IoT ist in aller Munde. Allerdings stehe man bei der Entwicklung noch ganz am Anfang, meint der Münchner IT-Full-Service-Provider Consol. Demnach zeichneten sich noch Veränderungen ab, die teilweise „disruptiven Charakter haben“. Sechs zentrale Trends nennt der Provider.

Das Internet der Dinge (Internet of Things – IoT), das auf einer hochgradigen Automatisierung und Vernetzung basiert, werde zur Komfort-, Effizienz- und Produktivitätssteigerung in vielen Bereichen beitragen. Allerdings steckt das IoT laut Consol noch in den Kinderschuhen. Bereits kurz- und mittelfristig zeichnen sich im IoT-Umfeld sechs neue Entwicklungen ab.

  1. Blockchain

Heiß diskutiert werde aktuell das Thema Blockchain – nicht nur im Hinblick auf die Kryptowährung Bitcoin, sondern auch hinsichtlich möglicher neuer Nutzungsmöglichkeiten und Einsatzfelder etwa bei Banken und Versicherungen oder bei den sogenannten Smart Contracts für die automatisierte Vertragsabwicklung. Ein Bereich komme dabei in aller Regel zu kurz: Das Internet der Dinge, denn gerade dort könne ein zentraler Vorteil der Blockchain voll zum Tragen kommen. Sie bietet sich in idealer Weise als Identifikationsmedium an und damit zur Absicherung von IoT-Kommunikationen.

  1. Zunahme der DDoS-Attacken

Bereits das vergangene Jahr war von einer Zunahme von DDoS-Attacken geprägt, die für den Aufbau von Bot-Netzen IoT-Geräte nutzten. Die Attacke auf den Web-Dienstleister Dyn etwa führte dazu, dass Netflix, Twitter, Amazon oder Airbnb zeitweise nicht erreichbar waren. Auch der Hacker-Angriff auf die Telekom-DSL-Router führte zu einem Massenausfall von Internet- und Telefonanschlüssen – auch wenn die eventuell beabsichtigte Integration der Router in ein Bot-Netz misslang. Es sei stark davon auszugehen, dass sich dieser „Trend“ weiter fortsetze. Ungesicherte IoT-Geräte dürften ein lukratives und leichtes Ziel für Hacker bleiben, vor allem dann, wenn Default-Passwörter unverändert bleiben.

  1. Interoperabilität

Bereits jetzt findet sich im IoT-Bereich eine Vielzahl unterschiedlicher, inkompatibler Kommunikationsprotokolle – allein schon im Hinblick auf unterschiedliche Übertragungsstandards der drahtlosen Netze im Nahbereich mit WLAN, Zigbee oder Z-Wave. Es sei nicht davon auszugehen, dass in diesem Punkt in nächster Zeit eine Standardisierung erfolgt. Im Gegenteil: Kurzfristig sei laut Consol sogar eine Erhöhung der Protokollvielfalt zu erwarten. Ein Grund dafür ist auch die bevorstehende Abschaltung der alten 2G- oder 3G-Mobilfunknetze wie GSM oder UTMS durch die Netzbetreiber in vielen Ländern, die viele genutzte IoT-Geräte zu Auslaufmodellen degradiert und Neuentwicklungen erforderlich macht.

  1. IPv6

Vor noch nicht allzu langer Zeit ständig diskutiert, ist das Thema IPv6 in letzter Zeit etwas in den Hintergrund geraten. Es sei aber davon auszugehen, dass das Internetprotokoll gerade hinsichtlich IoT wieder deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Durch Vorteile wie die Beseitigung der Adressknappheit oder die Möglichkeit, neue Sicherheitskonzepte umzusetzen, sei IPv6 geradezu für einen Einsatz im IoT-Umfeld prädestiniert.

  1. IoT als Big-Data-Hauptlieferant

Die in IoT-Anwendungen gewonnenen Daten werden künftig verstärkt zu einem Hauptlieferanten für Big Data. Problem dabei sei, dass IoT-Daten bisher nicht verifiziert werden, das heißt, fehlerhafte IoT-Rückmeldungen können zu falschen Big-Data-Ergebnissen führen. Zudem sei durch eine mangelhafte Absicherung von IoT-Umgebungen auch potenziellen Manipulationen Tür und Tor geöffnet.

  1. Neue Applikationen

Klar sei auch, dass im IoT-Umfeld immer mehr neue Geschäftsideen und Lösungen entstehen. Das mögliche Anwendungsspektrum werde sich signifikant erhöhen – dahingestellt sei aber, ob es auch immer einen Mehrwert mit sich bringe. Es sei davon auszugehen, dass sehr viele völlig überflüssige Applikationen auf den Markt drängen werden.

„Das IoT-Zeitalter steht noch völlig am Anfang. Viele Anwendungen, die heute noch kaum denkbar sind, werden schon bald den Unternehmensalltag bestimmen. Auch Privatanwender werden dabei zunehmend betroffen sein, wie das Thema Heimautomatisierung zeigt. Aus unserer Sicht kommt bei aller Euphorie aber ein wichtiges Thema zu kurz, die Sicherheit“, erklärt Henning von Kielpinski, Leiter Business Development bei Consol Software in München.

„Nur wenn Hersteller und Anwender mehr Augenmerk auf die Sicherheit legen, werden sich größere Sicherheitsvorfälle vermeiden lassen“, so von Kielpinski weiter. „Blockchain oder IPv6 könnten hier schon erste wichtige Komponenten sein. Aber generell besteht noch großer Handlungsbedarf bei der Sicherheit, und es gibt kaum einen Dienstleister, der das komplexe Thema umfassend abdecken kann.“ Aus diesem Grund biete Consol ein IT-Security-Mentoring an und unterstütze Unternehmen gemeinsam mit Partnern bei der Lösungskonzeption und -umsetzung.

 

 

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.