Im Mai hatte sich Dell Technologies in Las Vegas den 14.500 Teilnehmern seiner bislang größten Hauskonferenz als Partner für die digitale Transformation empfohlen (LANline berichtete ). Hauptthemen waren hier All-Flash Storage, Software-Defined Storage (SDS), offene Netze, hyperkonvergente Infrastrukturen, Hybrid Clouds und die Datensicherheit. Auf dem Dell EMC Forum – einer Roadshow mit fünf Stationen in Deutschland – brachte der Konzern den hiesigen Anwendern sein inzwischen sehr umfangreiches Portfolio nahe.

Auf dem Dell EMC Forum in München fanden sich laut Veranstalter rund 600 Besucher ein. Diesen bot man auf der eintägigen Veranstaltung neben Keynote und Intel-Gastvortrag 20 Breakout-Vorträge und eine Hausmesse mit 21 Ständen.

Doris Albiez, als General Manager für den Geschäftsbereich Commercial Sales Deutschland zuständig, betonte gegenüber der Presse die zunehmende Bedeutung der IT für alle Geschäftsprozesse und den Wandel, den dies für das Business von Dell EMC bedeutet: „Die Themen, die wir mit den Unternehmen diskutieren, sind nicht Produktlösungen, sondern Firmenlösungen.“ Hier rede man nicht mehr nur mit der IT, sondern immer öfter auch mit den Fachbereichen, denn die digitale Transformation erfordere abteilungsübergreifende Diskussionen.

Albiez’ Kollege Dinko Eror – als Managing Director Enterprise Sales der zweite Kopf der Dell-EMC’schen Doppelspitze in Deutschland – argumentierte, es gebe zwar zahlreiche IT-Anbieter, die sich auf Innovation konzentrieren, Dell EMC sei aber „die einzige Company, die die Verbindung zwischen alter und neuer Welt herstellt.“ Der Begriff „Cloud“ stehe nicht dafür, „wo man etwas macht, sondern wie man etwas macht“; nötig sei eine starke Infrastruktur, unabhängig davon, ob man die Workloads in der Public Cloud oder im lokalen Rechenzentrum verarbeitet. Den Anspruch, hierfür die Server-Basis zu liefern, konnte der Hersteller mit Zahlen untermauern: Laut IDCs vierteljährlicher Erhebung brach der Server-Markt in EMEA im ersten Quartal 2017 zwar um 12,7 Prozent ein, Dell EMC aber konnte seinen Quartalsumsatz um 4,9 Prozent steigern und damit seinen zweiten Platz hinter HPE festigen.

Mit der Fusion der beiden Konzerne zeigten sich Albiez und Eror sehr zufrieden, lediglich die Einrichtung der neuen Partnerregistrierung sei nicht optimal verlaufen. „Bei einer großen Integration passiert so etwas“, sagte Eror, aber auch damit sei man nun über den Berg.

Unter den zahlreichen Ankündigungen aus Las Vegas hob Dell EMCs deutscher Enterprise-Chef die neuen Pay-per-Use-Lizenzierungmodelle (DFS Flex on Demand, DFS Cloud Flex for HCI, PC as a Service) hervor, die das Verbrauchsmodell der Public Cloud ins Unternehmens-RZ bringen sollen. Albiez ergänzte, die Datenbanklizenzierung sei nicht nur „Pay per Use“, sondern auch „Pay When You Use“ (also zeitabhängig), das sei „ziemlich einzigartig“.

Ein neuer Venture-Capital-Geschäftsbereich soll laut Dinko Eror Startups aus dem Umfeld des Konzerns mit Risikokapital versorgen. Zudem achte man nun mehr auf die Umwelt und stelle die Verpackungen der Geräte aus aus recyceltem Plastik her. Auf Produktseite rückte er die aktuelle 14. Server-Generation in den Fokus, ebenso das Hybrid-Cloud-Management mit VMware und Virtustream (das nahtlose Verschieben von Apps zwischen Public und Private Clouds soll in den nächsten Monaten kommen) sowie die All-Flash-Speichergeräte und die neuen Hyperconverged-Infrastructure- und Object-Storage-Lösungen.

Vier Spielarten der Transformation
Die Keynote übernahm Matthias Zastrow, Country Manager des Geschäftsbereichs Virtustream. Dies ist Dell EMCs Hybrid-Cloud-Management-Lösung, die selbst den Betrieb geschäftskritischer Applikationen in der Cloud ermöglichen soll. Zastrow gab einen kurzen Überblick über die vier Bereiche, denen sich Dell EMC widmet: digitale Transformation, IT-Transformation, Security-Transformation und Workforce-Transformation. Zu letzterem Thema führte er sieben recht breit gefächerte (und mal mehr, mal weniger nachvollziehbare) Trends auf: 1. voll in IT eingebettete Schaffensprozesse, was nun Mainstream werde, 2. Virtual Reality/Augmented Reality, 3. die Absicherung der Haustechnik (Stichwort „IoT-Sicherheit“), 4. das höhere Tempo technischer Innovation, 5. den „Chief IoT Officer“, 6. Vorbeugung (statt Reaktion auf Angriffe und Störungen) sowie intelligente Maschinen im Zusammenspiel mit Machine Learning. Zum Thema „Chief IoT Officer“ merkte aber Zatrow gleich selber an: „Man trifft eher den Chief Digital Officer.“

Obwohl die digitale Transformation alle Branchen betreffe, so Zastrow, habe laut Umfragen fast die Hälfte der Unternehmen Schwierigkeiten zu definieren, wo für sie die Transformationsreise überhaupt hingeht. Auch die IT-Organisation im Unternehmen müsse sich grundlegend verändern und dazu die Applikation statt der Infrastruktur in den Mittelpunkt rücken. Dell EMC propagiert hier die agile Softwareentwicklung mittels der hauseigenen, als Open Source verfügbar gemachten Plattform Pivotal Cloud Foundry auf der Basis einer „Enterprise Hybrid Cloud“. Die hausinterne IT sei hierbei nicht weniger gefragt als früher, sondern mehr.

Mit der digitalen Transformation, so Matthias Zastrow von Dell EMCs Geschäftsbereich Virtustream, verschiebt sich auch die IT-Service-Beschaffung weg von der IT und hin zu den Fachabteilungen. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Auch die IT-Sicherheit, mahnte Zastrow, habe ihre Transformation noch vor sich, was Ransomware-Angriffe wie Wannacry – oder dieser Tage der Petya-Nachfolger – zeigten. Die Hardware müsse, wie bei Intels Chipsätzen, bereits Security-Funktionalität beinhalten, das Netzwerk mittels VMware NSX segmentiert sein. Dell Technologies eigne sich – nicht zuletzt dank der Security-Tochter RSA – als vertrauenswürdiger Berater (Trusted Advisor) für die Security-Transformation.

Signaturlose Abwehr von Schadcode
In einem Breakout-Vortrag warnten Security-Fachleute des Anbieters, Deutschland befinde sich nach den USA auf Platz zwei der Ziele von Ransomware. Prozentual seien auch die meisten schädlichen E-Mails an deutsche Empfänger gerichtet (14 Prozent aller Schadcode-bestückten E-Mails weltweit). Herkömmliche Antivirenlösungen seien hier überfordert.

Dell setze deshalb auf „Next-Generation Antivirus“, also auf eine signaturlose Bewertung der Dateien ohne laufende Updates, damit ohne keine Abhängigkeit vom Internet oder einer Cloud sowie für den Benutzer unsichtbar im Hintergrund laufend. Hier nutze man KI (künstliche Intelligenz) auf der Basis eines mathematischen Modells mit zwölf Millionen Indikatoren. Diese Technik erreiche eine Erkennungsquote von 99 Prozent bei einer Erkennungszeit von 0,06 Sekunden. Die Bewertung erfolge, bevor Schadcode zur Ausführung kommen könnte, erzeuge aber nur ein bis zwei Prozent CPU-Last. White- oder Blacklisting sei damit ebenso überflüssig wie Signaturen und Heuristiken, die aufwendig zu pflegen sind.

Dem restlichen Prozent der Malware, die der AV-Lösung durchrutscht, rückt Dell mit den RSA-Tools zu Leibe. RSA zielt darauf ab, Erkennungs- sowie Ein- und Ausgrenzungsmechanismen mit einer Bewertung des Geschäftsrisikos zu kombinieren, ein Verfahren, das RSA „Business-Driven Security“ nennt (LANline berichtete). Auf die Analyse der Vorkommnisse im Netzwerk folgten dabei eine Priorisierung im Business-Kontext und anschließend Orchestrierung wie auch Incident Response.

RSAs Netwitness Suite sammle hierfür die Logs von 300 Event-Quellen und analysiere zudem den Netzwerkverkehr anhand von zirka 120 Metadaten-Attributen. Zugleich sammelten RSAs Agents Metadaten direkt auf den Endpunkten. Die hauseigene Cyber Analytics Platform könne damit Angriffe erkennen und ziehe dazu die Geschäftsdaten heran, die in der hauseigenen Risiko-Management-Suite Archer hinterlegt sind. Dies erlaube eine anhand der Geschäftsrisiken priorisierte Incident Response.

Open Networking
Alexander Thiele, Director Networking Germany bei Dell EMC, stellte diverse Neuerungen aus dem Switching-Bereich vor, hatte man doch schon seit letztem Jahr das Engagement für offene Netze betont (LANline berichtete). Dell EMCs „Open Networking“-Ansatz sieht die Kombination von Standard-Switching-Hardware (Broadcom- statt Custom-ASICs) mit Open-Source-basiertem Betriebssystem und passenden Tools vor. Das Dell EMC OS10 soll noch dieses Jahr auf den Markt kommen. Es ist eine Linux-Variante, die in der Basisversion gratis erhältlich sein soll (es werde aber auch eine Enterprise-Version geben). Dank vertrauter CLI sei der Wechsel von Cisco oder HPE für den Administrator lediglich ein kleiner Schritt, so Thiele.

Das Ökosystem für das offene Switch-OS umfasse neben VMware und Microsoft auch Cloud-Spezialisten wie Cumulus Networks, Pluribus oder Big Switch (die einen Chassis-Switch in Software abbilden). Für das Zusammenspiel mit MPLS-Netzwerken setze man auf IP Infusion.

Bei den Switches setzt Dell EMC auf Open Networking mit dem Open-Source-basierten Dell EMC OS 10 und Tools mehrerer Partner. Bild: Dell EMC

Anwendern rät Thiele, mit dem herkömmlichen OS 9 zu starten und dann per Boot-Loader nach Wunsch auf die Open-Source-basierte Version 10 zu wechseln. Für die offenen Netzwerke sehe man Nachfrage aus dem akademischen Bereich, so Thiele, Interesse bestehe zudem seitens der Hosting-Provider. Auch in der Finanzindustrie gebe es Nachfrage, teils getrieben durch die Netzwerk-Monitoring-Funktionalität von Big Switch. An Produkt-News gibt es laut Alexander Thiele Top-of-Rack-Switches für das Open Networking mit 25GbE, 10GbE-ToR-Switches mit 100GbE-Fabric-Uplinks sowie 1/10GbE-Geräte der N-Serie für die WLAN-Access-Point-Anbindung. Geplant sei zudem ein eigener Fibre-Channel-Switch für die LAN/SAN-Konvergenz.

Weitere Informationen finden sich unter www.emc.com.

Dr. Wilhelm Greiner ist Stellv. Chefredakteur der LANline.