Das N8880U-10G von Thecus ist ein NAS-Rack-System, das über die gängigen File-Services hinaus zusätzliche Dienste bereitstellt und sich auch als iSCSI-Target nutzen lässt. Es ist mit einer 10GBase-T-Netzwerkkarte ausgestattet und erreicht dadurch sehr hohe Durchsatzraten.

Der taiwanische Hersteller Thecus hat sich mittlerweile einen festen Platz im NAS-Markt für Privatanwender sowie für kleinere und mittelgroße Unternehmen erarbeitet. Zum LANline-Test trat das neue NAS-Rack-System N8880U-10G an, das zwei Höheneinheiten misst. Es lässt sich mit bis zu acht SATA-Laufwerken im 3,5- oder 2,5-Zoll-Format bestücken und verfügt über eine 10GBase-T-Netzwerkkarte für die 10-GBit/s-Anbindung per Kupferkabel.

Das System unterstützt die File-Service-Protokolle Samba für Windows, NFS für Linux/Unix, AFP für Apple sowie FTP, TFTP und Webdav. Es kann auch als Itunes-Server, Drucker-Server, VPN-Server sowie für DynDNS konfiguriert werden. Zudem lässt sich das Speichersystem als iSCSI-Target einsetzen, das zum Beispiel für VMware-ESX- oder Microsoft-Hyper-V-Server den Speicherplatz für virtuelle Server oder Desktops bereitstellen kann.

Das NAS-System N8880U-10G von Thecus nimmt bis zu acht Laufwerke auf und verfügt über eine 10GBase-T-Netzanbindung.

Das NAS-System N8880U-10G von Thecus nimmt bis zu acht Laufwerke auf und verfügt über eine 10GBase-T-Netzanbindung.

Für den LANline-Test stellte Seagate acht SATA-Festplatten vom Typ „Enterprise NAS HDD“ mit je 8 TByte Speicherkapazität zur Verfügung. Zudem kam eine Samsung-SSD der Evo-Modellreihe zum Einsatz, um die maximalen Übertragungsraten auszuloten. Als NAS-Betriebssystem war auf dem Testsystem das neue Linux-basierende „Thecus OS 7.0“ installiert. Der Hersteller liefert das System grundsätzlich ohne Laufwerke aus. Eine Liste mit den unterstützten Disk-Modellen findet sich auf der Thecus-Website.

Einfache Inbetriebnahme

Das Thecus-NAS lässt sich auf verschiedenen Wegen in das Unternehmensnetzwerk integrieren. So sind die Grundeinstellungen über das in die Frontseite integrierte kleine LED-Display durchführbar. Thecus liefert zudem einen Setup-Wizard mit. Dies Tool wird auf einem Windows- oder Mac-Rechner installiert und erkennt automatisch die im Netz vorhandenen Thecus-Geräte. Mit dem Wizard lässt sich anschließend die gewünschte IP-Konfiguration vornehmen. Der Administrator kann auch bei seinem Arbeitsrechner die IP-Adresse auf das Default-Netz des Thecus-Systems ändern und sich dann per Web-Browser direkt an der Management-Oberfläche des NAS-Geräts anmelden. Wir verwendeten den Setup-Wizard, um dem Thecus-Speichergerät eine statische IP-Adresse aus dem LANline-Testnetz zuzuweisen.

Anschließend meldeten wir uns an der Management-Oberfläche an, um die weiteren Konfigurationen durchzuführen. Für den Test legten wir ein RAID-5-Array mit sechs Festplatten und zusätzlicher Hot-Spare-Disk an. Thecus unterstützt auch Global-Hot-Spare-Laufwerke, die mehrere RAID-Arrays nutzten können. Pro System sind bis zu fünf RAID-Arrays möglich. Bei der Bereitstellung von iSCSI-LUNs kann der Administrator wählen, ob der Speicherplatz komplett zugewiesen wird, oder ob ein Thin Provisioning stattfindet, das nur den tatsächlich benötigten Speicherplatz belegt.

In den achten Slot bauten wir eine SSD ein, die als JBOD konfiguriert wurde. Die Management-Oberfläche des Thecus-NAS ist übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen. Alle Funktionen sind über ein „Control Panel“ erreichbar, das der Systemsteuerung von Windows ähnelt.

RAID-Optionen

Thecus OS 7.0 unterstützt die RAID-Level 0, 1, 5, 6, 10, 50 und 60 sowie JBOD-Konfigurationen. Als Dateisystem für die RAID-Sets stehen EXT3 mit maximal 8 TByte Speicherkapazität, EXT4 mit bis zu 36 TByte und XFS mit bis zu 48 TByte Speicherplatz pro RAID-Verbund zur Wahl. Die Stripe Size lässt sich zwischen 32 und 4.096 KByte einstellen. Für den Test verwendeten wir EXT4 und die Standardeinstellung von 64 KByte. Die RAID-Arrays lassen sich im laufenden Betrieb erweitern, auch eine Migration auf ein anderes RAID-Level ist möglich. In einer Konfiguration mit mehreren RAID-Arrays ist ein RAID-Laufwerk als Master-RAID festzulegen, das alle zusätzlich installierten Module speichert. Falls das Master-RAID-Laufwerk nachträglich geändert wird, muss der Anwender alle Module neu installieren.

Thecus unterstützt auch eine RAID-Laufwerksverschlüsselung, um Daten vor ungewünschten Zugriffen zu schützen. Das Disk-Power-Management schaltet Festplatten in der Werkseinstellung bei Leerlauf nach 30 Minuten aus. Für die Tests deaktivierten wir diese Spin-Down-Funktion. Das NAS-Array verfügt über einen Scheduler, mit dem sich das System zu den gewünschten Zeiten automatisch herunterfahren lässt. Das Hochfahren ist über Wake on LAN per Remote-Zugriff möglich.

Die Browser-basierende Management-Oberfläche ist übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen.

Die Browser-basierende Management-Oberfläche ist übersichtlich gestaltet und einfach zu bedienen.

Für den LANline-Test konfigurierten wir die zwei 1-GBit/s-Onboard-Adapter als Failover-Team, über das der Zugriff auf die Windows-File-Services erfolgte. Thecus unterstützt auch die gängigen Linux-basierenden Load-Balancing-Verfahren. Die 10GBase-T-NIC erhielt eine IP-Adresse aus dem iSCSI-Storage-Netz, über das wir iSCSI-LUNs für die zwei Hyper-V-Hosts des LANline-Testnetzes bereitstellten. Die Hosts waren mit 10GBase-T-NICs vom Typ Intel X540-T1 bestückt. Als Switch kam ein Netgear XS716T zum Einsatz, der über 16 10GBase-T-Ports verfügt.

Die 10-GBit/s-Option des Thecus-NAS ist bislang nur mit einer einzigen Netzwerkkarte erhältlich. Wenn eine sehr hohe Verfügbarkeit gefordert ist, lassen sich zwei N8880U-10G-Arrays zu einem Failover-Verbund zusammenschalten. Die Daten werden mithilfe einer Heartbeat-Software kontinuierlich zwischen den beiden Systemen synchronisiert. Fällt auf einem Speichersystem ein Dienst aus, übernimmt automatisch das andere diese Aufgaben. Das Failback funktioniert laut Thecus ebenfalls automatisch.

Integration mit Active Directory

Um die Zugriffsrechte auf die vom NAS bereitgestellten Speicherressourcen zu verwalten, verfügt das System zum einen über eine lokale Benutzerverwaltung. Dort kann der Administrator neue Benutzer anlegen und ihnen die gewünschten Berechtigungen zuweisen. Die Funktion „User Quota“ lässt sich pro RAID-Array aktivieren. Der Administrator legt dann für jeden Benutzer fest, wie viel Speicherplatz er maximal belegen darf. Die Benutzer- und Rechteverwaltung lässt sich auch mit dem Active Directory (AD) von Microsoft sowie mit anderen LDAP-Verzeichnisdiensten integrieren.

Für den LANline-Test konfigurierten wir die zwei 1-GBit/s-Ports des NAS-Systems als redundantes NIC-Team.

Für den LANline-Test konfigurierten wir die zwei 1-GBit/s-Ports des NAS-Systems als redundantes NIC-Team.

Für den LANline-Test legten wir zunächst zwei lokale Testbenutzer an. Dann richteten wir auf dem RAID-5-Array und auf der JBOD-SSD je ein Windows-Share ein und wiesen den Testbenutzern Lese- und Schreibrechte zu. Im nächsten Schritt integrierten wir das Thecus-System in unsere Windows-Testdomäne. Der Domain Join schlug zunächst fehl, weil wir übersehen hatten, dass der DNS-Server der Windows-Domäne in der DNS-Konfiguration des Thecus-Arrays an erster Stelle eingetragen sein muss. Nachdem wir dies korrigiert hatten, ließ sich das Speichersystem zur Testdomäne hinzufügen. Damit konnten wir AD-Benutzern und -Gruppen die Zugriffsberechtigungen für die vom Thecus-Array bereitgestellten Windows-Shares direkt zuweisen.

Test der NAS- und iSCSI-Performance

Um die Geschwindigkeit der NAS-Anbindung zu testen, kopierten wir zunächst 20 GByte Daten einer virtuellen Maschine von der lokalen PCIe-SSD eines Hyper-V-Hosts über das Gigabit-Netzwerk auf das RAID-5-Share. Die Übertragungsrate lag bei etwa 950 MBit/s. In der Gegenrichtung, vom NAS-RAID-5-Share auf die SSD des Hyper-V-Hosts, ließen sich um die 990 MBit/s erzielen. Wir führten die gleichen Tests mit dem SSD-Share des Thecus-Speichersystems durch und erzielten ziemlich genau dieselben Übertragungswerte. Dies bedeutet, dass auch das RAID-5-Share bei Datentransfers die Bandbreite von 1 GBit/s voll ausnutzen kann.

Um diese Tests anschließend über das 10-GBit/s-Storage-Netzwerk durchzuführen, mussten wir zunächst das Thecus-NAS als iSCSI-Target konfigurieren. Dafür gibt es einen Assistenten, in dem der Administrator einen RAID-Verbund auswählt und entscheidet, ob die iSCSI-LUNs per Thin Provisioning bereitgestellt oder sofort vollständig allokiert werden sollen. Anschließend lassen sich im Wizard iSCSI-LUNs erstellen. Wir legten für das RAID-5-Array und für das SSD-JBOD-Laufwerk jeweils eine 100 GByte große iSCSI-LUN im Thin-Provisioning-Format an. Das N8880U-10G unterstützt maximal 50 iSCSI-Laufwerke.

Das Thecus-System reicht iSCSI-LUNs ohne Host Mapping nach außen durch. Dies birgt die Gefahr, dass ein Administrator dieselbe LUN versehentlich an zwei verschiedene Hosts mappt und dadurch Daten korrumpiert werden können. Auf unsere Rückfrage zum fehlenden Host Mapping antwortete der Support, dass Thecus für die Bereitstellung von iSCSI-LUNs dringend empfiehlt, CHAP (Challenge-Handshake Authentication Protocol) zu verwenden. Dies stellt sicher, dass sich nur iSCSI-Initiator-Hosts mit dem iSCSI-Target und den iSCSI-LUNs verbinden können, die den CHAP-Benutzernamen und das CHAP-Passwort kennen.

Abschließend führten wir die gleichen Performance-Messungen durch, wie zuvor über die 1-GBit/s-Anbindung. Der Kopiervorgang von der lokalen SSD des Hyper-V-Hosts auf die RAID-5-iSCSI-LUN des NAS-Systems erreichte im 10-GBit/s-Netz Übertragungsraten von 5,2 bis 5,4 GBit/s. In der Gegenrichtung erzielte das NAS-System sogar 5,6 bis 7,0 GBit/s. Für einen RAID-5-Verbund aus sechs Enterprise-SATA-Festplatten sind dies sehr gute Übertragungswerte.

Durch die Integration mit Microsoft Active Directory und LDAP lassen sich für die Benutzer- und Rechteverwaltung zentrale Verzeichnisdienste nutzen.

Durch die Integration mit Microsoft Active Directory und LDAP lassen sich für die Benutzer- und Rechteverwaltung zentrale Verzeichnisdienste nutzen.

Von der Hyper-V-SDD zur SSD-iSCSI-LUN erzielten wir Geschwindigkeiten von 5,7 bis 6,5 GBit/s, in der Gegenrichtung 6,4 bis 7,1 GBit/s. Die SSD-Werte des Kopiervorgangs lagen damit nur wenig höher als die mit RAID-5 erzielten Transferraten. Für Unternehmen, die das NAS nicht für transaktionsintensive Anwendungen einsetzen, sollte die RAID-5-Performance ausreichend sein. SSDs können ihre Stärken dagegen vor allem bei I/O-intensiven Applikationen ausspielen.

Weitere nützliche Funktionen

Um die RAID-Funktion zu testen, entfernten wir eine Festplatte aus dem Array, nachdem wir kurz zuvor einen größeren Kopierjob gestartet hatten. Der Kopiervorgang lief ohne merkliche Unterbrechung weiter. Das NAS-System fügte das Hot-Spare-Laufwerk automatisch zum RAID-5-Verbund hinzu und startete das Rebuild.

Mit „NAS-Stacking“ lassen sich die Speicherkapazitäten von bis zu fünf Systemen für die Bereitstellung von Netzwerkfreigaben zusammenschalten. Über die „ISO-Mount“-Funktion kann der Administrator unter anderem Installationsmedien zentral bereitstellen. Die Sicherung der auf dem NAS-System gespeicherten Daten ist auf mehreren Wegen möglich. Das Thecus-NAS kann bis zu 16 Snapshot-Versionen von Dateien und Ordnern speichern. Die Snapshots lassen sich über einen Scheduler automatisiert erstellen. Die Sicherung erfolgt lokal oder über das Netz auf ein anderes Thecus-NAS-System. Das NAS lässt sich auch als Rsync-Ziel-Server konfigurieren, der die Backup-Daten von anderen NAS-Systemen speichert. Zudem unterstützt Thecus über die S3-Schnittstelle von Amazon Backups in die Amazon Cloud.

Fazit

Das NAS-System N8880U-10G von Thecus lässt sich schnell in Betrieb nehmen. Es unterstützt die gängigen File-Service-Protokolle und lässt sich auch als iSCSI-Speicher nutzen. Vermisst haben wir bei der iSCSI-Konfiguration eine Host-Mapping-Funktion, die Zugriffe von mehreren Servern auf dieselbe iSCSI-LUN unterbindet. Das Gerät unterstützt immerhin die CHAP-Authentifizierung, die sicherstellt, dass nur Hosts zugreifen dürfen, die den CHAP-Benutzer und das CHAP-Passwort kennen. Mit der zusätzlichen 10GBase-T-Karte erreicht das System sehr gute Übertragungswerte. Wer eine ausfallsichere 10-GBit/s-Anbindung benötigt, hat bislang nur die Möglichkeit, ein zweites Thecus-NAS-System anzuschaffen und beide als Failover-Cluster zu betreiben. Mit der übersichtlichen und einfach zu bedienenden Management-Oberfläche dürften auch weniger erfahrene Administratoren gut zurechtkommen. Die niederländische Hotline von Thecus bietet deutschsprachigen Support. Bei einem Preis von etwa 1.700 Euro (ohne Laufwerke) ist das N8880U-10G eine erschwingliche Investition.

Info: Thecus
Tel.: 0031/77/8200211
Web: german.thecus.com

Christoph Lange.