Die Cloud Expo Europe 2017 deckte ein breites Themenspektrum von RZ-Infrastrukturlösungen über Security bis zu Big Data ab. LANline hat sich interessante Storage-Lösungen auf der Messe in Frankfurt am Main angesehen.

Als Speicherplattform für Cloud-Infrastrukturen spielen Object-Storage-Lösungen eine immer wichtigere Rolle. Zu den Pionieren in diesem Marktsegment zählt Cloudian, die mit Hyperstore eine Software entwickelt haben, die als reine SDS-Lösung (Software-Defined Storage) oder als vorkonfigurierte Hardware-Appliance erhältlich ist.

Ein Cloudian-System besteht aus mindestens drei Nodes. Die Einstiegskapazität liegt derzeit bei 45 TByte. Innerhalb eines Clusters lassen sich Nodes mit unterschiedlicher Hardwareausstattung mischen. Durch das Hinzufügen weiterer Nodes lässt sich der Cluster sowohl hinsichtlich Kapazität als auch Performance sehr gut skalieren. Die größten Installationen bestehen derzeit aus mehreren hundert Nodes in einem Verbund. Zudem lassen sich mehrere Erasure-Coding-Verfahren gleichzeitig nutzen.

Cloudian bietet die Object-Storage-Lösung Hyperstore als reine Software oder als Hardware-Appliance an.

Die von Cloudian entwickelte Software ist vollständig kompatibel zu S3 von Amazon und spricht nativ S3, das man mittlerweile als De-Facto-Standard für Object Storage bezeichnen kann. Die Integration mit anderen Storage-Plattformen wie zum Beispiel Azure BLOBs (Binary Large Objects) ist über Konnektoren möglich. Aufgrund der vergleichsweise niedrigen Kosten wird Object Storage auch zunehmend als Backup-to-Disk-Storage eingesetzt. Die S3 Cross Region Replication ermöglicht es zudem, Daten zwischen S3-Storage-Systemen von unterschiedlichen Herstellern zu replizieren. Des weiteren unterstützt Cloudian eine automatische Auslagerung von selten genutzten Daten auf Tape oder zum Archivspeicher von Amazon Glacier.

Auf Object Storage hat sich auch der zu Western Digital gehörende Hersteller HGST fokussiert. Das Speichersystem Activescale P100 beginnt bei einer Raw-Kapazität von 720 TByte und lässt sich auf bis zu neun Arrays ausbauen, die im Verbund 19,4 Petabyte bereitstellen können. Das Activescale X100 System beginnt bei 840 TByte und kommt mit neun Nodes auf bis zu 52,9 Petabyte.

IBM ist ebenfalls schon länger mit Lösungen im Object-Storage-Markt vertreten. Um auch nicht ganz so großen Unternehmen den Einstieg zu erleichtern, hat IBM bei der neuen Produktfamilie die Einstiegsgröße auf 72 TByte gesenkt. Die Systeme unterstützen zudem nun eine WORM-Funktion.

Next-Generation NVMe-SSDs

Für transaktionsintensive Anwendungen wie Datenbanken, Data-Mining- oder Realtime-Analytics-Lösungen stößt die nächste Generation der NVMe-SSDs in bisher nicht gekannte Kapazitätsdimensionen vor. Samsung hat mit „Mission Peak NGSFF All-Flash NVMe“ ein Referenzdesign für die neuen M3-NVMe-SSDs entwickelt. Sie haben die gleichen Baumaße wie die vorherige M2-Generation, bieten aber schnellere Datenübertragungen und mit bis zu 16 TByte deutlich höhere Kapazitäten.

Der Storage-Hersteller AIC hat auf der Cloud Expo Europe ein NVMe-SSD-Array vorgestellt, das auf einer Höheneinheit eine Speicherkapazität von über 500 TByte bereitstellt (siehe Bild oben). Die bis zu 36 M3-Karten werden von vorne in das Gehäuse gesteckt und lassen sich im laufenden Betrieb austauschen. Voll bestückt erreicht das System bis zu 10 Millionen Random IOPS und eine Ethernet-Übertragungsrate von 300 GBit/s.

Der in Taiwan beheimatete Hersteller AccelStor bietet ebenfalls schon seit längerem ein NVMe All Flash Array auf Basis des älteren M2-Standards an. In Frankfurt stellte Accelstor das neue „NeoSapphire H510 All-Flash“-System vor, das mit SATA-SSDs bestückt vergleichsweise kostengünstig ist.

Im Maximalausbau mit 24 SSDs bietet das mit zwei Controller-Einheiten ausgerüstete System eine nutzbare Speicherkapazität von 24 TByte und 360.000 Random Write IOPS mit 4K-Blöcken. Die von AccelStor entwickelte Flexi-Remap-Technologie optimiert die Schreibzugriffe und sorgt beim Ausfall einer SSD dafür, dass Schreiboperationen auf der zweiten redundanten SSD-Gruppe ausgeführt werden. AccelStor bietet zudem umfangreiche Softwarefunktionen wie Clones, Snapshots, Replication und Deduplication.

Tape-Backup als Schutz vor Ransomware

Die bereits vor vielen Jahren totgesagte Tape-Technologie gewinnt derzeit wieder an Bedeutung. Zum einen ist Tape nach wie vor das günstigste Medium für die Langzeitarchivierung. Zum anderen bieten Tape-Sicherungen einen wirksamen Schutz gegen Ransomware-Attacken, da die einmal gesicherten Daten nicht mehr über das IP-Netzwerk zugänglich sind.

Der Archivierungsspezialist Fujifilm bietet mit Dternity einen „Tape Backup Forever“-Service an und garantiert, dass er die im hauseigenen RZ in Kleve gespeicherten Daten für immer lesbar vorhält. Kunden übertragen ihre Backup-Daten entweder mithilfe einer Dternity-Appliance remote in das RZ. Oder sie lassen die Medien oder Speichersysteme mit den Backup-Daten physisch nach Kleve transportieren. Fujifilm hat zudem eine Lösung entwickelt, mit der Nutzer die gespeicherten Backup-Daten in alle gängigen Formate umwandeln können. Auf diese Weise kann er bei einem Restore die Daten in der von ihm gewünschten Form erhalten.

Christoph Lange.