Beim Ausbau der Videoüberwachung kommen Unternehmen und öffentliche Einrichtungen schnell an ihre Grenzen. Die Umsetzung dieses Vorhabens bringt viele Herausforderungen für die IT mit sich. Vor allem das Thema Datenspeicherung stellt eine große Aufgabe dar, die es zu bewältigen gilt.

Insbesondere bei Videomaterial haben es Unternehmen plötzlich mit riesigen Datenvolumina zu tun – durch viele Kameras, höhere Auflösungen und lange Vorhaltungszeiten. Gleichzeitig sollen sie eine Speicherlösung parat haben, die mithilfe von Videoanalyse-Tools mehr Erkenntnisse und einen größeren ROI aus ihren Videoüberwachungsdaten ermöglichen soll und ein ausgewogenes Verhältnis aus Performance, Kapazität und Vorhaltungsvermögen bietet. Hinzu kommen Budgetzwänge, die man mit den Geschäftszielen in Einklang bringen muss, ohne auf Redundanz, Verfügbarkeit und Skalierbarkeit zu verzichten.

So haben zum Beispiel die Verkehrsbetriebe von Berlin einen großen Plan: Rund 500 S-Bahn-Züge will man demnächst mit hochmodernen 360-Grad-Kameras ausstatten. Bisher kamen in der S-Bahn keine Kameras zum Einsatz, lediglich die Bahnsteige wurden gefilmt und die Aufzeichnungen für die Bundespolizei 48 Stunden gespeichert. Geht es nach Innensenator Frank Henkel, wird die vorgeschriebene Vorhaltungsfrist für Videoaufnahmen im öffentlichen Nahverkehr verlängert. Hierfür muss der Gesetzgeber aber zunächst das Datenschutzgesetz ändern.

Die Kombination aus längeren Vorhaltungsfristen und mehr Videomaterial stellt nicht nur die S-Bahn Berlin vor neue Herausforderungen. Immer mehr private Unternehmen und öffentliche Einrichtungen implementieren Videoüberwachungssysteme. Ziel ist es, die Sicherheit zu erhöhen, in Produktionsstätten und in der Logistik Abläufe und Prozesse zu optimieren oder nach einer Analyse der Videoaufnahmen Waren im Einzelhandel besser zu platzieren. Oft droht ein böses Erwachen. Denn viele Unternehmen setzen bei der Speicherung des Videomaterials auf die Cloud und deren Vorteile bezüglich Skalierbarkeit und Nutzung über mehrere Standorte hinweg. Doch dieser Ansatz kann schnell sehr viel teurer werden als ursprünglich veranschlagt und die IT in die Bredouille führen.

Benötigte Speicherkapazitäten bei 1.000 Kameras und einer Vorhaltungszeit von 30 Tagen. Bild: Quantum

Mit der Implementierung von Videoüberwachungslösungen sehen sich IT-Fachleute mit der Aufgabe konfrontiert, kluge Antworten auf folgende Fragen zu finden: Wie geht eine IT-Organisation mit den Daten aus der Videoüberwachung um? Wie lange und auf welche Art und Weise kann sie diese Daten effizient speichern? Wie oft müssen Anwender auf die Daten zugreifen? Und was ist die richtige Lösung dafür? Eignet sich die Cloud für die Sicherung der Videoüberwachungsdaten?

Die Situation verschärft sich dadurch, dass sich die Videoüberwachungsbranche ständig weiterentwickelt. Die Anzahl der eingesetzten Kameras steigt, hochauflösende digitale Kameras ersetzen längst die analoge Version. Niemals zuvor wurden so viele Videodaten generiert wie heute. Die Branchenanalysten von IHS prognostizieren, dass bereits im Jahr 2020 täglich 859 PByte an Videomaterial zu sichern sind – eine immense Herausforderung für die IT. Dies verdeutlicht das folgende Beispiel: Eine 1080p-Kamera erzeugt im Durchschnitt täglich 10 GByte an Videodaten. Hat ein Unternehmen 50 solcher Kameras installiert und hält es die Daten ein Jahr lang vor, benötigt es 183 TByte an Speicherkapazität. Bei einer 4K-Auflösung schießt der Speicherbedarf für denselben Zeitraum hoch auf 730 TByte.

Will man eine ganze Stadt mit Videokameras ausstatten, kann die Umgebung schnell mehrere Tausend Kameras umfassen. Entsprechend schnellen damit die benötigten Speicherkapazitäten in die Höhe. Des Weiteren nimmt der Einsatz von Körperkameras in der Strafverfolgung hierzulande zu – so etwa bei der Polizei in Düsseldorf, Duisburg, Köln und Wuppertal. Weitere Tests laufen in anderen Bundesländern. Auch wenn die Datenvorhaltungszeiten hierzulande per Gesetz bei Weitem nicht so lang sind wie in den USA: Der langsam, aber sicher zunehmende Einsatz von Körperkameras in der Strafverfolgung führt dazu, dass ein großes Datenvolumen zu sichern und zu verwalten ist. Angenommen, ein Polizist trüge eine Körperkamera für vier Stunden über ein Jahr mit sich herum, wäre dies bereits ein Datenvolumen von einem TByte – bei 1.000 Polizisten wären es mehr als ein PByte an Videodaten. Dieses Wachstum der Datenbestände bringt traditionelle Speicherinfrastrukturen schnell an ihre Grenzen.

Zudem ist es nicht mit der Anschaffung einer oder mehrerer Speicherlösungen getan: Einen entscheidenden Faktor für den ROI bei der Videoüberwachung spielen Analyse-Tools. Für die Analyse müssen die Videodaten unabhängig vom Alter einfach abrufbar sein. Videomaterial, das für Business Intelligence Analytics verwendet wird und neue Einblicke in operative Logistik und Marketing bietet, kann Effizienzvorteile und Kosteneinsparungen bewirken. Wie also kann ein Unternehmen diese Daten langfristig und kostengünstig vorhalten und einen einfachen Zugriff gewährleisten?

Die Cloud erscheint vielen als die Lösung schlechthin für die Sicherung großer Datenvolumina: Sie ist kostengünstig, skalierbar und einfach zu konfigurieren. Angetrieben durch den Wettbewerbskampf variieren die Preise für Cloud-Lösungen je nach Anbieter und Vertragsdauer. Meist bieten die Provider Services zu niedrigen Raten an, die sich an einem Preis-pro-GByte-Modell orientieren. Dennoch müssen Unternehmen und Organisationen weitere Faktoren berücksichtigen. Üblicherweise beinhalten die Cloud-Preismodelle separate Gebühren für Aktivitäten wie das Verschieben von Daten, Dateizugriff/-abruf, das Löschen von Daten und Support. Die Verträge können sehr kompliziert sein und es besteht die Gefahr, dass sich die Kosten schnell akkumulieren – auch deshalb, weil Unternehmen unterschätzen, wie oft Anwender auf Videomaterial zugreifen und wie häufig es verschoben wird.

Bei der Polizei von Baltimore stiegen die Kosten für die Cloud-Speicherung der On-Body-Kameradaten dramatisch an. Bild: Quantum

Die Stadt Baltimore in den USA beispielsweise analysierte bei der geplanten Einführung von Körperkameras für die Polizei vorab die Kosten für Cloud Storage. Die Berechnungen ergaben durchschnittliche Kosten von 1,3 Millionen Dollar pro Jahr. Allerdings wuchsen während der Vertragslaufzeit mit dem Cloud-Anbieter die tatsächlichen Kosten in nur fünf Jahren auf 15 Millionen Dollar an.

Unternehmen müssen daher unbedingt verifizieren, wie Cloud-Lösungen in die ganzheitliche Storage-Strategie passen. Natürlich ergeben sich durch die Skalierbarkeit und die Nutzung über mehrere Standorte hinweg erhebliche Vorteile, beispielsweise bei der Replikation für Disaster Recovery oder die Langzeitarchivierung. Allerdings gilt dies nicht für jede Art der Anwendung. Unternehmen sollten ihre Entscheidung für die Integration von Cloud Storage abhängig machen von der Art der Datennutzung und den Storage-Anforderungen, die sich durch die Anwendungen ergeben. Anschließend heißt es: Augen auf bei der langfristigen Preisgestaltung!

Mehrstufige Speichermodelle

Kostengünstiges Daten-Management bedeutet, die richtige Balance zwischen Performance, Zugriffsmöglichkeiten und Kosten zu finden. Das ist nicht einfach, doch sollten sich Unternehmen generell nie auf nur ein einziges Speichermedium verlassen. Ein „Cloud only“-Ansatz bei Videoüberwachungsumgebungen kann die Kosten schnell in die Höhe treiben. Zudem besteht die Gefahr, dass die Cloud die Anforderungen bezüglich Zugriff und Performance nicht erfüllt.

Ein Tiered-Storage-System weist mithilfe einer intelligenten Software die Videodaten automatisch und richtlinienbasiert der Speicherebene zu, die sich zum jeweiligen Zeitpunkt am besten eignet – sei es hochperformanter Disk-Storage, Object Storage, hochkapazitärer Primärspeicher, Tape oder die Cloud. So können Unternehmen die Vorteile bezüglich Skalierbarkeit nutzen, die sich durch Cloud-Lösungen ergeben, ohne dass die Kostenvorteile der anderen Speichermedien leiden. Die IT kann jedes Medium mithilfe benutzerdefinierter Richtlinien als einzelne Speicherebene verwalten, einschließlich Cloud-Storage von Drittanbietern. Unternehmen haben so mehr Kontrolle darüber, wo sie ihre Daten sichern.

In Videoüberwachungsumgebungen können Unternehmen durch eine Tiered-Storage-Architektur ihre Kosten von 55 bis 60 Prozent auf 27 bis 33 Prozent senken. Das frei gewordene Budget können sie wiederum in neue Tools, weitere Kameras oder Lizenzen investieren. Und vor allem behalten sie so den Überblick über ihre Speicherkosten.

Gabriel Chaher ist Vice President Global Market Development bei Quantum ().