Die Flughafen Zürich AG setzt nach eigenen Angaben als Betreiber des größten Schweizer Flughafens auf moderne und smarte Technik sowie Management-Systeme, um dem hohen Anspruch an Qualität, Service- und Kundenorientierung gerecht zu werden. Dies gelte in besonderem Maße für die IT-Infrastruktur. Die VM.7-Softwarelösung von AT+C EDV soll für eine transparente und effiziente Verwaltung des gesamten Kabelnetzwerks auf dem Flughafen sorgen.

Das Schweizer Tor zur Welt: Mehr als 27 Millionen Fluggäste nutzen den Flughafen Zürich jedes Jahr. An manchen Tagen sind es über 100.000 Passagiere. 2016 erneut als führender Flughafen Europas mit dem World Travel Award ausgezeichnet, will der Airport kurze Umsteigwege, zuverlässige Prozesse, Sauberkeit und attraktive Dienstleistungs- und Einkaufsangebote bieten. Dafür sorgen rund 1.700 Mitarbeiter der Betreibergesellschaft Flughafen Zürich AG (FZAG) gemeinsam mit den am Flughafen ansässigen 280 Partnerfirmen.

Passagieren und Besuchern verborgen bleibt die Infrastruktur, die für reibungsloses Funktionieren und die Übertragung der riesigen Datenmengen nötig ist – Kabellandschaften, die sich unterirdisch durch das Areal ziehen, Schaltschränke und Netzwerknoten. Tom Gaffuri, leitender Projektingenieur bei der FZAG, weiß, wovon er spricht: Über 55.000 UKV-Dosen (universelle Kommunikationsverkabelung), über 1.300 Store Racks und rund 5.000 Kabel. Allein die 1.500 Lichtwellenleiterkabel ergeben eine Gesamtlänge von 410 km.

Ein solches Netzwerk zu managen, ist eine Herausforderung für sich. Während der Flughafen in den vergangenen Jahren weiter wuchs, stieß die bisherige Lösung mit mehreren einzelnen Systemen an ihre Kapazitätsgrenzen: Es fehlte vor allem ein Überblick über die Verteiler und Verbindungswege. Mangelnde Plausibilitätschecks führten zu Mehrfachbelegungen. Die bestehende SQL-Datenbank mit Access-Frontend ließ eine differenzierte Rechtevergabe, etwa nur für bestimmte Bereiche, nicht zu.

Ein besonderes Problem war jedoch die Verrechnung von Dienstleistungen an Partnerfirmen. „Unsere IT-Abteilung war von Anfang an fachlich und personell gut aufgestellt. Wurden wir früher nur in Einzelfällen um Unterstützung gefragt, so bieten wir seit dem Jahr 2003 ein großes Portfolio an standardisierten, gemanagten Provider-Diensten für andere am Flughafen ansässige Unternehmen an“, erklärt Markus Poguntke, Head ICT Customer Support Information & Communication Technology bei der FZAG. Die Abrechnung dieser Auftragsleistungen jedoch ließ sich nicht richtig abbilden. Es gab dafür eine zusätzliche Datenbank. Daten waren oft nicht aufeinander abgestimmt und mussten doppelt erfasst werden, was Zeit kostetet und Fehlerrisiken mit sich brachte.

Zum Netzwerk-Management sollte auch die Nachverfolgung der Patch-Verbindungen zählen.

Die Lösung war eine Visualisierung von Netzwerkschränken, kombiniert mit datenbankbasierenden Informationen. Deshalb suchte der Betreiber nach einer Gesamtlösung, die alle Anforderungen abdeckte: Eine Visualisierung aller Schränke und Anschlüsse sowie die Abbildung des gesamten Lifecycles der einzelnen Komponenten, einschließlich der Umzüge. Eine Routing-Lösung, also systemgenerierte Vorschläge, für den Aufbau neuer Verbindungen. Da die Verrechnung der Leistungen an andere Firmen über SAP erfolgte, benötigte das System zudem eine entsprechende Schnittstelle.

Diese Anforderung erwies sich als ausschlaggebend für die Auswahl des Systems von AT+C EDV. Die Betreiber stufen es als bestes Gesamtpaket ein, und mit der Verbindungs-Management-Lösung VM.7 verfügt es zudem über eine bidirektionale Schnittstelle zum SAP-System. Der AT+C-Verbindungs-Manager VM.7 ist eine Informations- und Planungssoftware für Netzwerke und das Kabel-Management. Alle zugehörigen IT-Komponenten und Schaltungen gelangen in die Dokumentation. Der Anspruch ist es „die geografische Ordnung eines Gebäudeplans mit der logischen Ordnung einer Datenbank zu verbinden“, wie Katja Herr, Projektleiterin bei AT+C, erläutert.

Lohnender Aufwand für Datenerfassung und -aufbereitung

Für die IT-Abteilung der FZAG war es zunächst mit einiger Arbeit verbunden, die nötigen Voraussetzungen zu schaffen. „Die Visualisierung war uns sehr wichtig. Doch um diese Funktion überhaupt nutzen zu können, mussten wir zunächst alle Verteilerstandorte einzeln fotografieren“, berichtet Poguntke.

Über 1.000 Fotos entstanden so, um die notwendigen Inforationen zu erheben und in die neue Software einpflegen zu können. Auch die Bereinigung der teils vor mehreren Jahren angelegten Daten erforderte Zeit und Sorgfalt. Das Team arbeitete mit Testmigrationen: Einige Daten wurden probeweise in die neue Datenbank migriert, anschließend geprüft und bereinigt oder angereichert. Dieses Vorgehen wandte das Team dann auf alle Daten an.

Die Software erlaubt einen Blick auf einzelne Verbindungen.

Der Aufwand habe sich jedoch in jeder Hinsicht gelohnt, so der Betreiber. Im Verbindungsmanager VM.7 sind inzwischen alle Dokumentationen der UKV und die Infrastruktur der Rechenzentren abgebildet. Die Datenqualität habe sich zudem erheblich verbessert. Die IT-Mitarbeiter schätzen die Visualisierung und haben nun auch den Überblick über die Kapazitäten. Poguntke gibt ein Beispiel: „Früher waren nur die belegten Verbindungen erfasst, jetzt sehen wir auf einen Blick, welche möglichen Verbindungen noch frei sind und in Zukunft genutzt werden können“. Das Routing-Modul erleichtere die Arbeit und verkürze die Zeit beim Verbindungsaufbau. Die Anbindung an SAP funktioniert problemlos. Der gesamte Abrechnungs-Workflow für die Providerdienstleistungen der IT-Abteilung konnte so digitalisiert werden, so der Techniker weiter.

Elektro und Klima folgen

Die Zusammenarbeit mit der AT+C charakterisiert Poguntke als unkompliziert, pragmatisch und kundenorientiert. Nachdem die Einführung gut lief, folgten bei der FZAG weitere Projekte: Als zusätzliches Feature übernahm der Betreiber zunächst die sogenannte Netzwerkspinne, die bei der Kapazitätsplanung hilft. Sie zeigt, welche Standorte wie verbunden werden können, eine logische Verbindung zwischen Geografien also, ähnlich einem Straßennetzwerk. Eine solche Übersicht musste früher ein technischer Zeichner als CAD-Plan erstellen. VM.7 generiert diese Karte nun automatisch.

Auch andere FZAG-Abteilungen interessierten sich für die Lösung: In einem aktuellen Projekt dient VM.7 als Anlagedatenbank für den Bereich Elektro-Klima, Lüftung-Transport. Von der Pumpe über die Rolltreppe bis hin zu Schaltschränken lassen sich damit alle Assets dokumentieren und verwalten. Der bessere Überblick erleichtert auch dabei den Anwendern die Arbeit.

Firmen-Info
Info: AT+C EDV
Tel.: 06171/916300
Web: www.atc-systeme.de

 

Nicola Hauptmann ist als freie Autorin in Schenefeld tätig.