy ausrichtet, thematisiert in erster Linie die Bereiche Klimatisierungs- und Stromversorgungstechnik. Bei einem Keynote-Vortrag ging Dr. Peter Koch von Vertiv unter anderem auf den der Ökonomie und Ökologie geschuldeten Zwang zur Effizienzsteigerung ein. Diese lässt sich auf vielfältige Weise erreichen, wie er am Beispiel eines großen Spezialrechenzentrums (Facebook in Nordschweden), eines wissenschaftlich genutzten HPC-RZs (Green IT Cube in Darmstadt) sowie anhand der höchstwahrscheinlich demnächst sehr häufig anzutreffenden Mini-Komplett-RZs demonstrierte. Für alle Gebiete bieten Technik und Markt heute optimierte Lösungen an – der Betreiber muss sich nur umfassend informieren, was bei der Vielfalt von Anforderungen und Lösungsangeboten leider nicht trivial ist.

Einer der Vorreiter bei der sogenannten adiabatischen Kühlung ist Hoval aus Liechtenstein. Kleiner Physikrückblick: Adiabatisch heißt ein Vorgang, wenn das betroffene System bei einer Zustandsänderung keine Wärme mit der Umgebung austauscht. Christian Richter, bei Hoval Segment-Manager Rechenzentren, stellte die Technikdetails der hauseigenen Kühl- und Klimatisierungslösung vor, die sowohl die indirekte Freikühlung, den adiabatischen Ansatz als auch die sogenannte mechanische Kühlung über Kühlregister umfasst. Damit lassen sich hohe Wirkungsgrade erreichen. Außerdem ist – relativ unabhängig von Einsatzort – der mechanische Kühleinsatz nur zu einem sehr geringen Prozentsatz der Betriebszeit nötig.

Lernen macht hungrig und durstig: Auch das brancheninterne Networking kommt bei den Tech Foren und beim DCS (im Bild) nicht zu kurz.

Bleibenden Eindruck hinterließ bei vielen Teilnehmern der Vortrag von Rechtsanwalt Robert Niedermeier zur neuen europäischen Datenschutzgrundverordnung. Niedermeier, selbst Datenschutzbeauftragter eines großen amerikanischen Netzwerkherstellers, verdeutlichte anschaulich, welche Schritte gerade deutsche Unternehmen in der verbleibenden Zeit bis zum Inkrafttreten des Gesetzes noch zu tun haben – und dies sind meist viele.

Das LANline Tech Forum „Verkabelung und Infrastruktur“ München ist regelmäßig Treffpunkt von mehr als 500 Experten der Branche.

Event-Kalender für 2018 steht

Die Termine der LANline Tech Foren und der Datacenter Symposien in Deutschland für das Jahr 2018 stehen bereits fest. Außerdem gibt es 2018 in Zürich und Wien kombinierte Meetings, die jeweils beide Themenblöcke zusammenfassen. Alle wichtigen Informationen dazu finden Interessierte auf www.lanline.de/events oder www.datacenter-symposium.de. Das Konzept der werbefreien und anspruchsvollen Technikvorträge findet bei Herstellern und Teilnehmern großen Anklang; eine rechtzeitige Anmeldung ist demnach empfehlenswert.