Die Bordmittel von VMware Vsphere liefern dem Systemverantwortlichen bereits einige aussagekräftige Eckdaten zu Systemauslastung und Ressourcenbedarf. Überschreitet eine virtuelle Maschine die Grenzwerte, reagiert Vcenter jedoch mit eher dezenten Warnmeldungen. Eine Vorhersage, wie sich Auslastung und Bedarf entwickeln werden, gibt es an dieser Stelle nicht. Mit Virtualization Manager 7 will Solarwinds die Ungewissheit in Vsphere- wie auch Hyper-V-Umgebungen beseitigen.

Beim Solarwinds Virtualization Manager handelt es sich um eine speziell auf Hyper-V und Vsphere abgestimmte Überwachungs- und Analyseplattform. Neben der reinen Vermessung der Installationen bietet sich die Software für die Erstellung von Trendberechnung und „Was wäre wenn“-Szenarien an. Die Funktionen der Software reichen von der einfachen Überwachung über die Analyse von Speicher-I/O und die Anzeige von Auslastungsproblemen hin zu einem recht flexiblen und schnellen Warnsystem.

Das Dashboard des Virtualization Managers zeigt alle Daten auf einen Blick.

Bei der Suche nach vergessenen Snapshots hilft die Software ebenso wie bei der nach verwaisten Dateien. Ein typisches Einsatzgebiet ist die Suche nach sogenannten „VM-Zombies“, also nach virtuellen Maschinen, die keinem Zweck mehr dienen und so unnötig Ressourcen verbrauchen.

Während andere Solarwinds-Lösungen primär auf der Windows-Plattform arbeiten, liefert der Hersteller diese Lösung passenderweise als virtuelle Appliance. Deren Leistungsanforderungen erfüllen alle gängigen Installationen: Sie benötigt 200 GByte freien Festplattenspeicher, 8 GByte RAM und vier virtuelle CPUs. Lauffähig ist sie auf VMware Vsphere 5 oder höher und Microsoft Hyper-V 2008 und höher. Die zur Speicherung notwendige Datenbank bringt die auf Centos-Linux aufbauende Software gleich mit.

Anlaufschwierigkeiten

Normalerweise ist die Auslieferung einer virtuellen Appliance im OVF-Format der Garant für eine einfache und schnelle Inbetriebnahme durch den Administrator: Mit den passenden Dialogen sorgt der Anbieter dafür, dass der Benutzer alle zur Einrichtung notwendigen Konfigurationsmerkmale einträgt und die virtuelle Maschine direkt in Betrieb gehen kann.

Solarwinds Virtualization Manager listet alle Informationen, die der jeweilige Hypervisor auch bietet – jedoch zügiger und optisch ansprechender.

Dies versuchte auch die V-Appliance von Solarwinds für Vsphere-Umgebungen, jedoch endete jeglicher Versuch der Einbindung auf ESXi-5.5- oder ESXi-6.5-Hosts in einer Vcenter-6.5-Umgebung mit einer Meldung, das Centos64-Gastbetriebssystem werde nicht unterstützt. Erst nachdem wir die Appliance als Vorlage mit VMware Workstation 12.5.3 öffneten und das Gastbetriebssystem in den „Virtual Machine Settings“ manuell auf „Red Hat Enterprise Linux (RHEL) 7 64-Bit“ umstellten, konnten wir die Appliance in das Vcenter verschieben, öffnen und nutzen.

Im „Kleingedruckten“ der Release Notes fanden wir später einen entsprechenden Hinweis, dass bei der Einrichtung in einer aktuellen Vsphere-6.5-Umgebung ein Upgrade der „virtuellen Hardware“ erforderlich ist. Das Readme-Dokument im Download-Archiv indes gibt hierzu keine Informationen.

Einfache Konfiguration dank Wizard

Nachdem diese Startschwierigkeiten überwunden waren, machte die Lösung im Test eine bessere Figur. Ein Installationsassistent sammelte in der richtigen Reihenfolge alle benötigten Informationen ein und kümmerte sich um die Grundkonfiguration. Der Wizard erfragt allgemeine Informationen, beispielsweise die E-Mail-Adresse für den automatischen Reportversand und die hierfür notwendigen SMTP-Zugangsdaten sowie die Credentials für Vsphere, ESXi oder Hyper-V. Darüber hinaus gibt es nur zwei lösungsspezifische Fragestellungen: die „Collection Schedules“ für die Konfiguration und die Leistungswerte für die angelegten Ziele. In unserer Teststellung war dies eine aktuelle „VMware Vsphere Vcenter 6.5“-Installation auf einem Windows Server 2016. Der letzte Schritt im Configuration Wizard steuert die optionale Integration mit Orion. Im Zusammenspiel mit dieser hauseigenen Überwachungsplattform von Solarwinds stehen dem Nutzer einige erweiterte Funktionen zur Verfügung: Power/Snapshot-Management, Steuerfunktionen für VMs, rollenbasierte Zugriffsberechtigung, weiterführende Informationen zu den einzelnen Systemen und eine erleichterte Definition von Messwerten und Benachrichtigungen.

Auf der Suche nach freiem Festplattenspeicher ist die Software überaus hilfreich.

Sofern das Programm noch keine eigenen Daten erfasst hat, können Administratoren im Menü „Configure this Appliance“ eine Datenmigration von einem bestehenden Server anstoßen. In diesem Menüabschnitt wird dem Administrator zudem gezeigt, wie stark die Netzwerk-, CPU- und Speicherauslastung aktuell ist. „Activity-Logs“ führen Buch über die Software und das Betriebssystem. Eine zeitliche Eingrenzung zur gezielten Anzeige von Ereignissen oder eine Suchfunktion bietet die Software nicht. Ebenso fehlt eine Export- oder Importfunktion für die Konfiguration und die gesammelten Daten.

Warnen, bevor es zu spät ist

Administratoren haben kleine Hypervisor-Umgebungen meist recht gut im Blick, vor allem, wenn sich lediglich zwei oder drei Personen um die Maschinen kümmern. Bereits der klassische Ausbau eines kleinen bis mittelständischen Unternehmens reicht jedoch aus, dass der Überblick verloren gehen kann. Ein schnell erzeugter Snapshot gerät in Vergessenheit und verwandelt sich mit den Tagen oder Wochen zu einem echten Performance-Killer.

Im Zuge der Teststellung sorgten wir für verschiedene Konstellationen, bei denen die Software mit Warnungen oder zumindest einer entsprechenden Protokollierung reagieren muss. In einem Test sorgten wir dafür, dass im Minutentakt eine Dummy-Datei mit einer zufälligen Größe eine knapp bemessene Partition innerhalb einer VM zum Überlauf bringen würde. Der Virtualization Manager reagierte rechtzeitig, indem er diese Partition in die Gruppe von Geräten einsortierte, deren Festplattenspeicher zu gering ist und bei denen in weniger als sieben Tagen mit einer Überschreitung der Kapazität zu rechnen ist. In der Sprachlogik von Solarwinds heißt diese Vorgehensweise dann: „vm.vol.capacityDepletionDate:[* TO now+7days]“.

Ein „Capacity Planner“ berechnet, wie sich die Hinzunahme weiterer VMs auswirken wird.

Glücklicherweise müssen sich Anwender mit derlei Syntax kaum beschäftigen, es gibt für alle erdenklichen Szenarien vorgefertigte Meldungen und Reports. Auch ohne besonderes Zutun durch den Administrator tauchen diese Warnungen quasi von allein auf und machen den Anwender darauf aufmerksam, dass es etwas zu unternehmen gibt. Trotz der vielen guten Überwachungsfunktionen dürfen sich Administratoren jedoch nicht in vermeintlicher Sicherheit wiegen.

In einem anderen Testfall sorgten wir auf einem virtuellen Windows-7-Desktop für eine künstliche Überschreitung der RAM-Ressourcen bei gleichzeitig geringem Platz für die Auslagerungsdatei. Nach einiger Zeit meldete sich das Gastbetriebssystem, dass der Arbeitsspeicher nicht ausreichen werde, und wurde gefühlt immer langsamer. Dem Virtualization Manager von Solarwinds hingegen entging dieser Missstand im Test.

Überaus praktisch sind jedoch die bereits vordefinierten Warnhinweise (Alerts), die der Administrator in beinahe jeder Maske im Programm sieht. Die Software arbeitet mit den Status „No Alerts“, „Informational“, „Warning“ und „Critical“. Die Schwellenwerte hat der Hersteller bereits eingepflegt, und schon nach einigen Stunden ermittelt das Programm Fehlkonfigurationen wie beispielsweise „Plattenspeicher bald aufgebraucht“ und „hohe Auslastung“ oder findet große, ungenutzte Snapshots, die die Leistung mindern.

Interessanterweise liefert die Software auch Informationen in gegenteiliger Richtung, also über die Stellen, an denen man potenziell Ressourcen verschwendet. Dazu zählen zum Beispiel Maschinen, denen möglicherweise zu viel Plattenspeicher zugewiesen wurde, ohne dass dieser in Gebrauch ist. Sie landen im Report der Kategorie „VM Storage Rightsize“. Freier Speicherplatz kann, muss aber kein Missstand sein. Problematisch wird es jedoch, wenn viele Maschinen aus einem gemeinsamen Template hervorgingen und der Administrator den Speicherbedarf über „Thin Provisioning“ eher optimistisch allokiert hat.

Während beim „Thick Provisioning“ der geforderte Speicherplatz wirklich reserviert wird, ist dies beim „Thin Provisioning“ nicht der Fall. Folglich lässt sich der tatsächliche maximale Speicherplatzbedarf schwerer feststellen. Würden alle VMs gleichzeitig ihren Speicherplatz wirklich einfordern, könnte es auf dem Speichersystem eng werden. Daher ist es überaus sinnvoll, den Alert anzupassen und den Scope „vm.vol.freeSpace:[21474836480 TO *]“ um „AND vm.vdisk.thinProvisioned:“false““ zu erweitern. In den Tiefen des knapp 300 Seiten umfassenden PDF-Handbuchs und im Internet findet der Administrator eine ganze Reihe solcher nützlichen Tipps.

In der neuesten Version liefert die Software auch direkte Handlungsempfehlungen. Deren automatische Durchführung setzt jedoch die Management-Plattform Orion voraus.

Die im Sommer vergangenen Jahres vorgestellte Version 6.3.2 bot augenscheinlich mit einer komplett überarbeiteten Oberfläche viele sichtbare Neuerungen. Unter der Haube wurde seinerzeit intern auf Java 8u92 umgestellt. Zudem hat Solarwinds neue Überwachungsmöglichkeiten für CPU- und Speicherwerte eingeführt. Beim Zusammenspiel mit Hyper-V dürften sich Administratoren über die vereinfachte Möglichkeit zur AD-Einbindung gefreut haben.

Neue Empfehlungsfunktion

Mit dem Sprung auf Version 7.0 im Dezember 2016 stellte Solarwinds ein komplett neues Feature vor: „Recommendations“ (Empfehlungen). Darunter versteht der Hersteller die Möglichkeit, die gesammelten Daten noch besser zu interpretieren und dem IT-Administrator entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Die Lösung ermittelt diese Handlungsempfehlungen aus aktuellen Ereignissen wie auch auf Basis von Vorhersagen. Ein aktuelles Ereignis kann beispielsweise eine zu hohe Auslastung sein, während eine Vorhersage dem Administrator den Hinweis geben kann, dass bei weiterem Zuwachs in x Tagen eine Überschreitung eintritt, auf die er schon jetzt reagieren sollte. Eine Empfehlung der Solarwinds-Software sieht zum Beispiel so aus: „Relocate VM x to ESX y“. Der Administrator kann eine Empfehlung sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt ausführen lassen. Dies funktioniert jedoch nur, sofern Solarwinds Orion im Einsatz ist.

Ohne Orion im Hintergrund kann der Administrator lediglich Leistungs- und Auslastungsvorausberechnungen durchführen. Dies setzt jedoch die Eingliederung der VMware-Hypervisor-Umgebung in einen Cluster voraus. Für eigenständig betriebene ESXi-Server funktioniert das Register „Capacity Planning“ nicht. Das zunächst unscheinbare Fenster bietet verschiedenste Berechnungsmöglichkeiten, um die künftige Auslastung der Anlage vorauszuberechnen.

Fazit: virtuelle Umgebung einfacher unter Kontrolle

Virtualization Manager 7.0.0.1367 von Solarwinds erleichtert es Systemverantwortlichen, ihre virtuellen Umgebungen unter Vsphere oder Hyper-V zu überwachen. Eine große Anzahl von Reports und unterschiedliche Warnhinweise erlauben Rückschlüsse zur Trendvorhersage oder Verhinderung von Missständen. Die Software ist relativ rasch konfiguriert und liefert schon nach rund einem Überwachungstag brauchbare Daten. Trotz aller Einfachheit müssen Administratoren einige Zeit für die Einarbeitung einplanen, um der knapp 3.000 Euro teuren Software die benötigten Informationen abzugewinnen. Der Hersteller sieht eine Integration in die hauseigene Überwachungs- und Management-Plattform Orion vor, doch auch ohne diese ist Virtualization Manager eine nützliche Software.

Firmen-Info
Info: Solarwinds

Tel.: 0800/6644677

Web: www.solarwinds.com/de

Frank-Michael Schlede und Thomas Bär.