Netgear hat die neue Generation der Readynas-Desktop-Familie mit schnellem 10-GBit-Ethernet und bis zu acht Festplatten ausgestattet. Die NAS-Geräte unterstützen alle gängigen File-Protokolle, lassen sich als iSCSI-Target konfigurieren und schützen mit ihrer RAID-X-Technologie vor einem Plattenausfall. Neben automatischen Snapshots bieten die Systeme auch Backup-Funktionen, um Daten auf andere Systeme ins Firmennetz oder in die Cloud zu sichern.

Die Hersteller von Desktop-NAS-Geräten (Network Attached Storage) haben den Funktionsumfang der Systeme in den letzten Jahren kontinuierlich ausgebaut. Bei Lösungen für den professionellen Einsatz in kleineren Unternehmen zählt die Unterstützung aller gängigen File-Protokolle sowie eine Bereitstellung von iSCSI-LUNs mittlerweile zum Standardrepertoire.

Netgear hat die neue Readynas-Generation ab dem 4-Bay-Modell mit schnellem 10-GBit-Ethernet ausgestattet. Das von LANline getestete Modell RN526X bietet sechs Laufwerkseinschübe, zwei 10GBase-T-LAN-Ports für Kupferkabel und einen „Intel D-1508 Dual-Core“-Server-Prozessor mit 2,2 GHz. Die Readynas-Systeme sind „VMware Ready“ und für Vsphere 6.0 zertifiziert.

Die Readynas-Geräte sind mit oder ohne Festplatten erhältlich. Die von Netgear offiziell unterstützten Plattentypen finden sich unter www.netgear.com/readynas-hcl. In das Gehäuse lassen sich 2,5- oder 3,5-Zoll-SATA-Platten einbauen. Der eSATA-Erweiterungsanschluss ermöglicht die Anbindung eines Eda500 Expansion Chassis. Mit 10-TByte-Festplatten bietet das RN526X eine Bruttospeicherkapazität von 60 TByte. Das Erweiterungs-Chassis erhöht die Kapazität auf bis zu 110 TByte.

Beim Defekt einer Festplatte zeigt die Volume-Grafik an, welche Platte nicht mehr verfügbar ist.

Netgear hat bei der Readynas-Familie ein besonderes Augenmerk auf die Datenschutzfunktionen gelegt. Der standardmäßig aktivierte X-RAID-Modus konfiguriert die vorhandenen Festplatten automatisch als RAID-Verbund. Der Administrator kann zudem automatische Snapshots konfigurieren. Vor einem Totalverlust der gespeicherten Daten schützen mehrere Sicherungsmethoden, ein Echtzeitvirenscan komplettiert die Schutzmechanismen.

Schnelle Inbetriebnahme

Für den LANline-Test verbanden wir die zwei LAN-Ports des RN526X mit einem 10-GBit-Switch des Testnetzes. Das Testgerät war mit sechs Festplatten bestückt. Das Metallgehäuse verfügt über eine Frontklappe mit integriertem LCD und fünf Tasten.

Der Browser-Zugriff auf die Management-Oberfläche des Readynas ist auf zwei Wegen möglich. Wenn sich der Administrationsrechner im selben IP-Subnetz befindet wie das NAS-System und über Internetzugriff verfügt, lässt sich die automatische Geräteerkennung der Web-Seite readycloud.netgear.com nutzen. Wir klickten hier auf die Schaltfläche „Set up a new Readynas“, woraufhin unser Testgerät sofort erkannt wurde und ein Assistent für die Erstkonfiguration startete.

Für die Setup-Option „Ready Cloud“ benötigt man neben dem Internetzugriff einen Mynetgear-Account. Wir starteten das Setup stattdessen mit der Option „Offline Installation“. Im Assistenten weist der Administrator einen Gerätenamen zu, ändert das Admin-Passwort und gibt die E-Mail-Daten an, damit Readynas Alarmmeldungen per Mail verschicken kann. Wenn kein Internetzugang vorhanden ist, muss sich der Administrator von der Netgear-Website das Programm Raidar herunterladen.

Nachdem wir die Erstkonfiguration abgeschlossen hatten, meldeten wir uns über einen Webbrowser an.

X-RAID versus Flex-RAID

Wie bereits erwähnt, erstellt Readynas beim ersten Boot-Vorgang standardmäßig ein X-RAID. Wenn nur eine Platte eingebaut ist, besteht noch kein RAID-Schutz. Fügt man eine zweite Platte hinzu, erstellt Readynas automatisch ein RAID-1. Kommt eine dritte Platte hinzu, ändert das Gerät die Konfiguration auf RAID-5, um mehr nutzbaren Speicherplatz zu erhalten. Das Testsystem war mit drei 2-TByte- und drei 1-TByte-Platten bestückt. Die sechs Disks wurden vom X-RAID-Mechanismus automatisch als RAID 5 konfiguriert, die nutzbare Speicherkapazität betrug 6,3 TByte.

Um den RAID-Schutz zu testen, haben wir während eines Kopiervorgangs eine 2-TByte-Platte herausgezogen. Der Kopiervorgang lief ohne Unterbrechung weiter und das Readynas hat die Fehlersituation angezeigt. Nachdem wir die Platte wieder eingesteckt hatten, startete automatisch die Resynchronisierung des RAID-Verbundes.

Wird das RN526X in ein Active Directory integriert, lassen sich die Zugriffsberechtigungen den Benutzern und Gruppen der Windows-Domäne zuweisen.

Erfahrene Anwender können den X-RAID-Automatismus abschalten, indem sie nach der Inbetriebnahme auf Flex-RAID umstellen. Mit Flex-RAID lassen sich alle klassischen RAID-Level nutzen. Um die Flex-RAID-Funktionen zu testen, haben wir das Readynas heruntergefahren und alle sechs Platten ausgebaut.

Wir bauten anschließend zwei 2,5-Zoll-SSDs in das leere System ein. Die SSDs wurden automatisch als RAID 1 konfiguriert. Um zusätzlich zu dem RAID 1 ein RAID 5 erstellen zu können, änderten wir den Modus von X-RAID auf Flex-RAID. Anschließend befüllten wir die freien Slots mit vier SATA-Platten und erstellten ein RAID 5. Für weniger erfahrene Anwender ist das standardmäßig aktivierte X-RAID eine gute Lösung. Sobald zwei oder mehr Platten vorhanden sind, schützt das System die Daten automatisch vor dem Ausfall eines Laufwerks.

Flexible Zugriffsoptionen

Der einfachste Weg, mit einem NAS-System Speicherkapazitäten bereitzustellen, sind Verzeichnisfreigaben (auch Shares genannt). Readynas erstellt standardmäßig die Verzeichnisse „Bilder“, „Dokumente“, „Musik“ und „Videos“. Auf diese Freigaben können Benutzer von Windows- und Mac-Rechnern zugreifen.Wenn der Administrator eine neue Freigabe erstellt, kann er zusätzlich zu SMB/CIFS für Windows und AFP für Macs die Protokolle NFS für Linux, DLNA, FTP, RSYNC, HTTP und Itunes aktivieren. Im Freigaben-Wizard lassen sich auch Snapshot-Sicherungen konfigurieren.

Zur Wahl stehen die Optionen „Keine“, „Wöchentlich“, „Täglich“ oder „Stündlich“. Für den LANline-Test erstellten wir eine neue SMB-Freigabe und aktivierten stündliche Snapshots.

Mit den Snapshot-Funktionen von Readynas lassen sich komplette Shares, iSCSI-LUNs oder einzelne Dateien auf einen früheren Stand zurücksetzen.

Um die Active-Directory-Integration zu testen, fügten wir das Readynas zu unserer Windows-Testdomäne hinzu. Anschließend standen die Benutzerkonten und Gruppen der Domäne für die Vergabe von NAS-Zugriffsrechten zur Verfügung. Wenn man einen Mynetgear-Account angelegt hat, können Verzeichnisse auch für Ready-Cloud-Benutzer freigegeben werden. Der Zugriff ist dann über das Internet möglich. Für den Test legten wir einen Mynetgear-Account an. Anschließend meldeten wir uns per Handy an der Web-Seite readycloud.netgear.com an. Damit griffen wir auf die Freigaben unseres Readynas zu und luden die Dateien auf das Handy herunter. Mithilfe der Readycloud-Desktop-App lassen sich die Daten zudem zwischen Endgeräten und Readynas-Systemen synchronisieren.

Readynas lässt sich auch als iSCSI-Target konfigurieren, um zum Beispiel für VMware-ESX-Server oder Microsoft-Hyper-V-Server Speicherkapazitäten bereitzustellen. Für den LANline-Test haben wir für einen Hyper-V-Host eine neue iSCSI-LUN erstellt. Um die vorhandenen Speicherkapazitäten möglichst effizient zu nutzen, lässt sich Thin Provisioning aktivieren.

Die Verschlüsselung der gespeicherten Daten lässt sich nur bei der Neuanlage eines RAID-Volumes aktivieren. Der Schlüssel wird auf einem am NAS-Gerät angeschlossenen USB-Stick abgelegt und optional von der Readynas per E-Mail verschickt.

Daten mithilfe von Snapshots wiederherstellen

Standardmäßig erstellt Readynas jede Nacht um 0 Uhr einen Snapshot der Verzeichnisfreigaben „Bilder“, „Dokumente“, „Musik“ und „Video“. Für unseren Test-Share hatten wir stündliche Snapshots aktiviert. Um die Wiederherstellungsfunktionen zu testen, haben wir aus einem NAS-Verzeichnis die Dateien von zwei virtuellen Maschinen gelöscht.

Eine Rücksicherung ist auf zwei Wegen möglich. Der Administrator kann zum einen die komplette Verzeichnisfreigabe auf den gewünschten Snapshot-Zeitpunkt zurücksetzen. Zum anderen ist es im Recovery-Modus möglich, einzelne Dateien oder Verzeichnisse zurückzusichern. Im Test haben beide Verfahren funktioniert.

Der Recovery-Modus für Single File Restores wird nur für Shares unterstützt. Um aus einem Snapshot einer iSCSI-LUN einzelne Dateien zurückzusichern, muss der Administrator zunächst einen Clone der Snapshot-LUN erstellen und den Clone dann einer LUN-Gruppe zuweisen, auf die der Rechner Zugriff hat, auf dem man die Daten zurücksichern will.

Backup- und Replikationsfunktionen

Zusätzlich zu den Snapshots bietet Readynas verschiedene Backup- und Replikationsfunktionen an. Im Menü „Sichern“ kann der Administrator neue Backup-Jobs hinzufügen. Für den Test erstellten wir auf einem lokalen Laufwerk des Hyper-V-Servers ein Share und gaben es in der Jobkonfiguration als Zielverzeichnis an. Als Zeitplan wählten wir stündliche Sicherungen. Mit Klick auf die Schaltfläche „Alle sichern“ starteten wir das Backup und die Daten wurden vom Readynas auf das Backup-Ziel übertragen. Als Ziel kann man auch USB- oder eSATA-Disks sowie NFS-Server wählen.

Readynas stellt mehrere Backup- und Replikationsmechanismen zur Verfügung, um Daten auf andere Systeme im Unternehmensnetz oder in der Cloud zu sichern.

Die mit Readynas 6.6 eingeführte Funktion „ReadyDR“ erzeugt aus den Snapshot-Sicherungen von Shares oder LUNs ein vollwertiges Backup. Als Ziel wird ein zweites Readynas-System oder ein Verzeichnis auf demselben NAS-Gerät unterstützt.

Im Menü Cloud kann der Administrator zudem mit Readynas Replicate eine Datenreplikation zu einem zweiten Readynas-Gerät einrichten. Diese kann im lokalen Netz oder über das Readynas-Internetportal erfolgen. Mit Readynas Vault lassen sich Daten auf einem Online-Vault ablegen. Readynas unterstützt auch eine Synchronisierung von Daten mit Dropbox sowie mit Amazon Cloud Drive. Egnyte Storage Sync ermöglicht eine bidirektionale Synchronisierung von Daten zwischen Readynas-Geräten und Cloud-Diensten. Für eine automatisierte Sicherung der Daten von Mac-Rechnern unterstützt Readynas die Time Machine von Apple.

Schnelle Datentranfers über 10-GBit-Ethernet

Bevor wir die mit dem RN526X erzielbaren Transferraten testeten, konfigurierten wir zunächst die beiden 10GBase-T-NICs als Load-Balancing-Verbund. Im Administrationsmenü stehen für das Teaming mehrere Verfahren zur Verfügung. Wir wählten Adaptive Load Balancing.

Um die Übertragungsraten zu testen, verwendeten wir einen Windows-2012R-Server, der über eine 10GBase-T-NIC mit dem 10GbE-Switch verbunden war. Auf dem Readynas hatten wir eine iSCSI-LUN konfiguriert und an den Test-Server angebunden. Als Quelllaufwerk diente eine lokal im Server verbaute Plextor-PCIe-SSD. Von hier kopierten wir ein 103 GByte großes Daten-Set aus VM- und ISO-Dateien auf die iSCSI-LUN des Readynas. Mit den als RAID 1 konfigurierten SSDs dauerte der Kopiervorgang 220 Sekunden, was einer durchschnittlichen Transferrate von etwa 470 MByte/s entspricht. Der Performance-Monitor des Servers zeigte Spitzenwerte von über 700 MByte/s, was etwa 5,5 GBit/s entspricht und für Dateikopiervorgänge eine sehr gute Übertragungsgeschwindigkeit ist. Den gleichen Test führten wir mit der von Netgear bereitgestellten RAID-5-Plattenkonfiguration durch. Damit dauerte das Kopieren 270 Sekunden, die durchschnittliche Transferrate lag bei 380 MByte/s.

Fazit

Die neuen Readynas-Modelle von Netgear mit redundanter 10-GBit/s-Netzanbindung lassen für den professionellen Einsatz kaum Wünsche offen. Das standardmäßig aktivierte X-RAID schützt ab zwei Laufwerken automatisch vor einem Plattenausfall. Mit den integrierten Snapshot-, Backup- und Replikationsfunktionen können kleinere Unternehmen die für sie passende Datensicherungsstrategie sowohl im lokalen Netz als auch mit Cloud-Dienstleistern umsetzen. Durch die Cloud-Integration haben mobile Mitarbeiter die Möglichkeit, über das Internet auf die Readynas-Daten zuzugreifen. Eine Virenschutzlösung sowie fünf Jahre Next-Business-Day-Hardwareaustausch komplettieren das Readynas-Paket.

Firmen-Info
Info: Netgear
Tel.: 089/452429000
Web: www.netgear.de/business/products/storage/readynas
Christoph Lange.