Ein Thin Client (TC) kann den Desktop-PC ersetzen – sofern der TC schnell startet, seine CPU die Darstellung der Remote-Desktop-Inhalte nicht ausbremst, er die marktgängigen Anschlussmöglichkeiten inklusive USB 3.0 bietet und einen Doppelmonitor-Arbeitsplatz unterstützt. Mit dem Wyse 3040 hat der Hardwareprimus Dell einen Einstiegs-TC mit einem solchen Leistungsprofil im Portfolio.

Administratoren lieben TCs (zumindest wenn sie für normale Anwender gedacht sind und nicht für sie selbst): Die kleinen Computer verfügen zwar nur über ein überschaubares Leistungsspektrum, sind dafür aber für ihr Einsatzfeld optimiert. Ihr Stromverbrauch liegt bei bis zu unter 5 Watt, das Diebstahlrisiko ist minimal, sie sind geräuschlos, schnell ausgetauscht und bieten ein zentrales Management-System. Alle Daten liegen im Rechenzentrum, ganz so wie früher – vor der Ära der PCs. Dabei ist der TC kein rückwärtsgewandtes Konzept: Vielmehr erlaubt der Thin Client den Zugriff auf den virtuellen Desktop, ob im lokalen RZ oder aus der Cloud.

Dells Thin Client Wyse 3040 ist klein, leistungsstark und unterstützt zwei hochauflösende Bildschirme parallel. Bild: Wyse

Äußere und innere Werte

Der Wyse 3040 ist 10,2 × 10,2 × 2,8 cm klein, wiegt rund 240 Gramm und eignet sich mit einem optionalen Anbauwinkel zur Montage am oder unter dem Schreibtisch sowie per VESA-Halterung auf der Display-Rückseite. Die Stromversorgung übernimmt ein externes Stecknetzteil mit einem Leuchtkreis um den Niedervoltstecker, was die Suche nach dem Kabel unter dem Tisch deutlich vereinfacht. Auf der Rückseite beherbergt der Minicomputer zwei Display-Ports, einen Gigabit-Ethernet-Port sowie zwei USB-2.0-Ports zum Anschluss von Tastatur und Maus. Frontseitig findet der Benutzer je einen USB-3.0- und USB 2.0-Anschluss sowie einen 3,5-mm-Klinkenstecker für ein analoges Headset.

Wyse wurde im Jahre 2012 von Dell Computer übernommen. Das große, runde Dell-Logo könnte man beinahe für den Einschaltknopf halten, doch dieser findet sich gleich darüber an der Vorderkante des Geräts. Er verfügt über eine leichte Vertiefung und leuchtet im Betrieb, ein Ertasten und Auffinden ist somit leicht möglich. Andere – durchaus auch namhafte – Hersteller könnten sich gern daran ein Beispiel nehmen. Insgesamt ist der 3040 gut und robust verarbeitet. Der Kunststoff ist jedoch sehr scharfkantig, hier könnte der Hersteller ruhig etwas wertiger vorgehen. Im Betrieb wird das Gerät lediglich handwarm, obwohl die Produktdokumentation explizit davor warnt, die beinahe das gesamte Gehäuse fassenden Lüftungsgitter zu verdecken.

Zur Verwaltung bietet Dell die Wyse Management Suite für die lokale Installation oder den Cloud-Betrieb.

Bei den inneren Werten trumpft der Kleinrechner für virtuelle Workplaces in Citrix-, Microsoft- und VMware-Umgebungen so richtig auf: Hersteller Dell rühmt sich, den ersten Einstiegs-TC mit x86-basierter „Intel Atom X5“-Quad-Core-CPU mit 1,44 GHz Taktfrequenz auf den Markt gebracht zu haben. Dem im 14-nm-Lithografieverfahren gefertigtem Prozessor vom Typ x5-Z8350, erstmalig vorgestellt im ersten Quartal 2016 in der Cherry-Trail-Serie mit 2 MByte Cache, stehen 2 GByte fest eingelöteter DDR3L-RAM zur Seite. Auf dem 8 GByte eMMC-Flash-Speicher, ebenfalls fix installiert, residiert das Dell-Wyse-eigene ThinOS. Hat man das Gerät alternativ mit ThinLinux bestellt, ist ein 16-GByte-eMMC verbaut. Neben der integrierten Realtek-Ethernet-NIC bietet der Hersteller das System mit einem optionalen „Azurewave AW-CM389MA“-Dual-Band-WLAN-Adapter für den 802.11a/b/g/n/ac-Betrieb an. Dieser Adapter fungiert, sofern vorhanden, auch als Bluetooth-4.0-Sende- und -Empfangseinheit.

Die Geräteeinstellungen nimmt der Administrator typischerweise in Gruppen vor, die die unterschiedlichen Geräteklassen, beispielsweise PCs und TCs, voneinander trennen.

Eine weitere Besonderheit des Geräts – neben der Quad-Core-CPU – liegt in der Möglichkeit, zwei Monitore per Display-Port anzuschließen. Der interne Grafikkontroller bietet drei voneinander unabhängige Frame Buffer und ist kompatibel mit Direct X 11.1, Open GL 4.3, Open CL 1.2 und Open GL ES 3.0. Schlussendlich münden diese technischen Details im Anschluss von bis zu zwei Monitoren mit einer stolzen Auflösung von 2560 × 1600 Bildpunkten (WQXGA) bei 60 Hz.

Einrichtung und Verwaltung

Administratoren können einen TC im Prinzip ohne jegliche Verwaltungssoftware verwenden: Die Oberfläche erlaubt einige grundlegende Einstellungen wie Sprache, Auflösung, Druckerzuordnung und die Anlage von Verbindungen zu RDP/ICA-Servern. Praktischerweise legt ThinOS diese Verbindungssymbole direkt auf dem Desktop ab oder erlaubt, in vielen Fällen sicherlich sinnvoll, einen Direktstart der Verbindung nach dem Einschalten des Thin Clients.

Ohne die Verwaltungssoftware ist der Kleinrechner in rund fünf Minuten eingerichtet, sofern alle Parameter wie Netzwerkverbindung, Client-Name und Broker-Daten schon bekannt sind. Das Register „Options“ im Netzwerk-Setup bietet dabei einige Spezialitäten. Ein Großteil der Konfiguration kann der Administrator schlicht über DHCP-Optionen vornehmen. In der Option 162 erwartet der TC in der Standardeinstellung beispielsweise den „Root Path“ für seine Systemkonfiguration auf dem File-Server, der wiederum in der DHCP-Option 161 mitgegeben wird. Über eben diese Optionen schickt der Administrator FTP-Username und Passwort, VDI-Broker, CCM-Verwaltungsdaten (Client Cloud Manager), WDM-Verwaltungsdaten (Wyse Device Manager), die Citrix-Server-Liste oder die Domänenauflistung an sein Gerät.

Soll sich der TC per VPN direkt mit einem Netzwerk verbinden, kann der Anwender dies über das Menü „OpenConnect“ vornehmen. Für Proxy-Dienste entdeckt er ebenfalls ein Einstellungsfenster. Die Eingabe von Routing-Informationen oder gar einen Konsolenzugriff gibt es nicht. Als Hilfsmittel stehen jedoch Tracing und Ping zur Verfügung. Selbst Netzwerk- und WLAN-Captures direkt auf ein USB-Gerät sind mit Bordmitteln möglich. Die WLAN-Konfiguration erfordert die Angabe von SSID und WPA/WEP-Daten, eine Festlegung einzelner Kanäle für die Übertragung sieht der Hersteller nicht vor.

Die Basisfunktionen von ThinOS reichen zur manuellen Verwaltung vollkommen aus.

Um eine Verbindung mit einem Management-System einzugehen, wechselt der Benutzer im Abschnitt „General Configuration“ in den gewünschten Zweig. Hier gibt es ein Register für den FTP/File-Server zur Ablage von Konfigurations- und Systemdateien. Im zweiten Register namens „WDA“ wird es moderner. Hier stehen WDM und CCM zur Auswahl. CCM erlaubt dem Systemverwalter eine Organisation und Überwachung der TCs via Internet. Für den Beitritt zur Konfigurationsgruppe ist ein „Group Registration Key“ erforderlich. Diesen stellt der Administrator in der Management-Software im Vorfeld bereit.

Diese Schlüssel legen beim CCM fest, welche Konfigurationsgruppe auf dem Thin Client anzuwenden ist. Einmal aktiviert, erhält der TC von dort seine Einstellungen, und der Administrator kann bei Bedarf das Gerät sperren, löschen oder neustarten. Einen integrierten Fernzugriff gaben die Entwickler dem Gerät nicht mit auf den Weg, dies gilt es innerhalb der Terminal-Session zu realisieren. Die Verwaltungsprogramme selbst waren nicht Teil unserer Betrachtung, aber alles, was wir zu sehen bekamen, gefiel uns auf den ersten Blick ganz gut.

Kleine Auffälligkeiten und Eigenheiten

Im Zuge der Einbindung in die Management-Software sorgten wir im Test zunächst einmal dafür, dass wir unser Testgerät überhaupt nicht mehr starten konnten. Ursprünglich hatten wir unseren Monitor 25UB55-B von LG Electronics über einen Adapter am DVI-Anschluss verbunden. Die Bildqualität in 2560 × 1080 Pixel bei diesem Ultra-Wide Display überzeugte auch per DVI. Durch die Verknüpfung des Thin Clients mit der Wyse Management Suite erhielt unser 3040 das Kommando, die Monitorauflösung per DDC auszulesen und entsprechend einzustellen. Dieser Befehl mündete in einer Endlosschleife aus viermaligen Blinken der LED in Orange, gefolgt von zweimal Aufleuchten, ebenfalls in Orange – laut Produktdokumentation ein „Generic POST Video Error – Old LED pattern 1110“. Durch den Wechsel des DVI-Steckers und die direkte Verwendung eines Display-Port-Kabels verschwand dieses Phänomen. Ein Blick in die Produktdokumentation erklärte dieses Verhalten: „Single Link DVI“ ist nur bis 1920 × 1200 Pixel möglich. Für die einfache Bereitstellung im weit verteilten Umfeld sollte der Administrator dieses Detail bedenken.

Der Wyse 3040 verschwindet bei Bedarf per VESA-Halterung hinter dem Display. Bild: Wyse

Als weitere Auffälligkeit ergab sich im Test ein seltsames Verhalten unserer USB-Maus. Seit vielen Jahren kommt diese im Labor zum Einsatz, beim 3040 versagte sie nach rund fünf Minuten ihren Dienst. Die mitgelieferte Dell-Maus arbeitete jedoch ohne Tadel. Ansonsten funktionierten alle Testmuster mit lokalen und via WAN entfernten Terminal-Servern, die Verwendung eines Druckers über LPD und das Mapping von USB-Devices in die Sitzung.

Zwei Varianten im Lieferumfang

Dell liefert den Wyse 3040 mit ThinOS für den Betrieb in Microsoft-Umgebungen mit RDP Version 8.1 und RemoteFX-Unterstützung, für VMware mit einfachem RDP-Einsatz und für Citrix mit Receiver-Versionen 4.0.x. Alternativ gibt es das Gerät auch mit ThinLinux. Hierbei handelt es sich um eine für den TC optimierte Suse-Linux-Variante von Dell.

Anders als ThinOS erlaubt ThinLinux den Betrieb lokal installierter Chrome- oder Firefox-Browser. Die Nutzung lokaler Browser ist für viele Umgebungen spannend, da sich eine Trennung von Terminal-Session und Browsing direkt auf dem Gerät realisieren lässt. Aus der reinen Sicherheitsperspektive ist ThinOS wohl die bessere Wahl: Da es keine veröffentlichten Programmierschnittstellen zu diesem System gibt, bezeichnet es der Hersteller als virenresistent und sicher. Für ThinLinux spricht wiederum die Unterstützung des Remote-Protokolls VMware Blast Extreme. PCoIP-Einbindungen sind mit beiden Betriebssystemen möglich.

Was die Hersteller-Website schwungvoll „Flexibilität bei der Betriebssystemwahl“ nennt, ist in Wirklichkeit nicht ganz so üppig: Der Käufer entscheidet sich bei der Bestellung, welche Version er geliefert haben will. Ein OS-Austausch ist nach unserer Recherche nicht ohne Weiteres möglich.

Der TC überzeugt

Der 3040er Thin Client macht, insbesondere im Zusammenspiel mit Dells Management-Software, einen ordentlichen Eindruck. Im Test überzeugte der Minicomputer durch seine zügige Darstellung bei der Verwendung von RDP und durch seine aktuellen Anschlussmöglichkeiten. Der gute Ruf, den Wyse als TC-Hersteller genoss, bleibt auch unter Dell-Führung erhalten. Kommt ThinLinux mit eigenem Browser zum Einsatz, kann die Quadcore-CPU ihre Stärken ausspielen. Dual-Monitor-Support gibt es bei diversen Thin Clients, aber die hohe unterstützte Auflösung des 3040 ist beachtlich. Außerdem kennen wir keinen TC, der so schnell startet wie ein ThinOS-Gerät. In Dells eigenem Webshop liegt der Nettopreis des Wyse 3040 bei knapp über 350 Euro.

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