Der Openstack-Zug nimmt auch in Deutschland langsam Fahrt auf. Die Anzahl der Anfragen von CIOs, die das Open-Source-basierte Cloud-Management-Framework als Alternative evaluieren, ist in den vergangenen sechs Monaten deutlich gestiegen. Deshalb stellt sich die Frage, inwieweit Openstack schon „Enterprise-ready“ ist und welche Hürden bis zur unternehmenstauglichen Cloud-Management-Plattform noch zu nehmen sind.

Openstack ist ein Gemeinschaftsprojekt von Entwicklern und Cloud-Computing-Spezialisten, die das Ziel verfolgen, eine Open-Source-Plattform für den Aufbau von Public und Private Clouds zu entwickeln. Das Projekt wurde ursprünglich von der US-amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA und dem Cloud-Computing-Anbieter Rackspace gegründet.

 

Damit soll Anbietern von Cloud-Infrastrukturen ein Werkzeug an die Hand gegeben werden, mit dem sie unterschiedliche Arten von Cloud-Infrastrukturen ohne großen Aufwand auf Standard-Hardwarekomponenten aufbauen und bereitstellen können. Openstack ist unter der Apache-Lizenz lizenziert.

 

Im Laufe der letzten Jahre haben sich viele weitere größere und kleinere Anbieter der Initiative angeschlossen, darunter Suse, Dell, Canonical, Citrix, HP, AMD, Intel sowie Red Hat und IBM. Organisiert ist Openstack über eine Foundation, die für die Koordination der Entwicklung und Verteilung verantwortlich ist. Die dazugehörige Openstack-Community umfasst aktuell (Stand: 17.02.2014) 14.045 einzelne Mitglieder, verteilt über 132 Länder.

 

Als deutsches Mitglied ist die Deutsche Telekom, die Openstack als Basis für ihren Business Marketplace einsetzt, in der Openstack Community vertreten. Darüber hinaus tragen spezialisierte Integrationsdienstleister und Softwareentwickler aus Deutschland (B1 Systems), Österreich (Hastexo) und der Schweiz (Icclab) zur Entwicklung des Projekts bei.

 

Der Anteil europäischer Anwenderunternehmen in der Openstack Community und der Openstack Foundation ist derzeit noch recht überschaubar. Crisp Research geht allerdings davon aus, dass binnen der nächsten zwei Jahre rund 50 europäische Anwender Teil der Openstack Community werden.

 

Openstack lässt sich für unterschiedliche Anwendungsszenarien einsetzen. Die Openstack Foundation selbst unterteilt die Kategorien folgendermaßen:

* On-Premise Private Cloud,

* Hosted Private Cloud,

* Hybrid Cloud und

* Public Cloud.

 

Zu den obig definierten Anwendungsszenarien führt die Openstack Foundation eine eigene Statistik. Ein Blick auf die aktuelle Verteilung des strategischen Openstack-Einsatzes für das Q1/2014 zeigt im weltweiten Vergleich folgendes Einsatzverhältnis (siehe Bild): Demnach werden On-Premise-Private-Cloud-Installationen mit 55 Prozent am häufigsten eingesetzt. Mit einem weitem Abstand folgen Hosted-Private-Cloud- (19 Prozent) und Public-Cloud-Installationen (17 Prozent), danach Hybrid Clouds (elf Prozent) und nicht genauer spezifizierte Projekte (vier Prozent).

 

In Anbetracht der Zahlen ist für die Zukunft von Openstack eine deutliche Tendenz hin zum verstärkten Einsatz von Private Clouds zu erkennen. Das lässt sich auch mit Zahlen von Crisp Research für den deutschen Markt unterstreichen. So geht Crisp Research davon aus, dass 62 Prozent der deutschen Großunternehmen Private-Cloud-Infrastrukturen im Einsatz haben. Im Vergleich dazu setzen nur 38 Prozent auf die Public Cloud. Ein ähnliches Verhältnis ist aufgrund der aktuellen Marktsituation auch für die kommenden Jahre zu erwarten.

 

Im Openstack-Kontext kann man allerdings davon ausgehen, dass Hosted Private Clouds und Hybrid Clouds noch stärker zunehmen werden, ebenso Openstack-Installationen, die eine rein infrastrukturelle Grundlage für Web-Dienste bilden. Zu den bekannten Openstack-Anwendern gehören unter anderem das CERN für die Analyse der Daten aus dem Large Hadron Collider (LHC), Paypal als Grundlage für seine Web-Dienste und Intel für eine Private-Cloud-Infrastruktur.

 

Problemfall Integration
Die Integration von Cloud-Services und der Aufbau von Cloud-Infrastrukturen gehören zu den größten Herausforderungen für Unternehmen. Was bei der Bewertung einer Cloud-Technik oder -Infrastruktur am Anfang gerne vernachlässigt wird, verursacht im Nachhinein weitere Mehrkosten und Verzögerung im Projektverlauf. Das ergeben Studien und Expertengespräche mit einer Vielzahl aktueller und angehender Cloud-Anwender. Die Komplexität von Cloud-Infrastrukturen gehört nach dem Datenschutz und Datensicherheitsbedenken zu den größten Hemmnissen. Cloud-Beratungs- und -Integrationsleistungen werden daher stark an Bedeutung gewinnen.

 

Ein Report von Crisp Research zum Thema ist gegen Registrierung kostenlos erhältlich unter www.crisp-research.com/openstack-im-unternehmenseinsatz-teil-1/.

Bei den Openstack-Deployments dominieren laut der Openstack Foundation lokal installierte Private Clouds deutlich, gefolgt von Hosted Private Clouds. Bild: Crisp Research