Die Digitalisierung läuft auf Hochtouren. In besonders hohem Maße spiegelt sich das in der Art und Weise wider, wie Mitarbeiter in Unternehmen kommunizieren und zusammenarbeiten. Unified Communications and Collaboration (UCC) wird hierbei zur Alltagstechnologie, und wie sich zeigt, spielen Cloud-Angebote dabei eine große Rolle. Denn immer mehr Organisationen haben ihre Vorurteile abgelegt und beziehen ihre UCC-Dienste aus pragmatischen Gründen aus der Cloud.
„Man frage nicht, ob man durchaus übereinstimmt, sondern ob man in einem Sinne verfährt“, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Die Kraft des Handelns im Gemeinsinn drückt sich auch in Redewendungen wie „Einigkeit macht stark“ aus. Was dabei oft nicht so klar zum Ausdruck kommt: Einigkeit ist kein Geschenk, sondern harte Arbeit – eine kulturelle Höchstleistung auf sozialer Ebene. Sie ist das Ergebnis intensiver Kommunikation, Beratung, Abstimmung und Zusammenarbeit.

In der Individuum-betonten Ellenbogengesellschaft waren solche Grunderkenntnisse zwischenzeitlich in der Versenkung verschwunden. Nun graben Unternehmen sie wieder aus – diesmal jedoch primär im wirtschaftlichen Kontext. Sie entdecken in sauber geführter Collaboration einen unschätzbaren Wettbewerbsvorteil, den sie im Zuge der Digitalisierung immer stärker optimieren wollen.

Diesen Trend bestätigt unter anderem die Ende April vorgestellte „Social Collaboration Studie 2017“, die der Fachbereich Wirtschaftsinformatik der TU Darmstadt und die Unternehmensberatung Campana & Schott zusammen durchgeführt haben. Demnach steigert Social Collaboration nachweislich die Arbeitseffizienz und befähigt Mitarbeiter dazu, aktuelle Herausforderungen zielgerichtet zu bewältigen. Doch die Studie bietet noch eine Reihe weiterer Erkenntnisse. So quantifiziert sie beispielsweise den Zusammenhang zwischen Nutzungsintensität eines Social-Collaboration-Netzwerks und Arbeitseffizienz: Mitarbeiter, die sehr intensiv mit dem Netzwerk arbeiten, sollen ihre Leistungsfähigkeit gegenüber Nichtnutzern je nach Art der Aufgaben um bis zu 42 Prozent steigern.

Die Verbesserung der Unternehmenskultur ist das wichtigste Argument für die Einführung eines Collaboration-Tools. Bild: TU Darmstadt/Campana & Schott

Leistungssteigerung und Kostensenkung sind laut der Umfrage aber nicht die wichtigsten Gründe für den Einsatz von Social Collaboration. Tatsächlich stehe die Nutzung als strategisches Element für die eigene digitale Transformation im Vordergrund: „Die meisten Studienteilnehmer nutzen vernetzte Formen der Zusammenarbeit nicht primär, um Kosten zu sparen, sondern in erster Linie, um ihre Unternehmenskultur weiterzuentwickeln und die Digitalisierung ihrer Geschäftstätigkeit voranzutreiben“, sagt Dr. Eric Schott, Geschäftsführer von Campana & Schott. Für 57 Prozent der Befragten war der kulturelle Wandel im Unternehmen der Hauptgrund für den Einsatz von Collaboration-Technik.

Collaboration im Zeichen von All-IP

Lange angekündigt, geht die ISDN-Ära nun endgültig zu Ende, alles wird auf IP umgestellt. Auf der letzten CeBIT reflektierte sich diese Tatsache auf eindrucksvolle Weise. Microsoft etwa hatte Partnerunternehmen wie Datac, Estos, IP Dynamics, Logitech und Plantronics bei sich mit am Stand, die alle ihre Neuentwicklungen rund um die mobile IP-Kommunikationsplattform Skype for Business präsentierten. Bei Logitech beispielsweise gab es die neue Bedienkonsole Smartdock, die ein Management von Skype-for-Business-Videokonferenzen bieten will. In Verbindung mit dem Microsoft Surface Pro 4 und der Skype-Anwendung soll eine elegante Collaboration-Lösung entstehen. Dazu gab es die neue, portable Konferenzkamera Connect. Sie bietet 360-Grad-Audio- und Full-HD-Videoqualität für virtuelle Konferenzen mit bis zu sechs Personen, unterstützt Bluetooth sowie den NFC-Standard.

Agfeo kam unter anderem mit seiner ersten Cloud-Lösung nach Hannover: Mit Agfeotel können ausgewählte Fachhändler nun in Verbindung mit den SIP-Endgeräten des Herstellers oder anderer Anbieter ein virtuelles Kommunikationssystem aufsetzen. „Nun beginnt die heiße Phase der Umstellung auf All-IP“, so Marketingleiter Niko Timm. „Deshalb ist es wichtig, dass die Fachhändler professionelle Lösungen anbieten können.“

Das neue VoIP-Gateway 2.0 von Beronet verbindet klassische TK-Systeme mit VoIP-Lösungen. Als Besonderheit bietet das Gerät eine modulare Netzwerkschnittstelle. Ein weiterer Fokus soll auf Apps liegen: Per SD-Speicherkarte lassen sich Zusatzfunktionen wie VPN oder einfache Fax-Server direkt auf dem Gateway installieren. Ferrari Electronic brachte ein umfassendes UC-Portfolio für die All-IP-Migration mit nach Hannover. Dazu zählt Officemaster Suite 6, für die es nun einen SAP-Connector gibt. Neu war auch ein Cloud-Connector sowie die Funktion Direct-SIP für Fax over IP. Die Mitschnittlösung Officemaster Callrecording ist beispielsweise für Banken interessant, die seit 2017 zur Aufzeichnung telefonischer Beratungsgespräche verpflichtet sind.

Innovaphone bietet auf seinen Geräten jetzt Unterstützung des offenen WebRTC-Protokolls. Bild: Stefan Mutschler

Innovaphone hatte zur CeBIT das WebRTC-Protokoll für die Echtzeitkommunikation von Rechner zu Rechner in seine UC-Lösungen integriert. Der offene Standard unterstützt alle gängigen Plattformen mit Ausnahme derer von Microsoft. Redmond setzt hingegen von Anfang an lieber auf eigene Protokolle. Das Highlight auf dem Stand von Sipgate war eine neue, Web-basierte Telefonanlage mit Mobilfunkintegration. Sipgate Team will die Komfortmerkmale der klassischen Business-Telefonie auch auf Mobilfunkgeräten bereitstellen. Das Spektrum beinhaltet neben den üblichen Standardfunktionen auch Extras wie eine intelligente Voicemail-Funktion, die Abschriften per E-Mail versenden kann.

Tiptel adressierte mit seinen Messeneuheiten vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Flaggschiff war die IP-Telefonanlage 8010 All-IP Appliance, die nach Firmenaussagen in Deutschland entwickelt und gefertigt wird. Bintec Elmeg ergänzte sein All-IP Produkt- und Lösungsportfolio um neue IP-Telefone nach SIP-Standard. Dazu gehören die Produktlinien Elmeg IP620 und IP630. Die professionellen IP-Telefone bieten laut Hersteller eine intuitive und komfortable Navigation, Erweiterungsoptionen, vielfältige Funktionen für den professionellen Einsatz wie Autoprovisionierung und Nutzung des zentralen Telefonbuchs, darüber hinaus Sprache und Klänge in HD-Qualität.

Die IP-Telefone nach SIP-Standard Elmeg IP620 und IP630 (Bild) ergänzen seit Kurzem das Bintec Elmeg All-IP Produkt- und Lösungsportfolio. Bild: Bintec Elmeg

Cloud wird immer relevanter

Angebote aus der Cloud gehören inzwischen auch für Unternehmen in Deutschland mit zu den bevorzugten Wegen, IT-Dienstleistungen bereitzustellen. Laut einer Bitkom-Studie vom März dieses Jahres haben 2016 zwei von drei Unternehmen (65 Prozent) Cloud Computing in privater und/oder öffentlicher Form eingesetzt. Das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Public-Cloud-Angebote waren 2016 bei immerhin 29 Prozent der Unternehmen im Einsatz. Knapp die Hälfte davon (49 Prozent) nutzt via Public Cloud Software-Angebote (SaaS, Software as a Service), wobei laut Studie Bürosoftware am weitesten (46 Prozent) verbreitet ist. Anwendungen im Bereich Kommunikation (E-Mail, Kalender etc.) und Collaboration liegen demnach auf Platz drei (35 Prozent) und vier (33 Prozent).

Auch eine aktuelle Untersuchung der Unternehmensberatung Credence Research bestätigt den Trend zur Zusammenarbeit via Cloud. Auf Basis der Erhebungen prognostiziert der Dienstleister, dass die Umsätze mit UCC-Anwendungen bis zum Jahr 2022 auf rund 106 Milliarden Dollar steigen. Angeboten aus dem Bereich Unified Communications as a Service (UCaaS) soll dabei eine Schlüsselrolle zufallen. Toplink führt die verstärkte Nutzung von Cloud-Angeboten im Kommunikationssektor auf die massiv gestiegene Akzeptanz der Cloud an sich zurück. Außerdem vereinfache die Cloud UCC-Anwendungen deutlich: „Instant Messaging, Telefonie, Video, Sharing – alles wächst zusammen und Firmen wie Verbraucher erwarten, dass alles intuitiv funktioniert“, erläutert Jens Weller, Geschäftsführer bei Toplink. Mit Blick auf die immer intensivere Nutzung warnt er jedoch: „Diese Dienste sind allerdings nur reibungslos nutzbar, wenn hierfür genügend Bandbreite zur Verfügung steht.“

Toplink ist der Betreiber eines der größten Cloud-Telefonsysteme in Deutschland. Das Unternehmen legt großen Wert auf die Feststellung, dass es alle seine Dienste in deutschen Rechenzentren betreibt. Ein besonderes Highlight ist ein Service mit der Bezeichnung Luca: Hier bietet Toplink die Microsoft Skype-for-Business-Dienste mit verschlüsselten Anschlüssen an.

Auch Alcatel-Lucent Enterprise (ALE) ist mit einer offenen UC-Plattform auf den Cloud-Zug aufgesprungen. Seit Ende letzten Jahres ist die Rainbow-Plattform allgemein verfügbar. Der Clou: die aktuell via Rainbow angebotenen Dienste wie Verwaltung von Kontakten, Präsenzinformationen, Instant Messaging, Audio-/Video-Anrufe sowie Bildschirm- und Dateifreigaben sind für den Nutzer kostenlos. Im Laufe dieses Jahres will ALE zusätzlich Premiumdienste anbieten, die dann kostenpflichtig sind. Die Basisdienste sollen jedoch dauerhaft kostenfrei bleiben. Um auch Nutzer anzusprechen, die ihre Kommunikationsdienste lieber unter eigener Regie betreiben, will ALE ebenfalls im Laufe dieses Jahres Rainbow mit Kommunikationsplattformen von ALE und Drittanbietern integrieren.

Auch Placetel bietet Telefonanlagen aus der Cloud. Kürzlich hat der zu Broadsoft gehörende Hersteller mit UC-One auch eine neue UC-Lösung vorgestellt. Die Anwendung umfasst Funktionen wie HD-Video-Konferenzen, Desktop- und File-Sharing und Instant Messaging. Punkten will Placetel mit der UC-One durch eine einfache Bedienung.

UC-One gibt es aber nicht nur bei Placetel selbst, auch die Deutsche Telekom setzt mit seinem „Deutschland-LAN Cloudpbx Native UC“ jetzt auf diese Kommunikations-Plattform. Die adressierten Geschäftskunden mit zwei bis 10.000 Nebenstellen sollen durch diese Kooperation durch zahlreiche neue Funktionen sowie der Integration von mobilen Endgeräten profitieren. Das Angebot gestaltet sich damit jetzt als umfassende Unified-Messaging-Lösung. Sie bietet unter anderem HD-Sprachqualität sowie Telefon- und Web-Konferenzen.

Ging es in der Anfangszeit von Konferenz- und Collaborations-Lösungen oft primär darum, Reisekosten für Präsenzmeetings einzusparen, sehen die Anwender in ihren entsprechenden Tools mittlerweile einen wichtigen Treiber für den Weg ihres Unternehmens in das digitale Zeitalter. Die Cloud etabliert sich dabei zunehmend als fester Wegbegleiter.

Stefan Mutschler.