Ende September hat Cisco mit Intersight eine intelligente, Cloud-basierte Management-Plattform für seine UCS- und Hyperflex-Systeme angekündigt (LANline berichtete). Intersight soll den Administratorenalltag mittels Machine-Learning- (ML-), Analyse- und Automationsfunktionen vereinfachen. LANline sprach mit Uwe Müller, Head of Sales and Presales Datacenter Germany bei Cisco, über die Lösung.

Cisco positioniert Intersight als Management- und Automationsplattform für die hauseigenen UCS- und HyperFlex-Komplettsysteme. Als Cloud-basierte Lösung soll Intersight System-Management „as a Service“ liefern, dabei den Betrieb wie auch die agile Skalierung erleichtern und für hohe Sicherheit sorgen. Die Pointe: Cisco will per Machine Learning eine unternehmensübergreifende Auswertung der Betriebs- und Performance-Daten in der Cloud vornehmen. Damit soll die Lösung allen Kunden Best Practices des Managements der Cisco-Plattformen verfügbar machen. Dies soll unter anderem helfen, bereits gemachte Fehler nicht zu wiederholen, indem man das System-Management zumindest teilautomatisiert optimiert.

Der SaaS-Dienst sammelt dazu laut Cisco-Mann Uwe Müller unternehmensübergreifend anonymisierte Daten über den Geräteeinsatz. Die Analyse der Erfahrungswerte aus Kundenunternehmen zu Betrieb, Fehlern und Skalierung nutzt der Intersight-Service, um daraus weltweit verwertbare Handlungsvorschläge – sogenannte Proposals – zu generieren. Diese Vorschläge könnte eine IT-Organisation im Prinzip automatisch umsetzen lassen; wesentlich realistischer ist es laut Müller allerdings, dass die Proposals erst nach Freigabe durch den Systemverantwortlichen Anwendung finden. Damit, so Uwe Müller, liefere Cisco sozusagen „Meraki für Compute-Systeme“. Meraki ist Ciscos Cloud-basierte Lösung für das automatisierte Netzwerk- und Unified-Endpoint-Management.

Drei Ausbaustufen
Intersight soll es in den drei Versionen Essentials, Standard und Advanced geben. Von diesen dreien ist die Essentials-Version bereits allgemein verfügbar, innerhalb von zwölf Monaten sollen alle drei Versionen komplett sein. Die Basistechnik liefert neben der Verbindung mit der Cloud-Instanz und der Inventarisierung auch die zentralisierte Sammlung der Telemetriedaten, grundlegende Suchfunktionen sowie das Lizenz-Management. Die Lizenzierung der Lösung erfolgt laut Müllers Angaben pro Agent. Solche Agenten gibt es für UCS Manager, IMC, HX Connect und künftig auch für UCS Director. Essentials fügt zu dieser Basis Analyse-, Monitoring- und Operations-Funktionen hinzu. Mit der Ausbaustufe Standard sollen Orchestrierung und adaptive Assistenzfunktionen folgen. Advanced schließlich soll dann erweiterte Analytics- ebenso wie Optimierungsfunktionen liefern.

Als Einsatzbeispiel für die Vorteile von Intersight nannte Müller den Fall, dass in einem großen Unternehmen mehrere IT-Teams weltweit gleichzeitig mit einer Störung kämpfen und dabei parallel am gleichen Fehler arbeiten. Hier könnte Intersight nach Erfassung der ersten Störungsbehebung allen anderen Standorten den Vorschlag machen: „Ändern Sie bitte folgende Parameter…!“ Auf ähnliche Weise ließen sich damit auch Best Practices für die Skalierung von IT-Umgebungen erstellen, so Müller. Insgesamt versuche Cisco, Handarbeit durch intelligente Algorithmen zu verbessern.

Mittelfristig wird Cisco das Intersight-Angebote laut Müller in mehreren AWS-Zonen ausrollen. Außerdem soll es eine Appliance für den unternehmensinternen Betrieb geben. Denn aus der Erfahrung mit WebEx weiß der Anbieter, dass manche Kunden die eigene Appliance gegenüber dem Betrieb als Cloud-Service bevorzugen. Wie genau es dann funktionieren soll, dass diese Kunden vom übergreifenden Best-Practice-Wissen in der Cloud profitieren, dazu konnte Müller noch keine präzisen Angaben machen. Man darf wohl davon ausgehen, dass das Verfahren dem ähneln wird, das man von Cloud-basierter Threat Intelligence her kennt: Manche Unternehmen nutzen die Informationen aus der Cloud, spielen selbst aber keine Daten in die Cloud des Anbieters zurück.

In puncto Know-how-Gewinn versprach Ciscos Presseverlautbarung neben dem ML-Einsatz auch eine „enge Integration“ des Cisco-eigenen Technical Assistance Centers (TAC). Laut Müller ist vorgesehen, dass ein Unternehmen den Cisco-Spezialisten bei Problemfällen temporären Zugriff auf die eigene Umgebung gestattet.

AWS-basierter Dienst
Der Service läuft auf AWS, gehostet in den USA. Der Betrieb in einer deutschen oder zumindest europäischen AWS-Zone – wünschenswert aus Sicht hiesiger Datenschutzbeauftrager, auch wenn es sich „nur“ um IT-Betriebsdaten handelt – ist laut Müller vorerst noch nicht in Aussicht. Ein weiterer Wermutstropfen: Angesichts von Ciscos Historie dürfte es eher unwahrscheinlich sein, dass der Konzern die Intersight-Lösung auch auf Systeme anderer Hersteller ausdehnt. Sie ist allerdings laut Cisco per RESTful API für Tools von Drittanbietern nutzbar.

Dr. Wilhelm Greiner ist Stellv. Chefredakteur der LANline.