Windcloud betreibt dicht an der Grenze zu Dänemark ein Rechenzentrum, das seinen Energiebedarf aus einem eigenen Windpark deckt. Die Nutzung der Windenergie soll nicht nur negative Umwelteffekte vermeiden, sondern auch Kostenvorteile schaffen, die der Anbieter an seine Kunden weitergeben will. LANline sprach mit Karl Rabe, dem Gründer und Geschäftsführer von Windcloud.

LANline: Herr Rabe, wie sehen die ersten Erfahrungen mit Ihrem RZ-Konzept aus?

Rabe: Wir sind mit unseren ersten Erfahrungen sehr zufrieden. Es gilt ja nicht nur, unsere alternative Energieversorgung zum Einsatz zu bringen, sondern wir haben auch versucht, unser Rechenzentrum so einfach wie möglich und so verfügbar wie möglich zu gestalten. Wir sind im Moment dabei, unsere Infrastrukturtests abzuschließen und mehr und mehr Rechenleistung zu verteilen.

LANline: Wie hat sich Ihre Strategie bislang im Markt behauptet?

Rabe: Unsere Strategie findet viel Zuspruch. Wir sehen keinen Anlass für Anpassungen. Klar ist, dass wir im Vergleich zu den Platzhirschen noch zu klein sind. Erst wenn wir in diesem Kreis für Stimmung sorgen, wird es interessant zu beobachten, wie die auf uns reagieren. Dann passen wir uns an.

„Meiner Meinung nach sind Rechenzentren derzeit meist völlig überdimensioniert und erreichen niemals auch nur annähernd eine sinnvolle Auslastung“, so Karl Rabe, Gründer und Geschäftsführer von Windcloud.

„Meiner Meinung nach sind Rechenzentren derzeit meist völlig überdimensioniert und erreichen niemals auch nur annähernd eine sinnvolle Auslastung“, so Karl Rabe, Gründer und Geschäftsführer von Windcloud.

LANline: Welche Anforderungen stehen bei potenziellen Kunden ganz oben auf der Liste?

Rabe: Sicherheit und Kosten stehen bei unseren Kunden an erster Stelle, wir geben obendrauf noch die Nachhaltigkeit. Wir bauen stetig unsere Fähigkeiten im Bereich Sicherheit aus, um alle Anforderungen, physisch und digital, zu erfüllen und zu übertreffen. In Kombination ist unser Angebot nur schwer zu schlagen.

LANline: Welche technischen Besonderheiten bietet Ihr RZ dafür?

Rabe: Bei der Energieversorgung setzen wir auf eine autarke Mikrogrid-Lösung mit Windpark, Speicherbatterie und Biogas. Damit sind wir nur im äußersten Notfall auf das Netz angewiesen. Diese eigene Versorgung ermöglicht uns 100 Prozent nachhaltige Versorgung aus lokal erzeugten Strom, und zwar bei niedrigeren Energiekosten. Zusätzlich nutzen wir unsere Abwärme für ein Gewächshaus, um unsere energetische Effizienz zu verbessern.

LANline: Und im Rechenzentrum selbst?

Rabe: Bei der Kühlung setzen wir auf die freie direkte Kühlung. Dies ermöglicht es uns, mit sehr geringen Investitionskosten zu arbeiten. Außerdem sind wir dadurch in der Lage, sehr einfach unsere Kapazitäten zu erweitern. Darüber hinaus kann man bei unserem Standort auch die hervorragende Anbindung per Glasfaser erwähnen – natürlich redundant. Die meisten Kunden wollen als erstes wissen, ob wir so weit im Norden überhaupt Internet haben.

LANline: Welche Konzepte und Techniken werden die RZ-Entwicklung in den kommenden Jahren beeinflussen?

Rabe: Meiner Meinung nach sind Rechenzentren derzeit meist völlig überdimensioniert und erreichen niemals auch nur annähernd eine sinnvolle Auslastung. Das ist der erste Schritt, der angegangen werden muss. Rechenzentren werden darüber hinaus zukünftig beim Bau und Betrieb viel effizienter werden müssen. Klimageräte haben im RZ aus diesen Überlegungen heraus nichts zu suchen.

LANline: Welche Konsequenzen entstehen daraus für Betreiber, welche für Anwender?

Rabe: Für die Cloud werden viele Aufgaben bald automatisiert zur Verfügung stehen. Darauf muss man sich jetzt schon einstellen und die nötigen Prozesse planen. Generell wird es für Anwender immer einfacher werden, ihre Applikationen im RZ zu betreiben, während der Betreiber sehr viel in Richtung Automatisierung, DCIM und UX investieren muss, um diese Einfachheit auch anbieten zu können. Anwender werden sich mehr und mehr daran gewöhnen, dass ihre Daten zentral gehostet sind und immer und überall verfügbar sein werden. Die zentrale Aufgabe ist, Hochverfügbarkeit zu gewährleisten, da niemand mehr auf seine Daten verzichten will.

LANline: Wie sieht das Umfeld in Bezug auf Gesetzgebung, Förderung oder Steuerrecht für Sie aus?

Rabe: Dazu möchte ich an dieser Stelle nur ausführen, dass wir als Cloud Provider einer Fülle von Anforderungen entsprechen müssen. Was wir allerdings besonders beobachten, ist die EEG-Gesetzgebung, die ja unsere Hauptvorteile bestimmt, die wir weiter ausbauen wollen.

LANline: Herr Rabe, vielen Dank für das Gespräch.

Dr. Jörg Schröper ist Chefredakteur der LANline.