Mit seinen NetBackup-Appliances bietet Veritas eine vorkonfigurierte „Backup to Disk“-Lösung an, die sich schnell in Betrieb nehmen lässt. Für eine effiziente Sicherung der Geschäftsdaten sorgt unter anderem die integrierte Deduplizierung.

Die seit vielen Jahren erhältliche Datensicherungslösung NetBackup von Veritas (vormals Symantec) eignet sich besonders für größere Umgebungen mit Unix-, Linux- und Windows-Servern. Für die Sicherung virtueller Server unterstützt NetBackup die vSphere-Plattform von VMware sowie die Hyper-V-Lösung von Microsoft. Die Veritas-Lösung kann zudem zahlreiche Spezialanwendungen wie SAP HANA, Teradata oder Informix sichern. Das Tochterprodukt Backup Exec dagegen ist auf die Sicherung von Windows-Umgebungen spezialisiert, kann aber auch Linux-Server sichern.

Veritas bietet die NetBackup-Lösung nun auch als vorkonfigurierte Backup-to-Disk-Appliances an, die sich schnell in Betrieb nehmen lassen. Der Support für die Systeme wird über Veritas koordiniert, wobei der globale Service-Partner NCR Hardwarestörungen bearbeitet. Für die Sicherung kleinerer Zweigstellen bietet Veritas die NetBackup-Lösung außerdem als virtuelle Appliance an.

Die NetBackup-Appliances sind in zwei Varianten erhältlich. Das Einstiegssystem NBU 5240 bietet in der kleinsten Version 4 TByte nutzbare Speicherkapazität. Es lässt sich mit bis zu vier NBU-Erweiterungs-Appliances auf eine Kapazität von derzeit 200 TByte ausbauen und unterstützt bis zu 190 parallele Backup-Streams. Für die Netzanbindung stehen bis zu acht LAN-Ports (1 GBit/s und 10 GBit/s) und bis zu zehn Fibre-Channel-Ports (8 GBit/s) zur Verfügung.

Das größere Modell NBU 5330 verfügt über eine höhere Performance, unterstützt bis zu 600 parallele Backup-Streams und stellt in der maximalen Ausbaustufe derzeit 687 TByte nutzbare Kapazität bereit. Die Einstiegsversion der NBU 5330 startet mit einer Speicherkapazität von 229 TByte.

Für den LANline-Test stellte Veritas eine NBU-5240-Appliance zur Verfügung, die mit 14 TByte nutzbarer Speicherkapazität ausgestattet war. Durch die integrierte Deduplizierung kann die Appliance deutlich mehr Nutzdaten sichern. Reduktionsraten von 1:8 bis 1:15 sind durchaus realistisch. Dies bedeutet, dass ein solches 14-TByte-System 100 bis 200 TByte Primärdaten sichern kann.

Bei Bedarf lassen sich die gesicherten Daten verschlüsselt ablegen. Auch die Übertragung der Daten kann in verschlüsselter Form erfolgen. Vor einem Datenverlust aufgrund von Festplattenausfällen schützt die RAID-6-Konfiguration des Datenbereichs. Beim Ausfall einer Platte springt automatisch ein Hotspare-Laufwerk ein und das System führt dann einen RAID-Rebuild durch.

Das Betriebssystem der NBU-Appliance läuft auf einem separaten RAID-1-Verbund aus zwei Platten. Veritas verwendet ein angepasstes Red Hat Linux, auf dem der Veritas Volume Manager und ein Journaling File System laufen, wodurch schnellere RAID-Rebuilds möglich sind.

Inbetriebnahme und Grundkonfiguration

Für den Test integrierten wir die NBU 5420 in ein Testnetzwerk, das aus zwei physischen Hyper-V-Servern mit WS 2016 und einem weiteren physischen WS-2016-Server bestand. Dieser verfügte über eine zusätzliche Fibre-Channel-Anbindung. Die Systeme waren über einen 1-GBit/s-LAN-Switch miteinander verbunden. Die FC-Connectivity (4 GBit/s) stellte ein Brocade-Silkworm-Switch bereit. Die Active-Directory- und DNS-Dienste liefen auf einem virtuellen WS-2016-Domain-Controller. Den System Center Virtual Machine Manager (SCVMM) für die Verwaltung der Hyper-V-Plattform installierten wir auf einer weiteren WS-2016-VM.

Die NBU-Appliance war mit vier 1-GBit/s- und vier 10-GBit/s-LAN-Ports sowie mit acht 8-GBit/s-FC-Ports ausgestattet. Die Stromversorgung erfolgte über zwei redundante Netzteile.

Um auf die Appliance zugreifen zu können, änderten wir zunächst auf einem Admin-Notebook die IP-Adresse auf das werkseitig eingestellte IP-Subnetz. Anschließend verbanden wir das Notebook direkt mit der NBU 5420 und meldeten uns per Putty an der Appliance an. Das System verfügt über ein textbasiertes Befehlsmenü, über das wir der Appliance eine IP-Adresse aus dem Testnetz zuwiesen.

Update des Appliance-OS

Beim ersten Login startet ein Assistent, der den Administrator durch die Grundkonfiguration leitet. Ein Blick auf die installierte Softwareversion zeigte, dass die Appliance noch den Stand 2.7.3 hatte, der für NetBackup 7.7.5 optimiert ist. Wir führten deshalb ein Update des Betriebssystems auf Version 3.0 durch, die für das aktuelle NetBackup 8.0 geeignet ist.

Für Hyper-V-Hosts mit WS 2016 unterstützt NetBackup ein effizientes inkrementelles Block-Level-Backup.

Nachdem wir das Betriebssystem aktualisiert hatten, starteten wir den Assistenten erneut und führten die Grundkonfiguration durch. Anschließend legten wir zunächst einen Host-Namen fest und trugen diesen im DNS und in der Hosts-Datei der Appliance ein. Dann richteten wir die Storage-Pools für die Backups ein. Jede NBU-Appliance wird in der Regel mit einem Advanced-Disk-Pool und einem Deduplication-Pool konfiguriert. Der Advanced-Pool allokiert den gesamten zugewiesenen Plattenbereich und kann dadurch ähnlich performant sichern wie eine Virtual Tape Library. Er eignet sich zum einen für Daten, die sich schlecht deduplizieren lassen wie zum Beispiel Archiv-Logs von Oracle-Datenbanken oder verschlüsselte Dateisysteme. In den Dedup-Pool werden alle Daten gesichert, die sich durch eine Deduplizierung verschlanken lassen. Für den LANline-Test legten wir einen 500 GByte großen Advanced-Pool und einen 5 TByte großen Dedup-Pool an.

Der Assistent bietet zudem an, die LAN- und SAN-Ports der Appliance zu konfigurieren. Die 10-GBit/s-Ports der Converged-Adapter lassen sich für Ethernet, iSCSI oder FCoE einrichten. Damit die Appliance Warn- und Fehlermeldungen automatisch per SNMP oder E-Mail verschicken kann, muss der Administrator die erforderlichen Verbindungsdaten eingeben. Die Systeme unterstützen auch eine Call-Home-Funktion, die Alarme direkt an das Veritas Support Center übermittelt.

Konfiguration von NetBackup 8.0

Die Verwaltung der Backup-Jobs und die Wiederherstellung von Dateien oder ganzen Rechnern erfolgt über die grafische Konsole der NetBackup-Anwendung. Wir installierten die NetBackup-8.0-Konsole auf einem Windows-10-Notebook, das Mitglied der Testdomäne war.

NetBackup ist eine sehr mächtige Backup-Software, die viele Betriebssystem-Plattformen unterstützt und zahlreiche Funktionen für die Konfiguration von Backups bietet. Über die Storage Lifecycle Policies definiert der Administrator die grundlegenden Regelwerke für Backup-Jobs. Hierzu zählen unter anderem die Aufbewahrungsfristen für tägliche, wöchentliche, monatliche oder jährliche Backups. Es ist zum Beispiel auch möglich, monatliche Backups automatisch zusätzlich auf einer Tape Library zu sichern.

Im Policy Configuration Wizard richtet der Administrator die Backups für die verschiedenen Client-Gruppen ein. Hier gibt man unter anderem das zu sichernde Betriebssystem an und definiert, ob ein volles oder ein inkrementelles Backup durchzuführen ist. Auch den Zeitplan legt der Administrator hier fest. Er kann zudem einstellen, dass während des Backups alle 15 Minuten ein Checkpoint erstellt wird. Falls ein Backup oder Restore abbricht, kann NetBackup den Vorgang ab dem letzten Checkpoint fortführen.

Die Storage Lifecycle Policies für Backup-Jobs werden in der NetBackup-Konsole konfiguriert.

Mit WS 2016 hat Microsoft eine „Resilient Change Tracking“-Technik (RCT) eingeführt, die NetBackup dazu in die Lage versetzt, während des Backups zu erkennen, welche Blöcke sich innerhalb einer VM geändert haben. Dadurch reduziert sich die Dauer des Backups deutlich, weil die Lösung nur noch die veränderten Blöcke sichern muss. Abhängig vom Client-Betriebssystem unterstützt NetBackup applikationskonsistente oder crashkonsistente Backups.

Die Funktion Automated Image Replication (AIR) repliziert die Backup-Daten an einen zweiten Standort mit eigenem Master-Server. Die Replikation lässt sich Active/Active konfigurieren, wodurch sich die beiden Master-Server gegenseitig absichern.

Um bei physischen Servern im Falle eines Hardwaredefekts einen Bare Metal Restore (BMR) auf eine neue Hardware durchführen zu können, muss der Administrator vorher in der NBU-Appliance die BMR-Funktion aktivieren. Bei vollständigen Backups sichert diese auch Informationen wie Partitionsgrößen und IP-Einstellungen mit. Mithilfe von BMR ist auch eine Physical-to-Virtual-Migration (P2V) möglich.

Backup und Restore

Für den Test der Backup- und Restore-Funktionen von NetBackup 8.0 installierten wir zunächst den Backup-Client auf den beiden Hyper-V-Hosts. Dann fügten wir in der NetBackup-Konsole die zwei Hyper-V-Server hinzu und konfigurierten für sie eine neue Storage Policy. Hier kann der Administrator die zu sichernden VMs manuell angeben oder die Option Hyper-V Intelligent Policy Query wählen, womit man die VMs automatisch hinzufügen kann. Es lässt sich auch vorgeben, dass eine VM angeschaltet sein muss, damit sie gesichert wird.

Wir wählten die zwei WS-2016-VMs manuell aus, die auf dem Hyper-V-Cluster liefen. Auf den VMs haben wir keine NetBackup-Agenten installiert. Dann richteten wir einen Backup-Zeitplan ein und führten direkt im Anschluss ein Backup durch. Das erste VM-Backup ist immer vollständig, die nachfolgenden sichern dann bei WS 2016 nur noch die geänderten Blöcke. Den Fortschritt des Backup-Jobs konnten wir in der NetBackup-Konsole im Activity Monitor beobachten. Beide VM-Backups wurden erfolgreich abgeschlossen.

Einzelne Dateien aus VM-Backup wiederherstellen

Im ersten Schritt wollten wir aus dem Backup einzelne Dateien wiederherstellen. Dies erfolgt über das Restore-Menü von NetBackup. Als Policy Type muss man Hyper-V wählen und die Option Normal Backups anklicken. Damit lässt sich das Dateisystem der VM durchsuchen und der Administrator kann die gewünschten Dateien herauskopieren. Auf diesem Weg sicherten wir mehrere Dateien und Verzeichnisse aus dem VM-Backup auf den Admin-Server zurück.

Anschließend testeten wir die Wiederherstellung einer kompletten VM. Der Administrator gibt dabei vor, ob NetBackup die VM auf demselben Hyper-V-Host und mit demselben Namen wiederherstellt wie die Original-VM. In diesem Fall wird die alte VM gelöscht und aus dem Backup heraus an ihren ursprünglichen Ort zurückgeschrieben. Im Test funktionierte dies reibungslos. Ebenfalls erfolgreich verlief die Rücksicherung einer Test-VM auf den zweiten Hyper-V-Server.

Um die Integration mit System Center Virtual Machine Manager (SCVMM) zu testen, installierten wir auf dem SCVMM-Server den NetBackup-Client und anschließend das NetBackup-Add-in. Daraufhin erschien in der SCVMM-Konsole eine zusätzliche NetBackup-Schaltfläche, über die sich eine kleine grafische Konsole für den Restore von VMs öffnen lässt. Wir stellten auf diesem Weg eine komplette VM erfolgreich wieder her. Den Fortschritt des Restore-Vorgangs zeigt die SCVMM-Konsole im Jobs-Menü an. Ein Single File Restore ist über das Add-in bisher nicht möglich.

Zum Abschluss konfigurierten wir einen Backup-Job für die Sicherung des physischen Servers mit der FC-Anbindung. Hierfür muss der Administrator zunächst in der Appliance-Konsole auf dem Media-Server den Fibre-Transport aktivieren. Anschließend benötigt die Appliance einen Reboot. Auf dem NetBackup-Client muss man ebenfalls der Fibre-Transport einschalten. Nachdem diese Vorarbeiten abgeschlossen waren, konnten wir den Server erfolgreich über das FC-SAN sichern. Auch die testweise durchgeführten Restores verliefen problemlos.

Fazit

Die NetBackup-Appliances stellen eine komplette Backup-Lösung bereit, die sich relativ schnell in Betrieb nehmen lässt, weil das System bereits komplett vorkonfiguriert ist. Die integrierte Deduplizierung reduziert die im Backup zu speichernden Datenmengen deutlich. Im Testbetrieb hinterließ die NetBackup-Appliance einen guten Eindruck. Alle von uns durchgeführten Backup- und Restore-Operationen und auch das Update des Appliance-OS funktionierten fehlerfrei.

Speziell für kleinere Unternehmen hat Veritas ein Hardware- und Software-Bundle geschnürt, bei dem die Einstiegskonfiguration der NBU 5240 Appliance mit 4 TByte Speicherkapazität bei etwa 20.000 Dollar liegt. Für virtuelle Umgebungen bietet Veritas zudem ein neues Lizenzmodell auf Socket-Basis an.

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